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29.07.2011

11:52 Uhr

Wegen US-Schuldenstreit

China schürt die Angst vorm Absturz

China schaltet sich in das Gezerre um die Anhebung der US-Schuldenobergrenze ein: Das Land verurteilt das politische Hickhack und warnt vor Horrorfolgen für die Weltwirtschaft. Auch Experten sind beunruhigt.

Flaggen der USA und Chinas. Quelle: Reuters

Flaggen der USA und Chinas.

PekingChina sieht in dem Schuldendrama in den USA eine „waghalsige Politik“, die den Rest der Welt mit in den Abgrund ziehen könnte. Das Kräftemessen zwischen Kongress und Weißem Haus könnte leicht außer Kontrolle geraten, fand ein Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. „Ein solches politisches Spiel mit dem Feuer in Washington ist gefährlich unverantwortlich.“ Es gehe das Risiko ein, dass die noch schwache wirtschaftliche Erholung nicht nur in den USA, sondern in der ganzen Welt wieder stranguliert werde. Kommentator Deng Yushan warnte vor einer zweiten Rezession - „nur könnte es diesmal eine viel größere Sauerei werden“. Es drohe eine Rezession wie die von 2008, die auch in den USA ausgelöst worden sei. Damals, im September 2008, gingen, ausgelöst durch den Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers, schwere Schockwellen durch die internationalen Finanzmärkte. Washington müsse daher endlich „ein bisschen globales Verantwortungsgefühl“ zeigen.

Möglichkeiten im Kampf gegen den Zahlungsausfall

Aussetzen bestimmter Papiere

Seit dem 6. Mai hat das Finanzministerium bereits den Verkauf der sogenannten Slugs - State and Local Government Series Securities - gestoppt. Diese Papiere werden den Bundesstaaten und Kommunen zur Anlage angeboten, erhöhen aber die Schulden des Bundeshaushalts. Wird das Programm gestoppt, erhöht das den Finanzspielraum des Ministeriums. In den vergangenen 20 Jahren wurde das Programm bereits sechs Mal ausgesetzt, damit die USA die Schuldenobergrenze nicht reißen.

Aussetzen von Einmalzahlungen in Rentenfonds

Das Finanzministerium stoppt Einzahlungen in verschiedene Fonds für Pensionen und die Absicherung von Berufsunfähigkeit der Beschäftigten im Staatsdienst. Damit könnte es je nach Dauer zwölf oder 72 Milliarden Dollar freimachen.

Einfrieren eines Investmentfonds

Das Finanzministerium wird ab diesem Montag einen Fonds für Beschäftigte im Staatsdienst, den G-Fonds, auf Eis legen. Die darin enthaltenen Mittel von 130 Milliarden Dollar werden bis auf weiteres nicht mehr neu angelegt. Damit erhöht sich der Spielraum zur Aufnahme neuer Kredite um diesen Betrag.

Anzapfen von Fonds zur Währungsstabilisierung

Die Regierung könnte den selten genutzten 50 Milliarden Dollar schweren Fonds zur Stabilisierung der Währungskurse anzapfen, um die Aufnahme neuer Schulden zu verhindern. Der Fonds wurde in den 1930er Jahren während der Großen Depression

geschaffen.

Verkauf von Vermögenswerten

Die Regierung könnte Teile von Unternehmen verkaufen, die sie im Rahmen des 700 Milliarden Dollar schweren TARP-Programmes gerettet hat. Allerdings hat Finanzminister Timothy Geithner bereits angedeutet, dies sei möglicherweise keine gangbare Lösung, weil der Steuerzahler bei einem Blitz-Verkauf Verluste erleiden könnte.

 

Besonders die potenziell gefährlichen Auswirkungen der Krise auf die Weltwirtschaft beunruhigen den Exportweltmeister. Der größte ausländische Kreditgeber der USA muss sich allerdings keine Sorgen machen, wenn die US-Regierung nächste Woche nicht mehr zahlungsfähig wäre. „Es wäre nur ein technischer Verzug - nicht einer, der durch Insolvenz verursacht ist“, erläuterte der US-Finanzprofessor Michael Pettis von der Guanghua-Managementschule der Peking Universität. „Im schlimmsten Fall bekommen sie ihr Geld später - aber mit vollen Zinsen“, sagte Pettis der Nachrichtenagentur dpa. Selbst am US-Anleihenmarkt gebe es keine Sorge über etwaige Ausfälle.

China hat gigantische 1,152 Billionen US-Dollar in amerikanische Schatzanleihen investiert. Der Grund sind die mit Abstand weltgrößten Devisenreserven, die China durch seine Handelsüberschüsse ansammelt: 3,2 Billionen US-Dollar (2,3 Billionen Euro). China verkauft seine Waren in den USA, investiert die eingenommenen US-Dollar wieder in US-Anleihen und und schafft damit neue Liquidität in den USA.

Folgen des Schuldenstreits: „Wenn die Chinesen Zweifel bekommen, wird es bedrohlich“

Folgen des Schuldenstreits

„Wenn die Chinesen Zweifel bekommen, wird es bedrohlich“

Die USA sind nicht zahlungsunfähig, aber sie verspielen sehr viel Vertrauen, sagt Frank Hübner, Volkswirt bei Sal. Oppenheim. Sollte das Top-Rating fallen, rechnet er mit Verwerfungen an den Märkten.

Der Kreislauf ist notwendiger Bestandteil des chinesischen Handels- und Wachstumsmodells. Überhaupt ist nur der amerikanische Anleihenmarkt auch groß genug, um solche Mengen an US-Dollars aufzunehmen.

Sowohl das Exportland China als auch das Schuldenland USA stützen ihr Wirtschaftsmodell schon lange auf diesen Mechanismus. Doch die gewaltigen Ausfuhrüberschüsse in China sind ebenso ungesund wie die hohen Schulden in den USA, was seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 augenfällig wurde. China hält zudem noch den Wert seiner Währung gegenüber dem US-Dollar niedrig, was seine Waren auf ausländischen Märkten verbilligt. Es fürchtet, dass die geforderte Aufwertung des Yuan viele Arbeitsplätze in seiner Exportindustrie kosten würde.

Kommentare (19)

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Anonym

29.07.2011, 12:09 Uhr

Welche Polemik in der Überschrift.
China schürt keine Angst, sondern China ist sehr besorgt, was die amerikanischen Politiker in ihrer grenzenlosen Dummheit so treiben.

Also weniger Polemik gegenüber China wäre manchmal ganz angebracht.

Kraeftemangel

29.07.2011, 12:20 Uhr

„Im schlimmsten Fall bekommen sie ihr Geld später - aber mit vollen Zinsen“..... hahaha
Was haben wir aus der Griechenland-Misere gelernt? Jede Änderung der Zahlungsbedingungen wird als "default" bewertet. Was sollen denn bitte schön die Gläubiger machen, welche auf die Zinseinnahmen warten, um damit selbst Verbindlichkeiten bedienen zu können? Ein Zahlungsausfall, wenn auch nur für kurze Zeit, wird mit Sicherheit Schockwellen auslösen. Vielleicht heilende Schockwellen! Einen schönen Tag.

zephyroz

29.07.2011, 12:25 Uhr

Die Chinesen haben vollkommen recht und sind wohl die einzigen, die den USA wirklich mores lehren könnten. Denen gehört eh schon mindestens ein Dritel der USA. Was ich nicht verstehe ist, daß sich ein Präsident so etwas gefallen läßt. Ich würde den Notstand ausrufen. Bis vor Gericht geklärt ist, ob ich das dann wohl darf, ist die nächste Legislaturperiode schon längst angebrochen.

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