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13.11.2017

08:42 Uhr

Weltklimakonferenz

Kein Grund zur Selbstzufriedenheit

VonSilke Kersting

Die Wunschliste der Weltklimakonferenz ist lang: Höhere Ziele für Europa, eine Wende bei Landwirtschaft und Verkehr. Während die globalen CO2-Emissionen 2017 wieder steigen, beginnt die heikle Phase.

Der weltweite CO2-Ausstoß steigt 2017 wieder. Auch für 2018 rechnen die Experten insgesamt mit einem Anstieg der Emissionen. dpa

Dunkle Wolken über dem Klimagipfel

Der weltweite CO2-Ausstoß steigt 2017 wieder. Auch für 2018 rechnen die Experten insgesamt mit einem Anstieg der Emissionen.

BerlinAuch in diesem Jahr wird der weltweite Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wieder steigen. Das ist die ernüchternde Nachricht, mit der die Weltklimakonferenz in die zweite und entscheidende Woche startet. Neue Berechnungen des globalen Forschungsverbundes „Global Carbon Project“ (GCP) zeigen ein Plus von zwei Prozent des globalen CO2-Ausstoßes. Dieser Anstieg macht deutlich, dass der Höchststand an Emissionen noch immer nicht erreicht ist. In den vergangenen drei Jahren hatten die Forscher eine Stagnation der Emissionen verzeichnet und als mögliches Zeichen einer Trendwende gedeutet.

Bis Ende des Jahres werden die weltweiten CO2-Emissionen etwa 41 Gigatonnen betragen. Bei diesem Rekordwert, heißt es mahnend bei GCP, sei das globale Kohlenstoffbudget innerhalb von 20 bis 30 Jahren aufgebraucht. Danach werde eine Temperaturbegrenzung auf unter zwei Grad nicht mehr zu erreichen sein. Vor zwei Jahren war auf der Weltklimakonferenz in Paris vereinbart worden, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit begrenzen zu wollen, besser auf 1,5 Grad. Im Moment befindet sich die Weltgemeinschaft aber eher auf einem Drei-Grad-Kurs.

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Die Emissionen erhöhten sich wieder, obwohl der Einsatz erneuerbarer Energien in den vergangenen fünf Jahren weltweit um jährlich 14 Prozent gestiegen ist. Zwar sanken die Emissionen im Kohlebereich, die aus der Verbrennung von Öl und Gas stiegen aber dafür. Der Ländervergleich zeigt für 2017 steigende Emissionen in China (+ 3,5 Prozent) und Indien (+ 2 Prozent) sowie sinkende Werte für die USA (- 0,4 Prozent) und Europa (- 0,2 Prozent). Das ist indes zu langsam, um eine Trendwende zu erreichen.

1990 verursachten Industrieländer rund 60 Prozent der globalen Emissionen, heute ist es nur noch etwa ein Drittel. Schwellen- und Entwicklungsländer werden die neuen Klimasünder. Bereits 2030 werden sie für rund drei Viertel der globalen Emissionen verantwortlich sein. China allein steht beispielsweise heute schon für 28 Prozent der globalen Emissionen.

Im Zeitraum von 2014 bis 2016 waren die Emissionen weitgehend stabil geblieben – und das trotz eines weltweiten Wirtschaftswachstums. Vor allem die verringerte Kohlenutzung, eine verbesserte Energieeffizienz sowie ein Boom bei den erneuerbaren Energien wie Windkraft und Solarenergie hätten maßgeblich dazu beigetragen. Als besonders erfreulich galt Experten vor allem die Entkopplung des Emissionsaufkommens vom Wachstum des Bruttoinlandprodukts. Das zeige, dass Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig zu einer Zunahme des Kohlendioxidausstoßes führen muss. Einige Experten hatten gehofft, dass der Höchststand der Emissionen vielleicht schon erreicht sei.

