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17.04.2006

17:32 Uhr

Weiter keine Regierung

Mehr als 50 Tote bei neuer Gewalt im Irak

Das Blutvergießen im Irak nimmt kein Ende. Bei neuen Anschlägen und Gefechten wurden allein am Osterwochenende mehr als 50 Menschen getötet und viele weitere verletzt. Derweil konnten sich die irakischen Volksvertreter auch vier Monate nach der Parlamentswahl noch immer nicht auf eine Regierung einigen.

HB BAGDAD. Die für Montag geplante Sitzung des Parlaments in Bagdad wurde wegen anhaltender Meinungsverschiedenheiten über die Besetzung von Regierungsposten verschoben. Nun wird erwartet, dass das Parlament am kommenden Donnerstag oder Samstag zusammenkommt.

Unterdessen wurde am Montag der Prozess gegen Saddam Hussein auf Mittwoch vertagt. Der frühere irakische Machthaber und sieben hohe Funktionäre seines Regimes müssen sich wegen der Ermordung von 148 Männern aus der Kleinstadt Dudschail verantworten. Die Männer waren 1982 nach einem gescheiterten Attentat auf Saddam in der vorwiegend von Schiiten bewohnten Ortschaft getötet worden. Sachverständige bezeichneten die Unterschriften Saddams unter den Hinrichtungsbefehlen als echt.

Papst Benedikt XVI. äußerte sich in seiner Osterbotschaft tief besorgt über die Spirale der Gewalt im Irak. Bei einer Offensive irakischer und amerikanischer Soldaten gegen mutmaßliche Terroristen wurden am Ostermontag nach Militärangaben sechs Aufständische in der Stadt Mussajeb südlich von Bagdad getötet. Zuvor waren bei Gefechten nahe der westirakischen Stadt Falludscha und bei einem Bombenanschlag mitten in Bagdad vier Iraker ums Leben gekommen.

In der nordirakischen Industriestadt Baidschi drangen bewaffnete Männer in das Haus eines Scheichs ein und erschossen den Stammesführer im Bett.

Bereits am Sonntag waren etwa 30 Menschen bei Bombenanschlägen und Zusammenstößen ums Leben gekommen. Auf einem belebten Marktplatz in der Stadt Mahmudija südlich von Bagdad riss ein Selbstmordattentäter mindestens neun Menschen in den Tod. Weitere 18 Menschen seien verletzt worden, als der Täter sein Sprengstoffauto zur Explosion brachte, teilten irakische Sicherheitsbehörden mit.

Fünf mutmaßliche Terroristen und eine unbeteiligte Frau kamen ums Leben, als US-Soldaten ein Haus im so genannten Todesdreieck südlich der Hauptstadt stürmten. Die Armee berichtete, die Extremisten hätten die Soldaten bei ihrer Razzia unter Beschuss genommen. Unter den Gefangenen sei auch das Mitglied der El-Kaida-Terrorgruppe im Irak, nach dem die Soldaten in dem Versteck gesucht hätten.

Bei einem Angriff bewaffneter Männer auf einen Kleinbus in Bakuba nordöstlich von Bagdad kamen am Sonntag nach Polizeiangaben fünf Zivilisten ums Leben. In einem Bagdader Vorort starben bei der Explosion einer Autobombe in der Nähe einer Moschee fünf irakische Zivilisten. In einem Viertel im Süden der irakischen Hauptstadt kamen zwei Frauen ums Leben, als Mörsergranaten in ihrem Haus einschlugen, teilte die Polizei mit. Im Nordirak wurden nach Militärangaben zwei mutmaßliche Terroristen durch Beschuss von US-Kampfhubschraubern getötet, als sie versuchten, in der Provinz Kirkuk Sprengsätze zu legen.

Mindestens zehn Menschen wurden am Samstag getötet, davon vier bei der Explosion einer Autobombe vor einem Restaurant in Bagdad. Bei einem Bombenanschlag im Süden des Iraks kam ein britischer Soldat ums Leben. Damit erhöhe sich die Zahl der im Irak umgekommenen britischen Militärangehörigen auf 104, berichtete der Sender BBC. Derweil nahmen irakische Sicherheitskräfte bei Razzien in der Gegend von Nassirija, 350 Kilometer südlich von Bagdad, Dutzende ehemaliger Mitglieder der verbotenen Baath-Partei fest. Die Ex- Mitglieder der früheren Regimepartei, die nun in einer anderen Partei wieder aktiv sind, destabilisierten die Lage in der Stadt, hieß es zur Begründung.

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