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27.01.2010

08:58 Uhr

Weltwirtschaft

Das Jahr 2010 wird zur Nagelprobe

VonTorsten Riecke

Die Börsen sind dem Aufschwung weit vorausgeeilt. Mitte des Jahres muss sich zeigen, ob die Konjunktur auch wieder ohne staatliche Krücken laufen kann. Die Exit-Strategien der Notenbanken werden entscheidend sein.

Staatliche Hilfen haben die Weltwirtschaft wieder in die Luft gebracht. dpa

Staatliche Hilfen haben die Weltwirtschaft wieder in die Luft gebracht.

HB ZÜRICH. Weitgehend im Nebel stochern Politiker, Ökonomen und Unternehmer, wenn es darum geht, die weitere wirtschaftliche Entwicklung vorherzusagen. Zwar zeigen sich inzwischen rund um den Globus Anzeichen für eine Erholung der Konjunktur. Eine der großen Fragen in Davos wird jedoch sein, wieweit der Aufschwung trägt, ist das Comeback der Wirtschaft doch bislang vor allem den massiven Konjunkturhilfen von Regierungen und Notenbanken zu verdanken. Spätestens in der zweiten Hälfte des Jahres muss sich zeigen, ob die Wirtschaft wieder auf eigenen Füßen stehen kann.

Zu den Kassandra-Rufern gehört auch in diesem Jahr der US-Ökonom Nouriel Roubini. „Ich erwarte im zweiten Halbjahr, dass sich das Wirtschaftswachstum in den USA, Europa und Japan verlangsamt“, sagt der Professor der New York University, der als einer der wenigen die Subprime-Krise frühzeitig vorausgesagt hat. Unterstützung erhält Roubini etwa von den Ökonomen der US-Bank JP Morgan, die damit rechnen, dass die staatliche Anschubhilfe 2010 nur noch 0,2 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum in den USA beisteuern wird – nach 1,2 Prozent 2009.

Doch anders als vor einem Jahr, als Roubini und andere Schwarzseher die Stars auf dem WEF waren, gibt es jetzt Widerspruch. Erheblichen Rückenwind haben nach den kräftigen Kursgewinnen 2009 die „Bullen“ an den Weltbörsen. Der Aktienindex MSCI World ist seit Anfang vergangenen Jahres immerhin um mehr als 70 Prozent gestiegen. „Auch 2010 wird ein gutes Jahr“, prophezeite kürzlich Bob Doll, Chefstratege der US-Investmentgesellschaft Blackrock im Bloomberg-TV. Der Börsenindex Standard & Poor’s 500 solle um rund 13 Prozent zulegen.

Wie schnell sich solche Hoffnungen jedoch in Luft auflösen können, haben die vergangenen Tage gezeigt. Nachdem China die Kreditvergabe eingeschränkt hatte, bekamen die Börsianer plötzlich weiche Knie. Als dann auch noch US-Präsident Barack Obama seine Offensive gegen die Großbanken startete, war die Zuversicht wie weggeblasen.

Die wirtschaftliche Erholung ist gepflastert mit solchen Stolpersteinen. Die größte Gefahr für den Aufschwung ist zweifellos der angekündigte Rückzug der Notenbanken. Timing und Tempo der sogenannten Exit-Strategien wird dabei von entscheidender Bedeutung sein. Heben die Notenbanken die Zinsen zu schnell an, droht der Wirtschaft ein Rückfall in die Rezession. Wird der Zinshebel zu spät umgelegt, wächst die Inflationsgefahr. Bereits jetzt hat die Geldschwemme in einigen Schwellenländern zu erneuten Spekulationsblasen geführt.

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