Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.10.2011

16:40 Uhr

Welthandel

Brasilien schottet sich gegen die Krise ab

VonAlexander Busch

In der Weltwirtschaftskrise baut Brasilien eine Festung um seine Märkte. Für den südamerikanischen Riesen sind diese Maßnahmen überlebensnotwendig – aber schon mittelfristig bergen sie große Gefahren.

Rinder auf der Santa Maria da Amazonia Farm in Sorriso. Rindfleisch gehört zu Brasiliens wichtigsten Exportgütern. Reuters

Rinder auf der Santa Maria da Amazonia Farm in Sorriso. Rindfleisch gehört zu Brasiliens wichtigsten Exportgütern.

Wohin will Brasilien in der kriselnden Weltwirtschaft? Die Frage stellen sich zunehmend mehr Staaten - nicht nur die Industrieländer, für die Brasilien als Rohstofflieferant, Absatzmarkt und Kreditgeber wichtig geworden ist. Auch die neuen Wachstumsländer wie Indonesien, Südkorea oder die Türkei beobachten genau, was sie von Brasilien kopieren könnten. Dabei besteht die Gefahr, dass Brasilien eine Lawine in Richtung Marktabschottung lostreten könnte. Denn betrachtet man die Entscheidungen Brasiliens der letzten Monate, dann kann man den Eindruck gewinnen: Dort soll eine Festung krisenfest gemacht werden.

Erst kritisiert Finanzminister Guido Mantega den "Währungskrieg" gegen Brasilien. Dabei würden Staaten wie Japan oder die USA durch Abwertung ihrer Währungen versuchen, ihre Probleme auf Kosten anderer Staaten wie Brasilien zu lösen. Dann folgten die zahlreichen Kapitalverkehrskontrollen und Steuern, um den Aufwertungsdruck des Reals zu mindern. Mit der Folge, dass die Regierung nun den weitgehend freien Geld- und Kapitalmarkt wieder kontrolliert. Dann kam die überraschende Zinssenkung, mit der Brasilien erstmals seit 15 Jahren Zweifel aufkommen lässt, ob es Wachstum auf Kosten der Geldstabilität schaffen will. Jetzt folgten die Importzölle für Pkw und andere Branchen.

Eike Batista

Brasiliens reichster Mann baut Superhafen

Eike Batista : Brasiliens reichster Mann baut Superhafen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Das klingt zusammen genommen ziemlich protektionistisch. Es erinnert auch in Brasilien an längst vergangene Zeiten: Als es für die Unternehmen wichtiger war, mit der Regierung Importzölle auszuhandeln, als konkurrenzfähig Autos zu produzieren. Als der Finanzminister den Haushalt mit einer hohen Inflation glattzog statt durch Sparmaßnahmen. Verschärfen ließe sich so ein Kurs problemlos: In Brasilien sind Forderungen nach "einer neuen Industriepolitik" weiterhin populär - in der Wirtschaft, in der Regierung und in der Gesellschaft. Daran haben auch eineinhalb Jahrzehnte erfolgreicher marktwirtschaftlicher Politik wenig geändert.
Wir sollten jedoch mit der Kritik vorsichtig sein: Heute wie früher stehen brasilianische Töchter deutscher Konzerne an der Spitze der Lobby, die für die Marktabschottung Brasiliens arbeitet, weil sie davon kräftig profitieren.

Trotzdem urteilt vorschnell, wer Brasilien schon auf dem Weg zurück zur geschlossenen Volkswirtschaft sieht. Die Maßnahmen machen nicht nur Sinn. Sie sind sogar überlebensnotwendig geworden für die brasilianische Wirtschaft.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

lowabras

01.10.2011, 17:38 Uhr

Ich lebe seit 2004 in Brasilien und beobachte sehr genau was hier und in der Welt passiert.
Was mich als soliden Marktwirtschaftler hier immer wieder und das seit Jahren positiv verblüfft, ist, wie hier Politik gemacht wird, obwohl doch die Politiker, noch vor wenigen Jahren, von globaler Wirtschaft und von Marktwirtschaft nicht die blasseste Ahnung hatten.
Was sie machen, ist Politik mit gesundem Menschenverstand und auch ohne sich viel von Lobbyisten beeinflussen zu lassen. Der Lobbyismus ist auch hier noch relativ unbedeutend. Dies alleine ermöglicht eine realistische Politik, die hier die Wirtschaft sprudeln lässt, trotz ca. 50% Zinsen auf Unternehmerkredite und mehr als 100% auf Konsmentenkredite, sowqie der höchste steuerlichen Belastung weltweit, der noch immer fast unüberwindbaren Bürokratie, der Bestechlichkeit, etc., etc.
Der Erfolg dieser Politik ist der Demografie zu verdanken und der Tatsache, dass hier im Binnenmarkt noch echter Bedarf befriedigt werden muss und nicht mit extremsten Kosten erst erzeugt werden muss wie in den im Niedergang befindlichen ehemaligen Industriestaaten.
Die Politik macht hier vieles intuitiv richtig und zwar für das Land und nicht für eine Fatamorgana wie die EU und des EURO.
Das Volk kann nur hoffen, dass sie sich nicht von den ferngesteuerten Politikern in Europa anstecken lassen.

lowabras

01.10.2011, 18:04 Uhr

"Womit ein zunehmender Zwist Brasiliens mit dem wichtigen Handelspartner China nur eine Frage der Zeit zu sein scheint."
Das und anderes negativ orakeln ist das was Deutschland davon abhält das Richtige zu tun! Diese Einstellung ist fast einmalig auf der Welt und scheint genetisch bedingt!
Sie ist aber auch der Grund des unweigerlichen Untergangs in einer sich immer schneller drehenden Welt.
Liegt wahrscheinlich in Deutschland am übergroßen Migrantenanteil, an der Überalterung der Stammbevölkerung und an der imigrantischen infiltration der Jugend, die nicht mehr in der Lage ist, einen korrekten Satz in deutscher Sprache zu bilden.
In diesem Tempo der Weltveränderungen haben geistige Nullen und geistige Greise einfach keine Chance mehr. In Deutschland sind die tatsächlichen Greise auch geistige Greise und die Jugend wurde dazu migriert! Das ist Fakt!

Account gelöscht!

01.10.2011, 18:17 Uhr

Brasilien steuert in ein gefährliches Wasser, wird anderseits aber vor allem durch die USA EU und China sowie Indien dazu gezwungen, denn jene Staaten kurbeln ihre Exportwirtschaft seit Jahren vorwiegend durch ihre billigen Exporte an (indem sie keine Haushaltsdisziplin haben).
Warum soll Brasilien den Idioten spielen , wenn es doch auch gerne seine Produkte exportieren möchte?

Das schlimmste aber ist und bleibt, der Moloch und Gummivertrag, der noch nie richtig eingehalten wurde und wird.
NAch dem Motto: Freie Marktwirtschaft aber nur zu unserem Vorteil!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×