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06.01.2015

15:33 Uhr

Weltweites Presse-Echo zu Pegida

„Der Wutbürger fürchtet, sein Land zu verlieren“

Nachrichtensender weltweit berichten über die Pegida-Proteste und Gegendemonstrationen in Deutschland. Die ausländischen Medien mahnen Deutschland, zeigen teilweise aber auch Verständnis.

Über die Protestmärsche der Pegida berichten zunehmend auch ausländische Medien. ap

Über die Protestmärsche der Pegida berichten zunehmend auch ausländische Medien.

BerlinInternationale Nachrichtensender wie CNN, BBC und Al-Dschasira haben am Dienstag die Pegida-Demonstration in Dresden zum Thema gemacht. Auch die Presse in Europa und weltweit setzt sich mit der islamfeindlichen Bewegung auseinander – zumeist kritisch, teils aber auch verständnisvoll.

Die britische „Times“ schreibt über die Proteste der „Patriotischen Europäer gegen eine Islamisierung des Abendlandes“: „Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg macht eine populistische Bewegung ihr Recht geltend, sich öffentlich über eine ethnische Minderheit zu beklagen – und das Establishment hat Angst.“

Das Phänomen „Pegida“ und was dahinter steckt

„Pegida“

Als Ende Oktober die ersten paar Hundert Leute demonstrierten, stießen auf wenig Beachtung. „Pegida“-Anhänger protestieren gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands und angeblichen Asylmissbrauch. Das neue Ausmaß der Demos schreckt Politiker und Experten auf, auch im Bund. Sie warnen vor „Hetze“ und „Pogromstimmung“. (Quelle: dpa)

Was wollen die „Pegida“-Leute?

Die Anhänger der Bewegung fordern eine strengere Asylpolitik und sind gegen die Aufnahme von „Wirtschaftsflüchtlingen“ – also Asylbewerbern, die ihrer Ansicht nach keinen Anspruch auf Schutz haben und angeblich nur auf Sozialleistungen aus sind. Sie wettern gegen muslimische Extremisten und vermeintliche Glaubenskriege auf deutschem Boden.

Wer steht hinter „Pegida“?

Der Initiator ist Lutz Bachmann. Der gelernte Koch ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Drogendelikten. An seiner Seite demonstrieren viele Bürger, die sich ausdrücklich nicht in die Nähe von Rechtsextremen gerückt sehen wollen. Auch Bachmann betont immer wieder, er lehne jede Art von Radikalismus ab. Es haben sich aber längst Hooligans, Neonazis und bekennende Islamfeinde unter die Protestler gemischt. Auch zahlreiche Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) sind dabei.

Ist das Phänomen auf Dresden beschränkt?

Nein. Inzwischen gibt es auch in anderen Regionen Ableger von „Pegida“ – etwa in Düsseldorf („Dügida“), Kassel („Kagida“), Bayern („Bagida“) oder Ostfriesland („Ogida“), aber auch in einigen anderen Städten. Die Bewegung wächst schnell – nicht zuletzt durch das Internet. Die Macher sind sehr aktiv bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken und mobilisieren so stetig neue Anhänger.

Warum halten Politiker und Experten die Bewegung für gefährlich?

„Pegida“ verallgemeinere extrem und vermische wild Themen, meinen Fachleute. Die Gruppe werfe „Kampfvokabeln“ in die Menge, nutze Ängste in der Bevölkerung und lade sie zu Ressentiments auf, sagt der Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke. Das sei klassischer Rechtspopulismus. Funke sieht bereits Ansätze einer rechtsextrem inspirierten Massenbewegung. Sicherheitskreise befürchten, dass Rechtsextreme die Bewegung systematisch unterwandern könnten. Auch viele Politiker sprechen von besorgniserregender ausländerfeindlicher Stimmungsmache. Die AfD zeigt dagegen Verständnis für die Proteste.

Wie konnte „Pegida“ entstehen?

Auslöser der Proteste ist die Asylpolitik. Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit langem. Experten meinen, Bund und Länder hätten viel zu spät darauf reagiert. Das Ergebnis: Viele Kommunen sind mit der Lage überfordert, müssen Flüchtlinge in Wohncontainern oder Zelten unterbringen. Mancher Bürger hat daher das Gefühl, Deutschland könne damit kaum fertig werden – auch wenn das für die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt sicher nicht zutrifft. Funke klagt, die politischen Verantwortlichen hätten es versäumt, auf solche Ängste in der Bevölkerung einzugehen. Die Linke wirft den Innenministern der Union vor, sie hätten für all das überhaupt erst den Boden bereitet – durch ihre Warnungen vor „Armutszuwanderung“ oder „Asylmissbrauch“.

Wie geht es weiter?

