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07.03.2017

10:43 Uhr

Welthandel

EU-Firmen prangern Diskriminierung in China an

VonStephan Scheuer

China kündigt mehr Freiheiten für internationale Firmen an – bei Lizenzvergaben, Industriestandards, öffentlichen Ausschreibungen. Endet damit alle Diskriminierung? Was die EU-Handelskammer von Chinas Versprechen hält.

China kündigt mehr Freiheiten für internationale Firmen an. Doch EU-Unternehmen winken ab. Zu oft sei ein Ende der Diskriminierungen versprochen worden. Passiert sie jedoch wenig, klagt die EU-Handelskammer. dpa

Wirtschaft in China

China kündigt mehr Freiheiten für internationale Firmen an. Doch EU-Unternehmen winken ab. Zu oft sei ein Ende der Diskriminierungen versprochen worden. Passiert sie jedoch wenig, klagt die EU-Handelskammer.

PekingChina baut sein Wachstumsmodell um. Statt Investitionen und Export soll Innovation die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt treiben. In der Transformation sollen ausländische Firmen eine Schlüsselrolle bekommen, kündigte Premier Li Keqiang zum Auftakt der Jahrestagung des Volkskongresses an.

Um das zu erreichen, will Li die Bedingungen für ausländische Firmen deutlich verbessern. „Chinas Tür wird sich weiter öffnen“, sagte Li. Bei Lizenzvergaben, Industriestandards, öffentlichen Ausschreibungen oder staatlichen Förderprogrammen im Rahmen des Strategieprogramms „Made in China 2025“ sollen ausländische Firmen die gleichen Chancen wie chinesische Unternehmen bekommen.

Jörg Wuttke, Präsident der EU-Handelskammer in China, sagt jedoch: „Wir werden nur mit Versprechen abgespeist.“ Peking müsse seinen Ankündigungen auch Taten folgen lassen. „Die Frustration wächst und spiegelt sich im Rückgang europäischer Investitionen in China wider“, sagte Wuttke.

In einer Studie ließ die Kammer die chinesische Strategie „Made in China 2025“ im Detail analysieren. Der Plan gibt die Leitlinien für die industrielle Aufholjagd der zweitgrößten Volkswirtschaft vor. Das Fernziel: Bis zum 100. Gründungstag der Volksrepublik im Jahr 2049 soll China eine Industriesupermacht sein, vor Deutschland und anderen entwickelten Ländern.

Das Ergebnis der Kammer-Studie fällt ernüchternd aus: Peking will nach planwirtschaftlicher Manier die Wirtschaft in vielen Bereichen dominieren. Für chinesische Firmen gebe es gewaltige Förderprogramme, anstatt Produkte entsprechend der Nachfrage anbieten zu lassen. „Das könnte die nächste Welle an Überkapazitäten bedeuten“, warnte Wuttke.

Europäische Firmen könnten helfen, Chinas Wirtschaft auf ein höheres Level zu heben. Aber stattdessen hebe Peking „einheimische Innovation“ hervor. In vielen Branchen sehe Peking Quoten für Mindestanteile chinesischer Marken vor. Das gilt auch in der für die deutsche Wirtschaft so wichtigen Autoindustrie. Im Jahr 2020 soll der Marktanteil chinesischer Hersteller bei Elektro- und Hybridfahrzeugen (NEV) 70 Prozent erreichen, bis 2025 sollen es sogar 80 Prozent sein.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,38 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

Allerdings rudert China jetzt öffentlich deutlich zurück. Die ursprüngliche Planung des Industrieministeriums sah vor, dass der Anteil von E-Autos und Hybridfahrzeugen am Absatz eines jeden Herstellers bereits Anfang 2018 mindestens acht Prozent betragen sollte. Ein Jahr später sollte es bereits zwölf Prozent sein. Für deutsche Hersteller ein unerreichbares Ziel, verkaufen sie doch bislang nur wenige Tausend E-Autos in China. Hielte China an den ursprünglich geplanten Quoten fest, müssten die Hersteller schon zu Beginn des kommenden Jahres mehrere Zehntausend dieser Fahrzeuge in China verkaufen, um Strafzahlungen zu vermeiden.

Doch Industrieminister Miao Wei bestätigte einen Bericht des Handelsblatts, nach dem die Quotenregeln entschärft werden. Die Einführung der neuen Regeln könnte auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und die Höhe der Quoten gesenkt werden. „Wir arbeiten noch an der Regulierung“, sagte Miao im Interview mit der Finanzagentur Bloomberg.

Absatzquote für Automobilbranche: China lenkt bei E-Autos ein

Absatzquote für Automobilbranche

Premium China lenkt bei E-Autos ein

Peking macht den Weg frei für eine Einigung im Autostreit mit Deutschland. China kommt den deutschen Autobauern weit entgegen – auch weil Unternehmen aus dem Reich der Mitte Druck gemacht haben.

Sein Ministerium wollte Autobauer bereits ab Januar 2018 dazu zwingen, dass mindestens acht Prozent ihres Absatzes auf reine Elektroautos oder Hybridmodelle entfällt. Im Jahr darauf bereits zehn und ein Jahr später sogar zwölf Prozent.

Der deutsche Botschafter in China, Michael Clauss, lobte die Ambitionen der chinesischen Führung zur wirtschaftlichen Erneuerung ihres Landes. Allerdingt mahnte er: „Es gibt Bedenken über die Maßnahmen, mit denen die Ziele erreicht werden sollen.“ Die Quoten für Marktanteile chinesischer Hersteller in bestimmten Industriezweigen sähen eher wie ein Plan aus, um internationale Firmen zu ersetzen, anstatt mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Das Pekinger Außenministerium reagierte am Dienstag auf die Aussagen des Botschafters. „Ich verstehe nicht, warum der Botschafter solch eine Kritik übt“, sagte Ministeriumssprecher Geng Shuang. China sei 2016 erstmals zum wichtigsten Handelspartner Deutschlands aufgestiegen. Das alleine zeige bereits, wie gut es um die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder bestellt sei.

Kommentare (6)

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Herr Andreas Kertscher

07.03.2017, 09:58 Uhr

Sieh da, sieh da, China ist also doch nicht das neue Modell für Freihandel, wie noch vor 2 Monaten dargestellt beim Trump-Bashing. Kehrt jetzt langsam wieder die Realität zurück?

Herr Ciller Gurcae

07.03.2017, 10:10 Uhr

Freihandel? Gleichbehandlung? Gibt es weltweit nur in Deutschland.

Der Chinese ist doch nicht verrückt.

Account gelöscht!

07.03.2017, 10:12 Uhr

Die EU ist doch in China egal, Frau Merkel hat die EU zerstört oder meinr jemand, daß die Chinesen nicht mitbekommen, wie ein paar Afrikaner und die Türken diesen mafiösen Laden vorführen ?

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