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22.01.2015

11:24 Uhr

Weltwirtschaftsforum

Wie Frankfurt Davos die Schau stiehlt

VonMichael Maisch

In den Schweizer Alpen gibt es nur ein Thema: Die mit Höchstspannung erwartete Entscheidung der EZB über ihr Anleihekaufprogramm. Doch obwohl Mario Draghi noch gar nicht gehandelt hat, wachsen in Davos die Zweifel.

Die Entscheidung der EZB wird auch in Davos mit Spannung erwartet. dpa

Die Entscheidung der EZB wird auch in Davos mit Spannung erwartet.

DavosNormalerweise schlägt das Herz der Wirtschaftswelt Ende Januar in Davos. Doch in diesem Jahr stiehlt Frankfurt zumindest an diesem Donnerstag dem Weltwirtschaftsforum die Schau. In den Schweizer Alpen gibt es nur ein Thema: die mit Höchstspannung erwartete Entscheidung der Europäischen Zentralbank über ihr Anleihekaufprogramm. Aber obwohl die EZB noch gar nicht gehandelt hat, wachsen in Davos bereits die Zweifel an der Wirksamkeit des sogenannten Quantitative Easing (QE). „Das Risiko einer Stagnation ist gestiegen, deshalb muss die EZB entschieden handeln“, sagt Zhu Min, Vizechef des Internationalen Währungsfonds. Aber er glaubt auch, dass die Währungsunion sehr viel dringender als noch mehr billiges Geld mehr Investitionen in „Infrastruktur, Wissen und Forschung“ braucht.

Aber Europas Banken vergeben immer weniger Kredite und daran wird nach Meinung der Skeptiker auch das umstrittene Anleihekaufprogramm der EZB nichts ändern. Grund: Nach Meinung vieler Finanzprofis funktioniert der Transmissionsmechanismus zwischen Notenbank, Banken und Realwirtschaft nicht mehr. Das heißt, eine Ausweitung der Geldmenge sorgt nicht mehr für eine höhere Kreditvergabe der Banken. „QE ist in etwa so wirksam, als wenn man versuchen würde, einen Faden in eine bestimmte Richtung zu schieben“, meint Anne Richards, Chief Investment Officer bei Aberdeen Asset Management. „Einige Banken sind in der Lage, mehr Geld zu verleihen, aber es gibt auch Länder, in denen die Institute dazu nicht bereit sind“, meint Ana Botin, Chefin des spanischen Bankriesen Santander.

EZB steht vor weiteren historischen Schritten

EZB-Rat

Das Führungsgremium der Notenbank entscheidet ab Januar 2015 nur noch alle sechs Wochen über die Geldpolitik im Euroraum, erster Termin dafür ist der 22. Januar. Bisher gab es in der Regel am ersten Donnerstag jedes Monats eine Zinsentscheidung der EZB. Draghi begründete den neuen Turnus mit überzogenen Erwartungen der Märkte: Würden diese enttäuscht, komme es zu Konsequenzen – ohne dass es dafür einen ökonomischen Grund gebe. „Die EZB sollte aber nicht jeden Monat handeln. Deshalb haben wir uns entschieden, dass der Sitzungskalender mit monatlichen Treffen zu eng ist“, erklärte der Italiener Anfang Juli.

Neubau

Ihre neue Zentrale im Frankfurter Ostend hat die EZB bereits im November bezogen, am 18. März 2015 soll sie feierlich eröffnet werden. Das Ensemble aus zwei gläsernen Türmen - 165 und 185 Meter hoch - sowie der denkmalgeschützten ehemaligen Großmarkthalle bietet Platz für 2900 Mitarbeiter. Die Kosten für den Neubau am Mainufer waren mehrfach nach oben korrigiert worden, jüngste Schätzung: 1,3 Milliarden Euro. Die Endabrechnung soll Ende 2015 vorliegen.

