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27.01.2011

19:26 Uhr

Weltwirtschaftsforum

Sarkozys Kampfansage zur Rettung des Euro

Eine leidenschaftliche Verteidigung des Euro und eine Kopfwäsche für die Bankchefs - Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hat das Weltwirtschaftsforum in Davos als Arena für seinen Antritt als Präsident der Gruppe der größten Industrie- und Schwellenländer (G20) genutzt.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy: Kämpferische Rede zur Verteidigung des Euro in Davos DAPD

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy: Kämpferische Rede zur Verteidigung des Euro in Davos

HB DAVOS. Wer auch immer auf den Untergang des Euro setzen sollte, bekam eine Kampfansage zu hören. „Alle, die gegen den Euro wetten: Passt auf Euer Geld auf, denn wir sind vollkommen entschlossen, den Euro zu verteidigen“, sagte Sarkozy in seiner Rede vor Bank- und Konzernchefs am Donnerstag. „Frau Merkel und ich werden niemals - hören Sie mir zu: niemals - den Euro fallen lassen.“ Mit dem Vorstandschef der US-Investmentbank JP Morgan Chase lieferte sich das streitlustige französische Staatsoberhaupt einen Schlagabtausch über die Verantwortung der Banken für die Finanzkrise.

Sarkozys Plädoyer für Vertrauen in den Euro traf in dem Schweizer Nobel-Skiferienort auf ein Publikum, das schon mit zuversichtlichen Einschätzungen zur Überwindung der Euro-Schuldenkrise überhäuft worden war. Sogar der „Doktor Doom“ genannte Schwarzseher unter den amerikanischen Ökonomen Nouriel Roubini, der als einer von wenigen die Finanzkrise kommen sah, äußerte sich optimistisch über die Zukunft der europäischen Währungsunion. Der Chef der weltgrößten Werbeagentur WPP, Martin Sorrell, sagte, er sei verblüfft, über das wachsende Vertrauen von Volkswirten und Vorstandschefs in die Fähigkeit der Euro-Zone, ihre Schuldenprobleme zu überwinden.

Die Euro-Länder hatten auf dem Höhepunkt der Krise Griechenlands einen Rettungsschirm aus dem Boden gestampft, der in diesen Tagen für das erste Land in seiner Obhut, Irland, erfolgreich Milliarden am Kapitalmarkt einsammelte. Derzeit ringen die Mitglieder der Währungsunion darum, den Rettungsfonds noch zu verstärken und eine Wirtschaftskoordinierung neuer Qualität zu vereinbaren, um schwache Staaten aus der Krise zu ziehen.

Der Chef von JP Morgan lobte den Kampf der Regierungen gegen die Schuldenspirale. „Denn wenn sie nicht hier reparieren, werden sie dort reparieren - und das ist das Bankensystem“, sagte Dimon. Er hatte in einem Panel geklagt, das Eindreschen auf die Banker müsse ein Ende haben. Es sei „unproduktiv und unfair“. Nicht alle Geldhäuser könnten in einen Topf geworfen werden, kritisierte Dimon, dessen Bank die Krise unbeschadet überstanden hatte.

Auf die Banken war Sarkozy unterdessen nicht gut zu sprechen. „Die Welt hat mit zig Millionen Arbeitslosen bezahlt, die waren überhaupt nicht Schuld und haben für alles bezahlt“, schnauzte Sarkozy Dimon an. „Das hat eine Menge Wut ausgelöst, eine ganze Menge.“ Er gönne den Bankern ihre Boni, wenn alles gut laufe, ergänzte der Franzose. „Aber wenn es nicht klappt, findet man keinen Verantwortlichen mehr.“ Die Bankmanager müssten dann auch die Verluste teilen. Auch auf Dimons Appelle, bei der Regulierung nicht über das Ziel hinaus zu schießen, ging Sarkozy ein. Er habe gar nichts gegen Verbriefungen.

„Aber wenn ein Offshore-Land Garantien abgibt, die sein Bruttoinlandsprodukt 700 Mal überschreiten, sind wir dann in einer Marktwirtschaft oder einem Irrenhaus?“

Sarkozy will als Chef der G20-Guppe mit strengeren Regeln den Einfluss von Spekulanten an den Rohstoffmärkten eindämmen. Spekulation und Armut schaukelten sich gegenseitig hoch, sagte er. Der Handel benötige mehr Transparenz. Spekulanten dürften große Mengen an Rohstoffen nicht länger ohne jeglichen Einsatz an Geld handeln. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier demonstrierte unterdessen in Brüssel, dass er mit Sarkozy auf einer Linie ist.

Die EU-Kommission hatte in dieser Woche die Veröffentlichung eines Papieres abgesagt, in dem der Zusammenhang von Spekulation an Terminmärkten und den Preisen für Agrarrohstoffe verneint wurde. Barnier sagte dennoch, Sarkozy habe Recht, wenn er dieses Thema angehen wolle und kündigte weitere Regulierungen an. So will er in Betracht ziehen, nach dem Vorbild der US-Warenterminbörse in Chicago Limits für Handelspositionen zu ermöglichen.

Kommentare (7)

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Ondoron

27.01.2011, 20:55 Uhr

Das ist schon klasse, was die europäischen Politiker mit Weltformat so alles aus dem Hut zaubern: Eine nicht lebensfähige Kunstwährung, die so lange "verteidigt" wird, bis es eben zappenduster ist. Die Kritikpunkte an dieser Währung, wie sie die Euroskeptiker vor der Einführung dieser Währung stringent nachvollziehbar dargelegt haben, bleiben unerwähnt. Wie damals werden sie ignoriert und es wird an Symptomen geflickt. So lange, bis das Geld verbraucht ist. Naja, von Politikern kann man nicht mehr erwarten: es ist ja auch nicht ihr Geld, was sie da für politische Projekte verpulvern. Und ihre eigenen Diäten können sie sinnvollerweise auch selbst anpassen.
Der Markt lässt sich von solch markigen Sprüchen natürlich nicht beeindrucken. Er stellt nur fest, dass man noch länger mit dieser vermaledeiten Währung Geld verdienen kann. Was kann denen besseres passieren?

Margrit Steer

27.01.2011, 22:08 Uhr

Dieser kleine abgeschnittene bonsai aus Paris und unsere DDR-Jule, das ist das richtige Gespann um Europa und vor allem Deutschland total an die Wand zu fahren.
Sarkozy ist auch nicht gerade ein lupenreiner Demokrat, er mag es auch gerne diktatorisch und Merkel ist ohnehin alles anders als eine lupenreine Demokratin, unsere große Staatsratsvorsitzende.
Europa wäre bessr ohne diese beiden idioten

JFK

27.01.2011, 23:41 Uhr

Das sehe ich anders Europa hat einen Antwort auf die Krise, und die heißt: "Wir halten zusammen, verpisst Euch Spekulanten-Pack"

Mal sehen wer am Ende noch lacht?
ich habe da so ein Gefühl das die banker nicht sein werden, denn die haben es auch in den Augen der Politiker zu weit getrieben.

Der bankensektor ist eh schon stark reglementiert, nun das reicht wohl nicht!! Dann müssen noch mehr Regeln her!!

Kleine Kinder müssen wissen wo Mutti ihre Grenzen hat und Gier ist nun mal ohne Grenzen.....Schluss damit. Gesundes Wachstum gerne, aber so ein irrsinn immer mehr mehr mehr .....das kann nicht gut gehen.

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