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19.09.2011

12:49 Uhr

Weltbank appelliert

Gleichberechtigung ist auch ökonomisch wichtig

Die Weltbank fordert von Entwicklungsländern, die Gleichberechtigung zu fokussieren und damit die Wachstumschancen zu erhöhen. Ungleiche Behandlung sei nicht nur falsch, sondern auch wirtschaftlich schmerzhaft.

Afrikanische Frauen transportieren Milch und andere Vorräte. dapd

Afrikanische Frauen transportieren Milch und andere Vorräte.

WashingtonDie Weltbank hat die Entwicklungsländer aufgerufen, die Gleichberechtigung der Frau voranzutreiben - und zwar auch aus handfestem wirtschaftlichem Interesse. Wer Frauen und Mädchen bessere Chancen und Bedingungen biete, der könne nicht nur ihre Teilhabe an der Gesellschaft und die Aussichten der Kinder verbessern, sondern auch die Produktivität und so die Entwicklungschancen für alle steigern, heißt es in dem am Sonntag veröffentlichten Bericht der Weltbank zu Gleichberechtigung und Entwicklung. Die Weltbank werde Wege finden, „damit die Hälfte der Weltbevölkerung ihr volles Potenzial entfalten kann“, erklärte Weltbank-Chef Robert Zoellick.

Als Beispiel nennen die Weltbank-Experten das westafrikanische Burkina Faso: Hätten dort die Frauen mehr Rechte auf eigenes Eigentum und wären sie statt der Männer in bäuerlichen Haushalten zuständig für den Kauf von Dünger, würde dies die landwirtschaftliche Produktion um rund sechs Prozent steigern. In zahlreichen Ländern würde die Produktivität um drei bis 25 Prozent wachsen, dürften die Frauen dort ihnen bislang verwehrte Berufe oder Tätigkeiten ausüben. Wer Frauen und Mädchen daran hindere, die Fähigkeiten und das Geld zu erwerben, um in der globalisierten Welt erfolgreich zu sein, der handle nicht nur falsch - die Folgen seien „wirtschaftlich schmerzhaft“, erklärte Weltbank-Chefvolkswirt Justin Lin.

Der Bericht der Weltbank verweist auch auf die Fortschritte, die in den vergangenen Jahren erzielt worden sind. So werden Frauen in Entwicklungsländern heute 20 Jahre älter als 1960, und sie werden älter als Männer. Die Benachteiligung von Mädchen gegenüber Jungen im Grundschulalter sei fast beseitigt, bei der weiterführenden Bildung schlössen sich die Lücken sehr schnell. In 45 Ländern würden bereits mehr Mädchen als Jungen weiterführende Schulen besuchen, in 60 Ländern seien mehr Frauen an den Universitäten eingeschrieben als Männer.

In zahlreichen Ländern und Regionen aber würden Mädchen und Frauen noch immer stark benachteiligt und blieben wirtschaftlich und sozial und sogar bei der Gesundheitsvorsorge Menschen zweiter Klasse. Jedes Jahr sterben laut Weltbank 3,9 Millionen Frauen in Entwicklungs-, aber auch in Schwellenländern beim Gebären oder weil sie als Mädchen auf die Welt kommen. Zwei Fünftel der Mädchen in diesen Ländern werden demnach gar nicht erst geboren, weil die Eltern einen Sohn bevorzugen. Ein Sechstel aller Mädchen stirbt im Kindesalter; ein Drittel aller Frauen beim Gebären. In den Ländern südlich der Sahara, vor allen in denen mit einer hohen Rate von HIV-Infizierten, sei die Sterblichkeit von Mädchen und Frauen sogar noch höher.

Die Weltbank gab in den vergangenen fünf Jahren nach eigenen Angaben 65 Milliarden Dollar (47 Milliarden Euro) für die Bildung von Mädchen, die bessere Gesundheitsvorsorge für Frauen und für ihren besseren Zugang zu Krediten, Land, und Jobs aus. Das sei zwar wichtig gewesen, aber nicht genug, erklärte Zoellick. Die Weltbank werde weiter für die Gleichberechtigung kämpfen, versprach er.

Von

afp

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

19.09.2011, 13:29 Uhr

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Ja so sinds unsere Weltbänkler,
Gleichberechtigung für Frauen, ist gerade in.

Gleicberechtigung aller Menschen, das geht auch später.
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Siegfried_Bosch

19.09.2011, 16:43 Uhr

Diese internationalen Organisationen triefen nur so vor Feminismus und machen deshalb die Annahme, dass Frauen überhaupt benachteiligt seien; dabei steht doch schon im Artikel, dass Frauen älter werden als Männer und in vielen Ländern öfter weiterführende Schulen und Universitäten besuchen (es gibt sogar mehr Universitätsstudentinnen auf der Welt als Studenten!). Das Bild der benachteiligten Frau konnte sich nur deshalb ausbreiten und überleben, weil man einfach die Probleme von Männern ignoriert und bagatellisiert. Dieses Ignorieren kann hier übrigens auch ein recht aktiver Prozess sein: Im Guardian war (im Juli glaube ich) ein Artikel, der einige "Hilfsorganisationen" nennt, die keine Gelder mehr zur Verfügung stellen, wenn sie sich um männliche Vergewaltigungsopfer (ja, die gibt es!) kümmern. Für Männer ist bei Gender Mainstreaming nämlich nur vorgesehen, dass man ihnen zunächst einfach pauschal unterstellt, Täter/Vergewaltiger/... zu sein, und danach will man sie im feministischen Sinne umerziehen.

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