Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.09.2016

17:32 Uhr

Wegen PKK-Unterstützung

Türkei suspendiert mehr als 11.000 Lehrer

Nach dem Putschversuch im Juli ließ die türkische Regierung rund 20.000 Lehrer suspendieren – wegen Unterstützung der Gülen-Bewegung. Nun folgen mehr als 11.000 weitere. Der Grund ist jedoch ein anderer.

Immer mehr Staatsbedienstete geraten wegen vermeintlicher politischer Nähe zu bestimmten Organisationen in das Visier der türkischen Behörden. AFP; Files; Francois Guillot

Türkischer Präsident Erdogan

Immer mehr Staatsbedienstete geraten wegen vermeintlicher politischer Nähe zu bestimmten Organisationen in das Visier der türkischen Behörden.

IstanbulKurz vor Beginn des neuen Schuljahres hat die türkische Regierung 11.285 Lehrer wegen mutmaßlicher Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vom Dienst suspendiert. Sie sollen sich an Aktionen beteiligt haben, die die PKK und ihre Ableger unterstützten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Ministerpräsident Binali Yildirim hatte am Sonntag die Suspendierung Tausender Lehrer wegen PKK-Unterstützung angekündigt. Er sagte, nach Schätzungen seien 14.000 Lehrer im mehrheitlich kurdischen Südosten des Landes „irgendwie mit dem Terror verwoben“.

Das Schuljahr beginnt in der Türkei am 19. September. Nach dem Putschversuch Mitte Juli hatte die Regierung in Ankara bereits mehr als 20.000 Lehrer wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen vom Dienst freigestellt. Präsident Recep Tayyip Erdogan macht Gülen für den Umsturzversuch verantwortlich. Nach Regierungsangaben gibt es in der Türkei mehr als 850.000 Lehrer.

Die Bezirksverwaltungen in den mehrheitlich kurdischen Bezirken Sur in der Stadt Diyarbakir und Silvan in der Provinz Diyarbakir wurden am Donnerstag unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt, wie Anadolu meldete. In den Bezirken regiert bislang die DBP, der kommunale Ableger der pro-kurdischen HDP. In der Vergangenheit lieferten sich PKK-Anhänger schwere Gefechte mit Sicherheitskräften in Sur und Silvan. Erdogan bezeichnet die HDP als verlängerten Arm der PKK.

Die Kurden - ewiger Streit

Kurdengebiete

Das Kurdengebiet erstreckt sich vom Osten der Türkei über Syrien, bis in den Irak und Iran. Kurdische Nationalisten fordern seit jeher ein eigenes Staatsgebiet für die Kurden. Die Staaten in diesem Gebiet, allen voran die Türkei, lehnen das jedoch ab.

Tradition und Religion

Die Kurden sind eine Bevölkerungsgruppe mit einer eigenen Sprache, traditionellen Festen, Musik und Literatur und einer eigenen kurdischen Küche. Religiös sind die Kurden hingegen gespalten: Die Mehrheit der Kurden sind Sunniten. Daneben gibt es, wenn auch wenige, Schiiten, Jesiden, Christen und Juden.

Politik

In der Türkei, in Syrien und im Iran gründeten Kurden eigene Parteien, die jedoch zum Teil nur im Untergrund agieren können, da sie von den nationalen Regierungen unterdrückt werden. Die wohl bekannteste von ihnen ist die PKK in der Türkei. Nur die autonome Region Kurdistan, im Irak, hat ein eigenes Parlament und wählt ihren eigenen Präsidenten.

Türkei Konflikt

Der Konflikt zwischen der Türkei und der PKK gilt als der längste Konflikt zwischen Kurden und der türkischen Regierung. Die PKK fordert seit ihrer Gründung im Jahr 1978 einen unabhängigen Kurdenstaat. Diesen versucht sie, zum Teil auch gewaltsam, durchzusetzen. Die Türkei lehnt einen autonomen Kurdenstaat ab und ging ihrerseits immer wieder militärisch gegen die PKK vor. Die PKK wird von der der Türkei, von den USA und von der EU als terroristische Vereinigung eingestuft.

Sport

Die beliebteste Sportart in der autonomen Region Kurdistan ist Fußball. Vor zehn Jahren gründete sich der kurdische Fußballverband „Kurdistan Football Association“, in dem heute 24 Mannschaften spielen. Außerdem gibt es eine kurdische Fußballauswahl, die von der FIFA jedoch nicht anerkannt wird und deshalb nicht an den Weltmeisterschaften teilnehmen darf.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×