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22.04.2012

15:46 Uhr

Weltbank-Präsident

Ein Verwalter geht von Bord

VonMarkus Ziener

Robert Zoellick hatte bei der Weltbank viele Erfolge, eine grundsätzliche Neuausrichtung wagte er aber nicht. Jetzt tritt er als Präsident ab. Es gilt als sicher, dass er gerne US-Finanzminister unter Mitt Romney wäre.

Zum Auftakt der IWF-Jahrestagung gab Robert Zoellick seine letzte Pressekonferenz als Weltbank-Präsident. dapd

Zum Auftakt der IWF-Jahrestagung gab Robert Zoellick seine letzte Pressekonferenz als Weltbank-Präsident.

WashingtonEs war Bob Zoellicks letzte Pressekonferenz vor einer solch illustren Schar globaler Medien: Zum Auftakt der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank hatte sich die Weltpresse im Briefing-Raum des IWF versammelt. Nach der Fondschefin Christine Lagarde sollte Zoellick sprechen. Erwartet wurden ein paar offene Worte des scheidenden Präsidenten zur Armutsbekämpfung, zur veränderten Rolle der Bank, zu den künftigen Herausforderungen – und vielleicht auch zu seinem Nachfolger Jim Yong Kim. 

Doch dann spulte Bob Zoellick in wenigen Minuten eher lustlos die Bilanz seiner fünfjährigen Amtszeit herunter – und präsentierte sich dabei vor allem als Präsident, der die Weltbank durch mehrere Krisen zu führen hatte: Durch die Vertrauenskrise nach dem würdelosen Scheitern seines Vorgängers Paul Wolfowitz, durch die Nahrungsmittelkrise der Jahre 2007 und 2008, ausgelöst durch den Anstieg der Treibstoffpreise, durch die Finanzkrise, die auf einmal Millionen Menschen mit Verarmung bedrohte. 

Zoellick referierte diese Themen in dürren Sätzen – und wirkte dabei eher wie ein Verwalter, denn wie ein leidenschaftlicher Kämpfer. Munter wurde der 58-Jährige erst, als es bei den Journalistenfragen um das globale Finanzsystem, Euro-Krise, EZB und monetäre Brandmauern ging. Erst da fühlte sich der frühere Manager von Goldman Sachs und Handelsbeauftragte in der Regierung von George W. Bush in seinem Element – und gedanklich vielleicht gar schon bei einem neuen Job.

Denn als sicher gilt, dass Bob Zoellick gerne Finanzminister wäre – unter einem Präsidenten Mitt Romney. Sollte der Republikaner im November gegen Obama gewinnen, dann wäre Zoellick für einen Kabinettsposten zur Stelle. Bereits mehrfach hatte der Harvard-Absolvent – für einen Weltbank-Präsidenten ungewöhnlich – pointiert politische Positionen bezogen. So im Vorjahr, als er kaum verhüllt die Schuldenpolitik der Obama-Regierung kritisierte.

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