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31.01.2010

11:03 Uhr

Weltwirtschaftsforum

Ein kurzer Dämpfer für die Globalisierung

VonDieter Fockenbrock

Jahrelang war die Globalisierung das Top-Thema auf dem World Economic Forum: Wie kann die rasante Vernetzung der Weltwirtschaft vorangetrieben werden, wie mein Unternehmen davon profitieren, was sind die Erfolgsfaktoren? Schneller, höher, weiter lautete die Devise. Die Weltwirtschaftskrise hat die Agenda auf den Kopf gestellt. Erst die Schockstarre im Januar 2009, jetzt suchen Manager den Blick nach vorn. Doch nach der Krise ist nicht vor der Krise.

DAVOS. Die Globalisierung hat einen massiven Rückschlag erlitten. Schon im kommenden Jahr werde die Weltwirtschaft wieder an das Niveau von 2007/2008, also vor dem Einbruch, anknüpfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Prüfungsgesellschaft Ernst & Young. Die Erholung wird nach Einschätzung von Fachleuten aber nur gelingen, wenn auch die westlichen Industriestaaten ihr Wachstum ankurbeln und die Last nicht allein an den Emerging Markets hängt. Länder wie China, Indien oder Brasilien können nach Meinung des ehemaligen mexikanischen Präsidenten Ernesto Zedillo, nur dann Lokomotive einer globalen Erholung werden, wenn auch die entwickelten Märkte auch mitziehen.

Aber: So steil wie in den vergangenen Jahren wird es mit der internationalen Vernetzung nicht mehr vorangehen. Grund dafür sind die teilweise dramatisch eingebrochenen Auslandsinvestitionen, der Mangel an Kapital und der wachsende Protektionismus, heißt es in der E&Y-Studie. Auswirkungen der Krise, die nachhaltig wirken.

Vor allem aber sind die Bedingungen nach der Krise ganz andere als zuvor. John Ferraro, Chief Operating Officer von Ernst & Young, nennt eine entscheidende Veränderung. Der Kapitalstrom sei von West nach Ost gewandert. Das hätten viele in den Industrienationen noch gar nicht realisiert. Allein das werde zu einem grundlegenden Wandel der ökonomischen Landkarte führen. Nach einer jüngsten Studie des International Institute of Finance steigt der Nettokapitalzufluss in Schwellenländer von 435 Mrd. Dollar in 2009 auf 722 Mrd. Dollar in diesem Jahr. Für 2011 prognostiziert das IIF sogar knapp 800 Mrd. Dollar. Skeptiker sehen darin die Gefahr einer neuen Spekulationblase.

Die Unternehmen richten ihren Blick ohnehin verstärkt Richtung Asien. Indien etwa gilt unter den Automobilherstellern derzeit als einer der wichtigsten Märkte. VW beispielsweise sieht seine Kapitalbeteiligung an dem japanischen Hersteller Suzuki vor allem unter strategischen Gesichtspunkten. Suzuki ist bereits in Indien erfolgreich. Skepsis herrscht allerdings in der Frage, ob Indien weiter wachsen wir wie bislang. Die marode Infrastruktur des Landes gilt als ein massives Hindernis.

Ferraro sieht die Herausforderungen für das Management aber nicht allein auf den Gebieten Auslandinvestitionen und Markterschließung. Die Globalisierung stelle auch ganz neue Bedingungen an die Führungsremien. Selbst weltweit tätige US-Konzerne hätten heute allenfalls ein bis zwei nicht-amerikanische Boardmitglieder. Viele der neuen Talente werden nach Ansicht Ferraros künftig aus demografischen Gründen aus den Schwellenländern kommen. "Diversity wird ein ganz großes Thema für die Unternehmen."

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