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30.01.2010

13:00 Uhr

Weltwirtschaftsforum

"Das Schlimmste ist überstanden"

VonHermann-Josef Knipper

Letzter Tag des Elite-Treffens in Davos: Höchste Zeit für eine erste Bilanz. Die zogen Samstagvormittag Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft, neben anderen Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde. Die Stimmung ist gemischt: Die Erleichterung darüber, dass die Konjunktur wieder anzieht, ist groß. Doch jetzt richtet sich der Blick auf verbliebene Altlasten und neue Risiken. Die Zeit der allgemeinen Verunsicherung ist noch längst nicht vorbei.

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann sieht noch viele Risiken für die Weltwirtschaft. ap

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann sieht noch viele Risiken für die Weltwirtschaft.

HB DAVOS. Fünf Tage Davos sind vorbei. Für jeden der 2 500 Teilnehmer aus den Top-Etagen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aus allen Teilen der Welt bedeutete dies zwischen 50 und 100 Terminen rund um die Uhr. Vieraugengespräche, Branchen-Meetings, Panel-Diskussionen im verschachtelten Kongresszentrum. Und am Ende die Hoffnung auf die Erkenntnis, wie es jenseits aller Statistiken und volkswirtschaftlicher Prognosen wirklich um die Weltwirtschaft und ihre Perspektiven für die nächsten Monate steht. "Fiebermessen" hat ein deutscher Vorstandschef dies in Davos genannt.

Diesmal ist das Fazit besonders schwierig: Nachdem vor einem Jahr, also vier Monate nach der Lehman-Pleite und mitten im freien Fall der globalen Konjunktur, in der Elite noch eine erschreckende Mischung aus Panik, Weltuntergangsstimmung und Ratlosigkeit herrschte, schwankte die Stimmung der Davos-Teilnehmer diesmal zwischen depressiver Verunsicherung und naiver Aufbruchshoffnung.

Die Abschlussdebatten, die die unzähligen Branchentreffen der letzten Tage bilanzieren sollten, kann man auf diesen Nenner bringen: "Das Schlimmste liegt hinter uns", meinten viele Teilnehmer wie Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann oder Post-Chef Frank Appel mit leichtem Hang zum Optimismus. Beide hatten allerdings auch eine Einschränkung parat. Ackermann: "Viele Risiken sind noch da." Appel: "Meine größte Sorge sind die ausufernden Staatsdefizite."

Der Moderator der Abschlussdebatte zum "Global Economic Outlook", Martin Wolf, fasste das Rätselraten über die Perspektiven mit der Buchstabenkombination LUW (ausgesprochen wie "love") zusammen: Das L stehe für den tiefen Fall und die Stabilisierung Europas, wo es keinen nennenswerten Aufschwung geben werde. Das U stehe für die Wiederbelebung der US-Wirtschaft. Und das W stehe für das kräftige, aber von viel Volatilität geprägte Wachstum in Asien. In den Tagen zuvor waren viele dieser Szenarien diskutiert worden. Die Meinung über Europa geht auseinander: Lagarde und Ackermann und diverse Vorstandschefs aus Industrie und Finanzen sehen durchaus die Chance, dass es kein lang gezogenes L wird, sondern ein V, dessen zweiter Balken sehr flach nach oben zieht.

Ackermann wies darauf hin, dass die Märkte nach der Kurserholung der letzten Monate wieder sehr nervös geworden seien wegen der Zuspitzung im Bereich der gewerblichen Immobilien-Finanzierung, bei Carry-Trades (Arbitrage-Geschäften zwischen Währungen mit unterschiedlichem Zinsniveau), explodierenden Staatsdefiziten und dem noch nicht in Gänze bewältigten Wertberichtigungsbedarf der Banken bei toxischen Wertpapieren. Ackermann: "Wir müssen vorsichtig bleiben." Er plädierte für eine globale Koordination der schärferen Regeln, denen sich in Zukunft die Banken zu unterziehen haben.

Am frühen Samstagmorgen hatte in Davos ein Treffen von Bankern, Aufsehern und Finanzministern stattgefunden, auf dem der Fahrplan beschlossen wurde, um etwa die künftigen Eigenkapitalvorschriften festzulegen. Laut Ackermann besteht die Gefahr, dass dadurch die Kreditvergabe reduziert und damit der Wiederaufschwung in vielen Ländern gebremst werden könnte.

Als größtes neues Riskiko für den Fortgang der Weltwirtschaft identifizierte das Davoser Treffen die Überhitzungsgefahr der chinesischen Wirtschaft, die derzeit mit über zehn Prozent wächst und damit vielen westlichen Industrieländern neue Exportmöglichkeiten bietet. Vertreter der chinesischen Führung versuchten diese Skepsis zu zerstreuen: Peking sei entschlossen, die Binnennachfrage im Landesinneren zu fördern, aber im prosperierenden Osten zu kontrollieren. Eine Crash-Gefahr bestehe nicht.

Kommentare (3)

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aruba

30.01.2010, 19:07 Uhr

Guten Tag,........Da ich Herr meiner Zeit bin habe ich das Ganze bei CNbC verfolgt. Die Amis wie die briten machen keine Hehl daraus dass es ihnen nur ums Moos geht. Alles andere war seichtes Gelaber; den selben Schrott gibt es jeden Tag in jeder Narrensitzung der ich beiwohne. Jeder Clown will durch neue Dummheiten glaenzen. Wenn jemand die Eier des Columbus gefunden haette; er wuerde es nich in die Welt hinausposaunen;.... nein er wuerde sich die Haende daran reiben. ( und waeren sie noch so struppig.) besten Dank

Weltenbummlerin

31.01.2010, 09:53 Uhr

Viel Gelaber, zünden von Nebelkerzen, Scheingefechte. Am Schluß wird gegenseitig die rechte Hand geschüttelt und die linke politische Hand aufgehalten. Die banker und industrie zahlen, die Politiker stecken ein und das Volk wird verarscht. Das normale Geschäft. Demokratie adieu!!

Hörtlehner Wolfgang

31.01.2010, 10:14 Uhr

Man ist sich in Davos einig, daß Wachstum und neue Arbeitsplätze in den brich-Staaten aber auch in Afrika entstehen.Niemand spricht aber öffentlich die Wahrheit aus,daß sich Europa langfristig auf eine stagnierende Wirtschaft einstellen wird müssen,was zumindest ein Gewinn für die Umwelt wäre.

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