Bisher wurden die Dresdner Demos jede Woche größer. Inzwischen formiert sich aber einiger Widerstand gegen die neue Bewegung. Die Gegendemonstration in Dresden war am Montag fast so groß wie der „Pegida“-Aufmarsch. Experten mahnen, wichtig sei nicht nur breite Gegenwehr dieser Art. Entscheidend sei, vernünftig mit der wachsenden Zahl an Flüchtlingen umzugehen und so den Ängsten in der Bevölkerung zu begegnen. Das Thema „Pegida“ kommt Ende der Woche auch bei der Innenministerkonferenz in Köln auf den Tisch.

BBC News befindet: „Was schockiert, sind die Zahlen bei den Demonstrationen. Das moderne Deutschland ist Szenen wie diese nicht gewohnt.“

In Spanien brachten die beiden wichtigsten Zeitungen das Thema am Dienstag groß mit Bild auf Seite eins. Die rechtsliberale „El Mundo“ schrieb, Pegida sei dabei, „die dunkelsten rassistischen Vorurteile im tiefsten Deutschland aufzuwärmen.“

Der Widerstand wächst

Pegida-Proteste: „Das ist nicht Deutschland“ - oder?

Der Widerstand wächst: Pegida-Proteste: „Das ist nicht Deutschland“ - oder?

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Der niederländische „Volkskrant“ mutmaßt über die Beweggründe für die Dresdener Kundgebungen: „Der „Wutbürger“ fürchtet, sein Land zu verlieren.“

Die türkische „Hürriyet“ brachte am Dienstag ein Foto vom unbeleuchteten Kölner Dom auf der Titelseite. Überschrift: „Verdunkelung der Islamophobie“. Auf seiner Internetseite meint das Blatt mit Blick auf die vielen Anti-Pegida-Demonstrationen: „Deutschland lässt Pegida nicht passieren.“

Eine ähnliche Überschrift wählt die Nachrichtenagentur Anadolu: „Deutschland hat Pegida „Stopp“ gesagt“. Die regierungsnahe Zeitung „Sabah“ beleuchtet Pegida im Zusammenhang mit dem „Aufstieg der radikalen Rechten“ in Europa.

Kommentare (28)

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Herr Tom Schmidt

06.01.2015, 16:25 Uhr

Naja... also so ein paar Dinge sind da nicht von der Hand zu weisen.

In letzter Zeit haben wir in so mancher Talkshow erfahren, dass die Muslime in Deutschland nichts mit den Fundamentalisten und Islamisten zu tun haben und das wäre alles eine unzulässige Verallgemeinerung.

Wir haben auch gelernt, dass aus dem Umfeld der deutschen Moscheen inzwischen einige Hundert junge Muslime in die Bürgerkriegsgebiete gegangen sind, um dort zu kämpfen. Was die dort anrichten, kann man auch den Medien entnehmen: hier und da das Köpfen von Journalisten oder Geiseln, manchmal das Steinigen von Frauen wegen Ehebruch, etc.

Dann braucht man sich auch nicht zu wundern, dass es zu Flüchtlingswellen kommt. Wir zahlen also erst einmal für die muslimischen Gemeinden hier, dann wieder für die Flüchtlinge, die wieder ein hervorragendes Reservoir bilden um neue Kämpfer zu rekrutieren. Spass macht das nicht!

Gleichzeitig werden hier unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit Dinge akzeptiert, die jenseits von Gut und Böse sind! Beispiel: Schwimmunterricht für muslimische Mädchen! Meine Antwort darauf: in Deutschland herrscht Schulpflicht und die Teilnahme ist verpflichtend. Der Umstand, dass man dann für seine Kinder nicht mehr Ehen arrangieren kann, ist eben Pech. Wer das nicht will, soll in seinem Land leben! (mal abgesehen davon, dass im Koran nicht steht, dass deutscher Schwimmunterricht verboten ist!). Ach ja, konsequenterweise bin ich auch gegen christlich-fundamentalistische Schulen, die meinen Wissenschaftsunterricht durch die Schöpfungsgeschichte ersetzen zu können!

Und noch ein Punkt der Konsequenz. Diese islamischen Kämpfer aus Deutschland weniger kritisch zu verfolgen, als z.B. die NSU ist nicht akzeptabel. Die NSU hat 10 Leute getötet, dass ein paar Hundert Kämpfer inzwischen schon sehr viel mehr umgebracht haben, ist leicht abzuschätzen. Dementsprechend muss hier auch eine entsprechende gesellschaftliche Reaktion erfolgen!

Herr Peter Delli

06.01.2015, 16:45 Uhr

„Der Wutbürger fürchtet, sein Land zu verlieren“
Hat er doch längst oder wieso kommen EU, der Euro, die
Zuwanderer u.s.w. hierher?

Herr Ragin Allraun

06.01.2015, 17:06 Uhr

Jeder der in einer westdeutschen Großstadt lebt und einen Blick in Kindergärten und Schulen wirft, weiss wie weit die Islamisierung schon gediegen ist.

Von wegen "angeblich", - sie ist eine vorherrschende Realität und diverse Stadtteile sind bereits lange, lange verloren.

Willkommen in der Wirklichkeit.

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