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27.06.2014

12:35 Uhr

Weltweit Spitzenreiter

Australien plant Rente erst ab 70

Die Bevölkerung in den Industrienationen wird immer älter, gleichzeitig fehlt es an Nachwuchs. Wenn es nach Australiens Finanzminister geht, werden die Einwohner seines Landes deshalb erst mit 70 Jahren in Rente gehen.

Der Hafen von Sydney: Australien steht mit seinen Plänen an der Spitze einer Reihe von Ländern, die den steigenden Anteil von Rentenbeziehern durch ein höheres Rentenalter entschärfen wollen. AFP

Der Hafen von Sydney: Australien steht mit seinen Plänen an der Spitze einer Reihe von Ländern, die den steigenden Anteil von Rentenbeziehern durch ein höheres Rentenalter entschärfen wollen.

Wenn es nach Australiens Finanzminister Joe Hockey geht, werden die Einwohner des Landes demnächst erst mit 70 Jahren in Rente gehen. Damit wäre Australien, das mit der Maßnahme die Staatskasse entlasten will, weltweiter Spitzenreiter beim Renteneintrittsalter.

Für Bergbauarbeiter wie Noel Chatterton klingt die Idee wie Hohn. „Na dann viel Glück”, sagt er ironisch. Mit 48 gehört er zur ersten Generation, die von den Reformplänen betroffen wäre. „Meine Hände sind schon fast hin. Mein Körper ist in einer solchen Verfassung, dass ich schon Glück haben muss, um bis 60 zu arbeiten - von 70 will ich gar nicht reden.”

Das Rentenpaket der Großen Koalition

Mütterrente

Etwa 9,5 Millionen Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, bekommen Kindererziehungszeiten in der Rente künftig besser honoriert. Pro Kind sind das ab 1. Juli brutto knapp 28 Euro monatlich mehr im Westen und gut 26 Euro mehr im Osten. Dies ist eine Verdoppelung des bisher bezahlten Zuschlags. Frauen mit jüngeren Kindern sind bei der Mütterrente aber immer noch bessergestellt.

Abschlagsfreie Rente ab 63

Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll schon ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen können. Begünstigt sind die Geburtsjahrgänge zwischen 1952 und 1963. Phasen kurzer Arbeitslosigkeit sollen mit angerechnet werden, aber nicht in den letzten zwei Jahre vor Beginn der Frührente. Das soll eine Welle von Frühverrentungen verhindern. Selbständige, die in ihrem Berufsleben mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge in die Rentenkasse entrichtet haben und danach freiwillig weiterversichert blieben, sollen ebenfalls ab 63 eine abschlagfreie Frührente beziehen können. Das kommt vor allem Handwerkern zugute.

Erwerbsminderungsrente

Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder gar nicht mehr arbeiten kann, soll brutto bis zu 40 Euro mehr Rente bekommen. Die Betroffenen werden so gestellt, als ob sie mit ihrem früheren durchschnittlichen Einkommen bis 62 – und damit zwei Jahre länger als bisher – in die Rentenkasse eingezahlt hätten.

Reha-Leistungen

Um Frühverrentungen aus gesundheitlichen Gründen zu verhindern, sollen die bislang gedeckelten Mittel für Rehabilitationsleistungen dynamisiert – also schrittweise erhöht – werden.

Die seit September regierende liberal-nationale Koalition hatte in ihrem Wahlprogramm angekündigt, das von Hockey so bezeichnete „Zeitalter der Ansprüche” zu beenden und das Haushaltsdefizit abzubauen, das im laufenden Fiskaljahr 49,9 Milliarden australische Dollar (34 Milliarden Euro) erreichen soll. Australien steht mit seinen Plänen für ein höheres Rentenalter an der Spitze einer Reihe von Ländern, die den steigenden Anteil von Rentenbeziehern gegenüber Einzahlern in die Rentenversicherung durch ein höheres Rentenalter entschärfen wollen.

In Australien soll das Verhältnis von Einwohnern im arbeitsfähigen Alter zu Über-65-Jährigen von 5:1 im Jahr 2010 auf 3:1 im Jahr 2050 sinken. In Japan liegt das Verhältnis aktuell bereits unter 3:1 und in Deutschland nahe diesem Wert, wie Daten der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zeigen.

„Australien ist das erste Land, das das Rentenalter auf 70 anhebt, aber es wird nicht das letzte sein”, kommentiert Steve Shepherd vom Personaldienstleister Randstad Group in Melbourne. „Die Welt wird das genau beobachten.”

Die staatliche Rentenkasse in Australien zahlt jährlich rund 40 Milliarden Dollar an Renten aus und ist damit der größte Posten bei den Staatsausgaben. Über die nächsten zehn Jahre soll diese Summe um 6,2 Prozent jährlich wachsen, wie eine von Premierminister Tony Abbott in Auftrag gegebene Studie errechnet hat. Werden die Ausgaben für das Rentenprogramm nicht gesenkt, müsste die Belastung der Jüngeren durch Steuern und Abgaben gesteigert werden.

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