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14.05.2015

20:30 Uhr

Weltkulturerbe in Gefahr

Antikenstadt Palmyra von IS bedroht

In Syrien droht der nächsten Welterbestätte die Zerstörung durch die Terrormiliz Islamischer Staat. Der IS hat sich auf bis zu einen Kilometer Entfernung zu der historischen syrischen Oasenstadt Palmyra vorgekämpft.

Ein IS-Kämpfer in Raqqa: Die Macht des Islamischen Staats ist noch lange nicht gebrochen. Reuters

Islamischer Staat

Ein IS-Kämpfer in Raqqa: Die Macht des Islamischen Staats ist noch lange nicht gebrochen.

DamaskusDie Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rückt in Syrien immer weiter auf die historische Oasenstadt Palmyra vor. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte standen die IS-Kämpfer am Donnerstag nur noch etwa zwei Kilometer vor der weltberühmten Antikenstadt. Bei ihrem Vormarsch auf die Oasenstadt in der Zentralprovinz Homs richteten sie demnach 26 Zivilisten hin, darunter zehn durch Enthauptung.

In Palmyra stehen bis heute einzigartige Ruinen der ehemaligen Handelsmetropole der legendären Königin Zenobia aus ihrer Blütezeit in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Die Ruinenstadt gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten. Berichten zufolge war die Stätte bereits 2012 und 2013 bei Kämpfen beschädigt worden. In der Oasenstadt steht zudem ein bekanntes Gefängnis für politische Inhaftierte.

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Nach dem Verlust von Ölfeldern sollen die Einnahmen des Islamischen Staats um 75 Prozent zurückgegangen sein. Noch ist es aber zu früh, die Miliz abzuschreiben.

Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr schon einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die Jahrtausende alte Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Im Museum von Mossul zertrümmerten sie wertvolle Statuen aus assyrischer Zeit.

Bereits am Mittwoch hatte der IS östlich von Palmyra den Ort Al-Suchna eingenommen. Bei den Kämpfen starben laut den Menschenrechtsbeobachtern mindestens 70 Anhänger des Regimes und 40 IS-Kämpfer. Zudem seien in der Region 26 Menschen von der Terrormiliz und lokalen Kämpfern getötet worden, weil sie mit dem Regime kooperiert hätten, hieß es. Mindestens zehn von ihnen seien enthauptet worden. In der Region liegen wichtige Gasfelder, um die es seit Monaten immer wieder heftige Kämpfe gibt.

Im Nordwesten des Landes setzte das Regime von Präsident Baschar al-Assad seine Luftangriffe gegen die Rebellen fort. Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren durch Bombardements in den Provinzen Idlib und Aleppo am Mittwoch 41 Zivilisten gestorben - unter ihnen 17 Kinder.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Im Irak hat die IS-Miliz nach Angaben der Regierung in Bagdad dagegen einen empfindlichen Rückschlag erlitten: Der angebliche Vize-Chef des IS soll demnach bei einem Luftangriff ums Lebens gekommen sein. Abu Alaa Al-Afri und weitere IS-Anhänger seien bei einem Treffen in einer Moschee in dem Ort Tel Afar getötet worden, hatte das irakische Verteidigungsministerium am Mittwoch erklärt.

Eine unabhängige Bestätigung für die Meldung gab es zunächst aber nicht. Zudem gab es zu der angeblichen Tötung Ungereimtheiten. So entfernte das Verteidigungsministerium in Bagdad ein zunächst auf seiner Internetseite verbreitetes Video, das den Luftschlag auf Al-Afri zeigen soll.

Stattdessen veröffentlichte das US-Zentralkommando am Mittwoch auf Youtube ein Video, auf dem derselbe Angriff zu sehen ist. Datiert wird er auf den 4. Mai 2015. Es habe sich um einen Angriff auf IS-Stellungen im Nordirak gehandelt, heißt es weiter. Über Al-Afri kursieren nur wenige Informationen, die sich teilweise widersprechen.

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