Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2014

20:02 Uhr

Weltwirtschaftsforum in Davos

Aufschwung, schwach und zerbrechlich

VonTorsten Riecke

EZB-Chef Mario Draghi sieht für die Eurozone nach wie vor klare Risiken. Deflation sei aber keines davon. US-Außenminister Kerry trat derweil Gerüchten entgegen, die USA würden künftig die Krisenherde der Welt meiden.

Mario Draghi in Davos: Der EZB-Präsident warnt vor einem Aufschwung auf tönernen Füßen. ap

Mario Draghi in Davos: Der EZB-Präsident warnt vor einem Aufschwung auf tönernen Füßen.

DavosDer Aufschwung in der Eurozone steht auf wackligen Füßen. „Es gibt klare Risiken“, sagte Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Draghi versuchte damit den Optimismus vieler Ökonomen und Politiker zu bremsen, die die Eurokrise bereits abgehakt haben. „Der Aufschwung ist noch schwach und zerbrechlich und verläuft sehr ungleichmäßig“, sagte der Italiener. Obwohl die Stimmungsbarometer eine bessere Konjunktur signalisierten, seien die Anzeichen auf der Produktionsseite noch nicht so solide.

Der EZB-Chef sprach sich dafür aus, die Konsolidierung der Staatshaushalte fortzusetzen, aber die Komposition der Sparpakete zu ändern. „Wir müssen die Sparanstrengungen wachstumsfreundlicher machen", forderte der Notenbanker. Notwendig sei insbesondere, den privaten Konsum zu stärken und die Investitionen zu erhöhen.

Zugleich nutzte Draghi die Gelegenheit vor der Weltöffentlichkeit, um auf die Erfolge seines Krisenmanagements hinzuweisen. „Die Aktienkurse sind um 50 Prozent gestiegen, die Bankaktien sogar um 80 Prozent“, sagte der EZB-Chef. Er bezog sich dabei auf den Zeitpunkt seiner Londoner Rede in 2012, in der er versprach, alles zu tun, um den Euro zu retten.

Davos - Tag 3: Schäuble erntet Lacher

Davos - Tag 3

Schäuble erntet Lacher

Es ist der Tag der Spitzenpolitiker: Angela Merkel kommt zwar nicht, dafür aber Finanzminister Schäuble. Der hat Respekt vor Griechenland. Englands Premier David Cameron plädierte in seiner Rede für billige Energie.

US- Außenminister John Kerry hat indes allen Vermutungen widersprochen, dass sich Amerika von den Krisenherden der Welt zurückziehen könnte. „Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein“, sagte der Amerikaner beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Man dürfe das Engagement Amerikas nicht mehr nur in seiner militärischen Präsenz messen. Entscheidend sei, dass die USA in allen wichtigen Fragen der Weltpolitik engagiert blieben. Außerdem, so Kerry weiter, solle man die US-Außenpolitik mehr an ihren Resultaten messen.

Kerry unterstrich, dass die USA auch weiterhin Druck auf die Regierung in der Ukraine ausüben würden, um zu einer Lösung des dortigen Konflikts zu kommen. Im Mittelpunkt der amerikanischen Bemühungen werden allerdings unverändert die Krisenherde im Mittleren Osten stehen. Der US-Außenminister begrüßte die Bemühungen des iranischen Präsidenten Rouhani, den Streit über das Atomprogramm dauerhaft zu lösen. Rouhani hatte zuvor in Davos versichert, dass sei Land kein Interesse am Bau einer Atombombe habe. „Wir müssen jetzt sicherstellen, dass dieses Versprechen auch eingehalten wird“, sagte Kerry. Nach den Worten müssten nun Taten folgen. Der Amerikaner machte keinerlei Anstalten die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran bald zu lockern.

Mit Blick auf den Bürgerkrieg in Syrien wiederholte Kerry seine Forderung, dass es eine friedliche Lösung nur ohne den syrischen Diktator Assad geben könne. Hoffnungen auf ein militärisches Eingreifen der USA erteilte er eine Absage. „Das ist die Zeit der Diplomatie“, sagte der US-Außenminister.

Der Krisenherd in Palästina verlangt nach Meinung von Kerry besondere Aufmerksamkeit, weil der Zeitdruck zunehme. „Die demographische Dynamik macht es für Israel fast unmöglich, seine Staatsgrenzen dauerhaft zu sichern.“ Die Zwei-Staaten-Lösung bleibe das Ziel der amerikanischen Bemühungen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×