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27.11.2015

16:42 Uhr

Weltklimagipfel

DGB fordert „gerechten Strukturwandel“

VonSilke Kersting

Vor dem Klimagipfel in Paris fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Energiewende gerecht zu gestalten. Klimaschutz dürfe nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen. Nach dem Gipfel drohen harte Auseinandersetzungen.

Der DGB will dafür sorgen, dass der Strukturwandel sozial gerecht für die Beschäftigten abläuft. dpa

Bundeskongress Deutscher Gewerkschaftsbund

Der DGB will dafür sorgen, dass der Strukturwandel sozial gerecht für die Beschäftigten abläuft.

BerlinVor Beginn des Weltklimagipfels in Paris fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), „Beschäftigung und die Entwicklung hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft miteinander in Einklang“ zu bringen. „Klimaschutz darf nicht zu einseitiger Belastung der Beschäftigen und zum unkontrollierten Abbau von Beschäftigung führen“, heißt es in einem Resolutionspapier des DGB, das dem Handelsblatt vorliegt.

„Dort, wo Arbeitsplätze wegfallen, müssen verbindliche Übergangsstrategien vereinbart werden“, heißt es weiter. Nur auf diese Art entstehe Akzeptanz und es bestehe die große Chance, den Wandel gemeinsam erfolgreich zu meistern.

Daten, Fakten und Namen rund um den Klima-Gipfel (Teil 2)

Lachgas

Es wird auch Distickoxid (N2O) genannt und ist als drittwichtigstes Treibhausgas zu etwa sechs Prozent am Klimawandel beteiligt. Es entweicht vor allem aus Feldern mit Stickstoffdünger.

Methan

Das zweitwichtigste Treibhausgas trägt zu 16 Prozent zur Erderwärmung bei. Es entsteht unter anderem im Magen von Kühen und anderen Wiederkäuern.

Niederschlag

Der Weltklimarat erwartet, dass feuchtere Regionen mehr Niederschläge und trockenere noch weniger bekommen. Auch in den mittleren Breiten rechnen die Experten mit mehr Extremwetter.

Ozeane

Die Meere erwärmten sich von 1971 bis 2010 in bis zu 75 Metern Tiefe über 0,1 Grad pro Jahrzehnt. Zudem nahmen sie sehr viel vom menschengemachten CO2 auf, was zur Versauerung führte.

Pariser Klimagipfel

Vom 30. November bis 11. Dezember 2015 soll in Paris ein Weltklimavertrag entstehen, der dazu beiträgt, die Erderwärmung unter 1,5 oder zwei Grad Celsius zu halten.

Quellen der Treibhausgase

In Deutschland verursachte 2014 die Energiewirtschaft 39 Prozent Emissionen, gefolgt von Industrie (20), Verkehr (17), privaten Haushalten (11) und anderen. Alle großen Bereiche haben die Emissionen reduziert, nur der Verkehr nicht.

Rio de Janeiro

Auf dem Gipfel von Rio 1992 vereinbarten die Länder die Klimarahmenkonvention: Die Erdtemperatur darf demnach nur so weit steigen, dass sich die Ökosysteme dem Klimawandel anpassen können und „die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird“.

Stern-Report

Der Ökonom Nicholas Stern schreibt 2006: Hinreichender Klimaschutz kostet ein Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts, bei Nicht-Handeln drohen jedoch Schäden von fünf bis über 20 Prozent.

Temperaturanstieg

Die Erdtemperatur ist im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um 0,85 bis 0,9 Grad Celsius angestiegen. Da viele Treibhausgase langlebig sind, reichern sie sich auch bei starkem Klimaschutz an. Um die Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, müssten die Emissionen von 2010 bis 2050 um 40 bis 70 Prozent sinken.

Umbrella-Gruppe

Dieses – oft bremsende – Staatenbündnis auf Klimakonferenzen besteht aus den Industriestaaten USA, Russland, Kanada, Japan, Australien, Norwegen, Ukraine, Neuseeland und Island.

Versauerung

Die Ozeane haben etwa 30 Prozent des menschengemachten CO2 aufgenommen und sind dadurch um etwa 30 Prozent saurer geworden. Das kann kalkhaltigem Plankton schaden, das wichtig für die Nahrungskette im Ozean ist, sowie Korallen, Muscheln und Fischen.

Wälder

Die Wälder der Erde haben durch zusätzliches Wachstum ebenfalls rund 30 Prozent des menschengemachten CO2 aufgenommen. Wann diese Kapazität erschöpft ist, ist noch ungewiss. Andererseits trägt ihre Zerstörung derzeit zu rund zwölf Prozent zum Treibhauseffekt bei.

Zwei-Grad-Ziel

Viele Forscher gehen davon aus, dass die Ziele von Rio de Janeiro – eine für Mensch und Natur noch erträgliche Erwärmung – bei 1,5 bis zwei Grad Temperaturerhöhung erreicht sind. 2010 in Cancún erkannten die Staaten die Zwei-Grad-Grenze an.

Mittelfristig betroffen werden vor allem die deutschen Braunkohle-Abbaugebiete sein. Vor allem in der strukturschwachen Lausitz drohen harte Auseinandersetzungen. Nach der Rückkehr von der Klimakonferenz in Paris wolle sie sich dem Thema zuwenden, kündigte jetzt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) an.