Protokolle

Ein weiteres Novum: Die Notenbank wird ab 2015 regelmäßig Zusammenfassungen der Beratungen des EZB-Rates veröffentlichen – und zwar jeweils vor der folgenden Sitzung. Bislang lagen die Mitschriften für 30 Jahre unter Verschluss. Die neue Transparenz sei „ein weiterer Weg, um unsere Maßnahmen und die ihnen zugrundeliegenden Erörterungen zu erläutern“, erklärte Draghi. Schließlich sei das Vertrauen der Bevölkerung in die Geldpolitik immens wichtig.

Stimmrechte

Im EZB-Rat galt bisher das Prinzip: ein Land, eine Stimme. Mit dem Euro-Beitritt Litauens ändert sich das. Ab 2015 wird rotiert. Im Mai darf Bundesbank-Präsident Jens Weidmann deshalb erstmals keine Stimme bei den geldpolitischen Entscheidungen abgeben. Hintergrund ist ein EU-Beschluss von 2003, wonach das Stimmrecht in dem Gremium rotiert, sobald die Eurogruppe mehr als 18 Mitglieder hat. Das soll sicherstellen, dass auch dann rasch und effizient entschieden werden kann, wenn die Währungsunion größer wird. Das System tritt mit dem Eurobeitritt Litauens zum 1. Januar in Kraft.

Anleihenkäufe

Die Inflation ist gefährlich niedrig, das viele billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt die Wirtschaft bislang nicht wie von den Währungshütern gewünscht in Schwung. Viele Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die Notenbank Anfang 2015 den Weg für Anleihenkäufe in großem Stil freimachen wird („Quantitative Easing“, QE). Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt – und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert. EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass die Vorbereitungen für neue Eingriffe weit fortgeschritten seien. Ausdrücklich nannte er dabei QE, wobei auch Staatsanleihenkäufe im Rahmen des Mandats der EZB möglich seien.

Zinsen

„Die Zinsen werden niedrig, niedrig, niedrig bleiben. Die Geldflut der Zentralbanken wird anhalten“, prognostizierte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau im Dezember. Europas Währungshüter selbst haben immer wieder bekräftigt, dass sie die Zinsen auf absehbare Zeit nahe Null halten werden. Dass der Leitzins im Euroraum noch unter das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt wird, gilt allgemein als unwahrscheinlich. Draghi selbst hatte eingeräumt, beim Leitzins sei „der untere Rand erreicht“.

Daran ist nach Meinung von Gary Cohn, Chief Operating Officer von Goldman Sachs nicht nur die Angst vor höheren Kreditausfällen in den Krisenländern der Eurozone verantwortlich. Cohn sieht einen Teil der Schuld auch bei den Regulatoren, die den Banken immer höhere Sicherheitspuffer vorschreiben: „Kapital, dass die Banken früher weitergereicht haben, behalten sie nun zurück, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.“

Deshalb braucht Europa nach Meinung von Timothy Adams, Chef der Großbankenlobby IIF, dringend einen neuen Transmissionsmechanismus: „Das kann eigentlich nur ein deutlich flexiblerer Kapitalmarkt leisten“, ist sich Adams sicher.

Kommentare (3)

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Herr Vittorio Queri

22.01.2015, 11:42 Uhr

>> Die mit Höchstspannung erwartete Entscheidung der EZB über ihr Anleihekaufprogramm. >>

Und das bedeutet

MEHR SCHULDEN,

MEHR SPIELGELD für SPEKULANTEN,

ABWERTUNG DES €,

KAUFKRAFTVERLUST,

SCHULDENVERGEMEINSCHAFTUNG !

#EZB zeigt die Grenzen der EUtopia auf......

Es war, ist und bleibt ein utopisches Experiment, das wir mit unseren Steuergeldern auf Kosten unserer Infrastruktur ( Strassen, Schulen, Gemeinwesen generell ) bezahlen !

Stoppt die EZB !

Stoppt die EU !

Weg mit den Politschmarotzern !

Frau Ute Umlauf

22.01.2015, 11:50 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

22.01.2015, 18:22 Uhr

Wie Frankfurt Davos die Schau stiehlt

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In DAVOS werden Lösungen für Probleme gesucht...

In FRANKFURT werden NEUE PROBLEME GEMACHT !!!!!







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