Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.03.2006

13:40 Uhr

Weltwassertag

Am Tropf des Regulierers

VonMarkus Hennes

Wasser ist ein Wachstumsmarkt. Experten schätzen, dass sich der weltweite Umsatz mit Trinkwasser von 86 Milliarden Dollar im Jahr 2002 auf 150 Milliarden Dollar im Jahr 2010 annähernd verdoppeln wird. Doch wer mit Wasser ordentliche Renditen erzielen will, muss zunächst viel Geld in die Hand nehmen, denn das Wassergeschäft ist enorm kapitalintensiv.

DÜSSELDORF. Die Schweizer SAM Sustainable Asset Management geht davon aus, dass bis zum Jahr 2015 allein in den Ländern der EU 170 bis 230 Milliarden Euro investiert werden müssen, um die vorhandenen Wasseraufbereitungsanlagen zu erhalten, zu warten und zu modernisieren.

Nur große, kapitalkräftige Konzerne sind überhaupt in der Lage, die immensen Investitionen zu stemmen. Schon vor einigen Jahren haben die beiden französischen Konzerne Suez und Veolia Environnement sowie der Essener Energieversorger RWE den Wassermarkt für sich entdeckt. Mit jeweils deutlich mehr als 100 Millionen Kunden rund um den Globus belegen Suez und Veolia Platz eins und zwei im weltweiten Wassergeschäft. RWE folgt auf Rang drei mit 70 Millionen Kunden. Allein der Essener Konzern gab für die Übernahmen der beiden Unternehmen Thames Water in Großbritannien und American Water Works in den USA inklusive Schulden mehr als 20 Milliarden Euro aus.

Dafür, dass Investitionen und Preise im sozialverträglichen Rahmen bleiben, sorgen – wie auf allen ehemaligen Monopolmärkten – Regulierer. Die Londoner Regulierungsbehörde Ofwat etwa handelt mit Wasserunternehmen alle paar Jahre aus, welche Investitionen in das Leitungsnetz nötig sind und wie stark der Wasserpreis dafür maximal steigen darf. Der Regulierer deckelt also sozusagen die Gewinnmarge.

Gleichwohl hat Thames Water für RWE stetige, berechenbare Renditen abgeworfen. Doch zuletzt waren sie deutlich niedriger als im Strom- und Gasgeschäft. Um sich aber aktiv an der Konsolidierung der europäischen Energiebranche beteiligen zu können, muss RWE die Kasse mit dem Verkauf des Wassergeschäfts auffüllen. Konzernchef Harry Roels will sich bis Ende 2007 von American Water und Thames Water trennen. Ob RWE die Unternehmen verkauft oder an die Börse bringt, darüber dürfte vor allem der zu erzielende Verkaufserlös entscheiden. An Interesse von Finanzinvestoren oder Unternehmen aus der Industrie mangelt es nicht. „Für Finanzinvestoren mit langfristiger Anlageperspektive ist der britische Wassermarkt wegen der sicheren Erträge bei vergleichsweise geringem Risiko interessant“, sagt Veit Schwinkendorf, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger.

„Wasser spielt im Moment in den Wachstumsstrategien der europäischen Energiekonzerne nur eine untergeordnete Rolle“, sagt der Münchener Unternehmensberater Karlheinz Bozem. Das könne sich aber schon in zwei oder drei Jahren ändern, wenn die Strom- und Gasmärkte verteilt seien. „Der Ausstieg von RWE aus dem Wassergeschäft ist ein Sonderfall und stellt nicht die generelle Tragfähigkeit des Geschäftsmodells in Frage.“

Energieanalyst Matthias Heck vom Bankhaus Sal. Oppenheim in Frankfurt geht davon aus, dass Veolia und Suez „auf keinem Fall aus dem Wassergeschäft aussteigen“ werden. Schließlich hätten beide Unternehmen dort ihre Wurzeln. Allerdings mussten auch die beiden französischen Konzerne nach den teuren Übernahmen in den vergangenen Jahren zuletzt eine längere Konsolidierungspause einlegen.

Dafür entdecken jetzt andere Industrieunternehmen den Wassermarkt. So avancierte der US-Konzern General Electric mit dem Kauf von Ionics zum Marktführer bei der Meerwasserentsalzung. Siemens schluckte das Unternehmen US-Filter, eine Firma, die industrielles Abwasser aufbereitet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×