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06.02.2006

21:46 Uhr

Wegen Protesten gegen Karikaturen

Merkel ruft zu Dialog mit islamischer Welt auf

Regierung und Parteien in Deutschland haben für die Kritik an den Mohammed-Karikaturen Verständnis geäußert, muslimische Demonstranten aber zugleich zur Gewaltlosigkeit ermahnt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts der Proteste gegen Mohammed-Karikaturen zum Dialog mit der islamischen Welt aufgerufen.

HB BERLIN. Wegen der tagelangen Krawalle telefonierte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag mit dem dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen. Wie das Bundespresseamt am Abend mitteilte, brachte Merkel dabei ihre Besorgnis über die anti-dänischen Ausschreitungen in der islamischen Welt zum Ausdruck.

Die Krawalle seien bei allem Verständnis für die verletzten Gefühle der Muslime „inakzeptabel“. Gewalt dürfe als Mittel der Auseinandersetzung keinesfalls toleriert werden. Eine breite öffentliche Debatte über das Thema dürfe „keinesfalls mit Hass und Gewalt geführt werden“, zitierte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm die Kanzlerin. Nun komme es darauf an, den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen zu intensivieren, machte Merkel deutlich.

Im ZDF sagte Merkel am Montagabend: „Die Ereignisse sind für uns eine Aufforderung, sich diesem Dialog zu stellen, sich auch unserer eigenen Werte zu vergewissern und diese Werte mit Klarheit zu artikulieren.“ Dann werde man bei denen, die einer anderen Religion verpflichtet sind, Aufmerksamkeit finden. „Ich kann die Gefühle vieler Muslime verstehen, aber ich sage auf der anderen Seite, dass es für uns ein unabdingbares Gut ist, dass es die Freiheit der Presse gibt“, sagte Merkel.

Außenminister Steinmeier wandte sich gegen wirtschaftliche Sanktionen und den Abbruch diplomatischer Beziehungen. „Wir denken nicht daran, im Augenblick Botschaften zu schließen beziehungsweise diplomatische Beziehungen ganz abzubrechen.“ Deutschland solle gegenwärtig nicht die „geringen Möglichkeiten, die es habe, auf den weiteren Prozess Einfluss zu nehmen“, aus der Hand geben. Laut Steinmeier darf der Westen es „nicht zulassen, dass aus diesem Streit ein Kampf der Kulturen wird“.

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