Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.09.2011

21:09 Uhr

Wegen Spar-Rückstand

Euro-Partner drohen Athen mit Hilfe-Stopp

Auch wenn das Bundesverfassungsgericht grünes Licht zu den deutschen Euro-Hilfen gegeben hat, ist für Griechenland nichts in trockenen Tüchern. Der EU gehen die Athener Sparanstrengungen nicht weit genug.

Eurogruppenchef Juncker. dpa

Eurogruppenchef Juncker.

BrüsselIm Streit um die Sparanstrengungen Griechenlands zeigen sich die Euro-Partner unnachgiebig. So machte der luxemburgische Ministerpräsident und Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, die Zahlung der nächsten Tranche der Griechenland-Hilfe von der Sparpolitik der Regierung in Athen abhängig. Alle Bedingungen des Rettungsprogramms müssten erfüllt werden, sagte Juncker bei einem Besuch in Bulgarien: „Wenn das nicht der Fall ist, ist es nicht sicher, dass die Zahlung der nächsten Tranche stattfinden kann.“

Die Troika hatte Ende vergangener Woche nach Unstimmigkeiten über die Defizitzahlen 2011 und 2012 des Landes ihre Inspektion ausgesetzt. Ohne die nächste Tranche von acht Milliarden Euro wäre Griechenland innerhalb weniger Wochen zahlungsunfähig.

Griechenland-Optionen: Wenn Athen nicht liefert, dann…

Griechenland-Optionen

Wenn Athen nicht liefert, dann…

In Bundesregierung, EU-Kommission und EZB wachsen die Zweifel, dass Griechenland seinen versprochenen Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen leisten wird. Doch was passiert, wenn sich Athen nicht bewegt?

Mehrere mit den Gesprächen vertraute Vertreter der Euro-Zone machten ebenfalls deutlich, dass die Regierung in Athen zusätzliche Bemühungen unternehmen müsse, da sie ihr Defizitziel in diesem Jahr wohl verfehlen werde. Ansonsten könne das Land nicht mit der Auszahlung der nächsten Hilfstranche rechnen. „Die Euro-Zonen-Minister werden der Ausgabe der nächsten Tranche nur dann zustimmen, wenn sie glauben, dass Griechenland diesmal liefern wird“, sagte ein Insider aus dem Währungsraum.

Das Haushaltsdefizit gemessen an der Wirtschaftsleistung werde 2011 mindestens einen Prozentpunkt über den zugesagten 7,6 Prozent liegen, hieß es in den Kreisen. Dafür müsse Athen einen Ausgleich anbieten. So solle Griechenland mehr Staatsvermögen in seinen Privatisierungsfonds überführen und die Gesetzgebung für Strukturreformen forcieren, mit denen Einsparungen erzielt werden. Die Defizitvorgaben für 2012 dürften nicht angetastet werden, hieß es.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

„Griechenland will die Euro-Zone womöglich auf die Probe stellen“, sagte ein Insider. Deutschland habe bereits mit einem „Plan B“ gedroht, sollte Athen seine Zusagen nicht erfüllen. Mehrere Euro-Zonen-Vertreter äußerten allerdings die Einschätzung, dass die Bundesregierung nicht so weit gehen werde, Griechenland pleitegehen zu lassen. Allerdings habe das Land nur noch rund einen Monat Zeit, um Europäische Union (EU), Europäische Zentralbank (EZB) und Internationalen Währungsfonds (IWF) zu überzeugen. Ein Experten-Team dieser drei, das die Sparfortschritte prüfen soll, hatte das Land verlassen und soll nach einer zehntägigen Pause am 14. September zurückkehren. Dann soll die griechische Regierung ihre Nachbesserungen vorlegen. „Wenn es keinen positiven Bericht von der Troika gibt, kann es keine Auszahlung der sechsten Tranche geben“, sagte ein Euro-Zonen-Vertreter.

Kommentare (25)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

berkmann

07.09.2011, 21:30 Uhr

Selbstverständlich wird Mutti zahlen, nachdem sie erst heute vom Verfassungsgericht die Erlaubnis für weitere Blankoschecks bekommen hat. Es zahlen eh die dummen Steuerzahler.
Die Griechen wissen das und leben weiter lustig über ihre Verhältnisse. Sie haben ja damit auch irgendwie recht.
Ich bin jedenfalls bei der nächsten Demo gegen die Transferunion dabei.

Pendler

07.09.2011, 21:37 Uhr

Hmmm, gibt es etwas doch noch Staatsmänner, die ihr Land nicht abbrennen lassen wollen.

Die alte Stasi-Oma rafft nix
das Volk hasst sie
und sie hasst es, das Volk zu befragen

### wir befürworten daher eindeutig den ausschlußß der Dolce-Vita Staaten aus dem € ###

Pendler

07.09.2011, 21:37 Uhr

Hmmm, gibt es etwas doch noch Staatsmänner, die ihr Land nicht abbrennen lassen wollen.

Die alte Stasi-Oma rafft nix
das Volk hasst sie
und sie hasst es, das Volk zu befragen

### wir befürworten daher eindeutig den ausschlußß der Dolce-Vita Staaten aus dem € ###

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×