Die Koalition müsse klären, „wie wir den Ausstieg aus der Kohle hinbekommen“. Ziel sei ein Ausstiegspfad über die nächsten 20 bis 25 Jahre, der den betroffenen Regionen – neben der Lausitz vor allem das Rheinland – Planungssicherheit gebe. „Das kann man gestalten.“

Daten, Fakten und Namen rund um den Klima-Gipfel

Arbeitsplätze

Das Umweltministerium zählt für 2013 in Deutschland 371.400 Arbeitsplätze zum Bereich erneuerbare Energien, die meisten in der Windenergie. Im alten Kraftwerksbereich sank die Zahl der Beschäftigten stetig: von 240.000 in 2006 auf 210.000 in 2012.

Basic-Staaten

Diese Gruppe umfasst die vier großen Schwellenländer Brasilien, Südafrika, Indien und China. Sie haben zwar auch Klimaziele, pochen aber vor allem auf die historische Verantwortung der Industriestaaten. BRICS heißt diese Staatengruppe plus Russland. Sie umfasst über 40 Prozent der Weltbevölkerung.

CO2

Kohlendioxid (CO2) trägt zu 76 Prozent zum Treibhauseffekt bei. Heute ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre um 40 Prozent höher ist als vor dem Beginn der Industrialisierung um 1750.

Dämme

Industrieländer können Dämme bauen, auf kleinen Inselstaaten ist das nicht möglich. Der Meeresspiegel ist laut IPCC von 1901 bis 2010 um 19 Zentimeter gestiegen. Er klettert immer schneller, derzeit um über drei Millimeter pro Jahr

Einstimmigkeit

Bei den UN-Klimaverhandlung ist es üblich, dass das Abschlussdokument ohne Gegenstimme angenommen wird.

Christiana Figures

Sie leitet das UN-Klimasekretariat seit 2010 und ist somit die UN-Klimachefin. Die resolute Diplomatin aus Costa Rica studierte in England und war unter anderem Botschafterin in Deutschland. Sie ist 1956 geboren und hat zwei Töchter.

Fluorierte Kohlenwasserstoffe

Die FCKW tragen zu zwei Prozent zum Treibhauseffekt bei. Die Produktion dieser ozonzerstörenden Stoffe ist durch das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht inzwischen weitgehend verboten, sie sind aber sehr langlebig.

Gletscher

Sie werden derzeit pro Jahr im Schnitt 0,5 bis ein Meter dünner. Das sei zwei- bis dreimal mehr als im Durchschnitt des 20. Jahrhunderts, berichtet der World Glacier Monitoring Service. Sie sind in vielen Ländern ein wichtiges Trinkwasserreservoir.

Hitzewellen

Die Jahre mit den fünf heißesten Sommern seit 1500 lagen alle nach dem Jahr 2000. Besondere Hitzewellen gab es 2003 in Europa mit 70.000 Toten und Ernterückgängen sowie 2010 in Westrussland mit 55.000 Toten und Waldbränden. Viele Forscher vermuten als Ursache neben der Erderwärmung unter anderem den arktischen Jetstream.

IPCC

Der Weltklimarat IPCC wurde 1988 gegründet. Er soll zeigen, wie sich der Klimawandel auswirkt, welche Anpassungsstrategien es gibt und wie er gebremst werden kann. Mehrere Tausend Forscher werten bestehende Daten für die regelmäßig erscheinenden Berichte aus.

Jetstream

Dieser wellenförmige Windstrom umkreist die Nordhalbkugel in mehreren Kilometern Höhe. Gewöhnlich verändert sich die Lage seiner Wellen. Immer häufiger bleiben sie starr, was zu langen Dürren oder anhaltenden Regenfällen mit Hochwasser führen kann.

Kyoto

Das Kyoto-Protokoll von 1997 war der erste weltweite Klimavertrag, der jedoch nur den Industrieländern Klimaziele gab. Bei Kyoto II, das von 2013 bis 2020 läuft, sind nur noch die EU und zehn weitere Länder dabei, die 15 Prozent der Weltemissionen umfassen. Sie wollen ihren Ausstoß von 1990 bis 2020 um 18 Prozent reduzieren.

Dass die Erderwärmung auf möglichst zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden muss, daran hat der DGB indes keinerlei Zweifel. „Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, sagte Stefan Körzell, DGB-Vorstandsmitglied, dem Handelsblatt.

Dafür sei weltweit eine schrittweise Dekarbonisierung der Wirtschaft notwendig, also eine Abkehr von fossilen Energien, genauso wie Innovationen und Investitionen in neue Technologien für mehr Energieeffizienz. Der Strukturwandel sei notwendig, nur so, meint Körzell, gebe es Chancen für nachhaltigen Wohlstand.

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Kapitalismus oder Klimaschutz? Das eine schließt das andere nicht mehr aus. Unternehmen setzen verstärkt auf grüne Investments und haben den Staat als Umweltschützer Nummer eins abgelöst – auch aus Angst. Ein Essay.

Der DGB will dafür sorgen, dass dieser Wandel sozial gerecht für die Beschäftigten abläuft. Die Qualität der Arbeitsplätze in vielen der neuen grünen Branchen sei vielfach noch weit von dem entfernt, was Gewerkschaften unter guter Arbeit verstünden, heißt es im Resolutionspapier.

Im Gegenteil: Schlechte Lohn- und Arbeitsbedingungen, fehlende soziale Absicherung und die Ausgrenzung von Gewerkschaften sind in den neuen, grünen Wirtschaftszweigen leider keine Seltenheit, so die Gewerkschaft. Um die Beschäftigten bei der Transformation mitzunehmen, müssten die neuen Arbeitsplätze auch gute Arbeitsplätze werden.

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