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22.03.2006

09:41 Uhr

Weißrussland

Lukaschenko will Demonstranten aushungern

Vor einem harten Polizeieinsatz gegen die Demonstranten im Zentrum der weißrussischen Hauptstadt Minsk schreckt das Regime des autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko noch zurück. Die Ordnungskräfte greifen zu subtileren Methoden, um den Protest ins Leere laufen zu lassen.

Diese Oppositionsanhängerin in Minsk schützt sich mit einer Decke vor der eisigen Kälte. Foto: dpa

Diese Oppositionsanhängerin in Minsk schützt sich mit einer Decke vor der eisigen Kälte. Foto: dpa

HB MINSK. Der weißrussische Innenminister Wladimir Naumow befahl seinen Einsatzkräften am Mittwoch, Bürgern mit Lebensmitteln den Zugang zum Oktoberplatz in Minsk zu verwehren. Dort hatten in der vorangegangenen Nacht wieder rund 600 Lukaschenko-Gegner bei Temperaturen von bis zu minus zehn Grad ausgeharrt. Das Ministerium machte „hygienische Gründe“ für die Anordnung geltend.

Nach Schätzungen der Opposition hat die Polizei bislang mehr als 100 Demonstranten festgenommen, nachdem diese den Oktoberplatz mit den darauf aufgebauten 20 Zelten verlassen hatten. Bei den Teilnehmern, die die Nacht über ausharrten, handelte es sich vorwiegend um junge Leute. Es waren mehr als in den vorangegangenen Nächten. Da sich ein Großteil der Polizeikräfte über Nacht zurückgezogen hatte, gelang es Unterstützern, die Oppositionsanhänger mit heißen Getränke und Essen zu versorgen.

Oppositionskandidat Alexander Milinkewitsch, der bei der mutmaßlich gefälschten Präsidentenwahl am Wochenende gegen Lukaschenko verloren hatte, betonte, er sei sich bewusst, mit diesen Protesten nicht die Staatsmacht besiegen zu können. Die Kundgebungen seien vielmehr die Geburtsstunde einer neuen demokratischen Opposition, die sich von den Drohungen des Regimes nicht mehr einschüchtern lasse. Milinkewitsch rief seine Anhänger zu einer Großkundgebung am kommenden Sonnabend auf. Am 25. März 1918 wurde die erste unabhängige Republik Weißrussland gegründet. Präsident Lukaschenko hatte den Feiertag vor einigen Jahren verboten.

Die Proteste erinnerten an die so genannte Orangene Revolution in der benachbarten Ukraine aus dem Jahr 2004, als Hunderttausende Menschen gegen die damalige Staatsführung auf die Straße gingen. Es wird jedoch nicht damit gerechnet, dass die Aktionen in Weißrussland ein ähnliches Ausmaß annehmen. Unabhängige Beobachter der OSZE hatten die Wahl als weder frei noch fair bezeichnet.

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