Auch für 2018 rechnen die Experten insgesamt mit einem Anstieg der Emissionen. „Verschiedene Faktoren deuten auf einen fortschreitenden Anstieg 2018“, sagte Robert Jackson von der Stanford University. „Das ist ein echter Anlass zur Sorge.“ Dabei nennen die Fachleute vor allem die Vorhersagen der Weltbank zum Wirtschaftswachstum: Die Finanzexperten sagen global einen Anstieg von 2,9 Prozent für 2018 vorher – den höchsten Wert seit 2011. Die Schätzungen des Internationalen Währungsfonds liegen sogar noch höher.

In der jetzt beginnenden zweiten Woche der Klimakonferenz in Bonn, steigen die Erwartungen an die Bundeskanzlerin, Stellung zur klimapolitischen Situation in Deutschland zu beziehen – vor allem zum umstrittenen Kohleausstieg. Angela Merkel (CDU), bislang noch mit schwierigen Sondierungsgesprächen mit FDP und Grünen beschäftigt, wird am Mittwochnachmittag in Bonn erwartet. Merkel müsse den Kohleausstieg vor 2030 ankündigen, forderte der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Die Bundesregierung stehe als Ausrichter der Konferenz mehr denn je in der Pflicht, beim Klimaschutz endlich zu handeln. Eine glaubwürdige Klimaschutzpolitik beginne im eigenen Land.

Kommentare (12)

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G. Nampf

13.11.2017, 11:38 Uhr

Wo ist der Kommentar von Herrn Holger Narrog geblieben?

Herr Marcel Europaeer

13.11.2017, 11:45 Uhr

Die Menschen stehen sich selbst im Weg.

Aus kurzzeitigen finanziellen Interessen heraus wollen manche Leute der gesamten Menschheit das Risiko einer weiter fortschreitenden globalen Erwärmung aufdrücken. Leider gibt es auch in Deutschland solche Zeitgenossen.

Technisch gesehen gibt es in Deutschland absolut keinen Grund, auch die schmutzigsten Stromlieferanten weiter laufen zu lassen. Die Kraftwerkskapazität reicht auch ohne die Dinosaurier der Stromversorgung locker aus. Viele Gaskraftwerke nur selten genutzt. Dafür laufen Braunkohlekraftwerke ohne Anpassung an die angeforderte Strommenge einfach durch.

Die Menschen, die durch die Aufgabe der Braunkohleverstromung ihren Arbeitsplatz verlieren und sich neu orientieren müssen, kann man ja noch verstehen, wenn sie dagegen protestieren. Das sollte aber nicht davon abhalten, notwendige Schritte einzuleiten.

Alte Zöpfe abzuschneiden ist schwierig; ganz gleich ob das nun die Kohleverstromung, der Verbrennungsmotor oder seinerzeit die Dampfmaschine und die Analogkameras sind. Wenn aber alle Wissenschaftler seit Jahren dieses Abschneiden fordern oder empfehlen, sollten auch die Laien zur Vernunft kommen.

Herr Tom Schmidt

13.11.2017, 12:08 Uhr

Nicht schon wieder die 1990-Lüge!

Dieser Rückgang ist einzig und allein der Zusammenbruch der DDR-Industrie! Und der war nicht geplant. Ergo: nach einem viertel Jahrhundert CO2-Reduzierung in Deutschland ist nichts, aber auch gar nichts rausgekommen!

Deutschland ist damit aber noch Vorreiter (mit Ausnahme USA, die haben wirklich eine Reduktion, wenn auch von einem lächerlich hohen Niveau aus). Also unterm Strich: die Emissionen steigen weiter an, sind hoch wie nie! Und dann redet irgendjemand von irgendwelchen Zielen, die Erderwärmung zu stoppen! Wieviel Dummheit geht eigentlich noch? Stand jetzt werden die fossilen Brennstoffe aufgebraucht, je schneller wir das machen, desto geringer ist die Weltbevölkerung wenn die dann tatsächlich zur Neige gehen (und das Hauen und Stecken losgeht).

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