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13.05.2011

16:52 Uhr

Weinhandel im Ministerium

England verkauft edle Tropfen zur Etatsanierung

Vondapd , dpa

Um gegen das hohe Haushaltsdefizit anzugehen, will Großbritanniens Regierung einen Teil ihres umfangreichen Bestands teurer Weine veräußern - so könnten bald ein paar begehrte Tropfen auf dem Markt auftauchen.

Neue Weinvorräte dürfen nur noch über den Verkauf von Restbeständen finanziert werden. Quelle: dpa

Neue Weinvorräte dürfen nur noch über den Verkauf von Restbeständen finanziert werden.

LondonZehntausende Jobs stehen auf der Kippe, die Haushaltseinkommen sinken und die Wirtschaft wächst nur langsam: Da muss auch die britische Regierung den Gürtel ein wenig enger schnallen. Bis auf weiteres dürfen neue Weinvorräte nur über den Verkauf von Restbeständen aus dem Weinkeller der Downing Street finanziert werden - einen geschmackvolle Sparmaßnahme, die britische Diplomaten dazu bringt, künftig von Dienst wegen mit Wein zu handeln.

Außenamtsstaatssekretär Henry Bellingham sagte am Freitag, das Ministerium müsse mit dem Verkauf der wertvollsten Weine aus seinem gut gefüllten Keller Einnahmen erzielen - hier schlummern edle Tropfen im Wert von rund 2,26 Millionen Euro.

Bis Ende 2015 würden für neue Weine, die auf Empfängen oder anderen Veranstaltungen der Regierung gereicht werden, keine Steuermittel ausgegeben. Statt dessen müssten die Einnahmen aus dem Verkauf hochwertiger Tropfen für den Kauf neuer, preiswerterer Ware verwendet werden, sagte Bellingham.

Britische Regierung spart - im Weinkeller

Das Ministerium hat rund 40.000 Flaschen zum Teil höchst exklusiver Weine auf Lager. Darunter befinden sich Exemplare eines Château Pétrus, Jahrgang 1978, der pro Flasche 2.500 Pfund (2.900 Euro) kostet, oder eines Château Latour, Jahrgang 1955, für 1.000 Pfund (1.140 Euro) pro Flasche.

Die britische Regierung will bis Ende 2015 insgesamt 81 Milliarden Pfund einsparen. Keine ganz so leichte Aufgabe: Das Wachstum verharrt bei 0,5 Prozent, die Arbeitslosigkeit liegt bei 7,8 Prozent, Tendenz steigend.

Staatssekretär Bellingham sagte, er habe zunächst erwogen, den gesamten, 100 Jahre alten Weinkeller zu verkaufen. Er glaube aber inzwischen, dass ein taktisch kluger Verkauf teurer Weine das gesamte System finanzieren und der Steuerzahler damit Geld sparen könne. Angestrebt sei, jährlich etwa 50.000 Pfund zu erzielen. Davon sollten sowohl gängige Ware für Staatsbankette und andere Veranstaltungen als auch Flaschen gekauft werden, die in kommenden Jahrzehnten wertvoll werden könnten.

Außenminister William Hague, der für die Weinvorräte von Amts wegen zuständig ist, hatte im vergangenen Jahr eine Überprüfung des Weinkellers und seiner wirtschaftlichen Tragfähigkeit angeordnet. Dem Parlament werde künftig jedes Jahr ein Bericht darüber vorgelegt, wie viel Wein getrunken wurde und was noch im Bestand ist.

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