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15.04.2013

13:56 Uhr

Wende im Korea-Konflikt?

Zu Opas Geburtstag bleibt es friedlich

VonMartin Kölling

Eigentlich nutzt Nordkorea jede Gelegenheit für einen Aufmarsch des Militärs. Doch den Geburtstag des Großvaters feiert Kim Jong Un ganz ohne Paraden. Auch der Mittelstreckenraketentest bleibt bislang aus. Warum nur?

In Nordkorea tanze die Menschen auf der Straße, um die Kim-Dynastie zu ehren.

In Nordkorea tanze die Menschen auf der Straße, um die Kim-Dynastie zu ehren.

TokioWar das jetzt schon die Wende im jüngsten Korea-Konflikt? Nordkoreas Führer Kim Jong Un verzichtete darauf, den 101. Geburtstag seines Großvaters und Staatsgründers Kim Il Sung mit riesigen Militärparaden zu begehen. Stattdessen versammelten sich Nordkoreaner in den mit Bannern und Fahnen geschmückten Straßen. Auch der vielfach im Ausland erwartete Test einer Mittelstreckenrakete fand bislang nicht statt.

Stattdessen besuchte Kim Jong Un am Montag, dem Tag der Sonne, den Kumusan-Palast der Sonne, um seinem Ahnen zu gedenken. Der Tag der Sonne wird nicht von ungefähr am Geburtstag des heiß verehrten Staatsgründers gefeiert. Kim Il Sung wird bis heute als fürsorglicher Führer geehrt, in dessen Schein das Land aufgeblüht ist.

Kim Junior habe Blumengestecke niedergelegt, beschreibt die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA den Staatsakt. Auf den Schleifen stand „Die großen Genossen Kim Il Sung und Kim Jong Il werden immer bei uns sein.“ Danach hätten sich Kim und die anderen Teilnehmer der Zeremonie tief vor den Statuen der großen Generallissmus verbeugt und seien in Halle der Unsterblichkeit weitergeschritten, wo Kims Leichnam liegt.

Das Ausland kann nun rätseln, warum Kim seine Eskalation nicht weiter auf die Spitze getrieben hat. Aber ganz unerwartet kommt die Wende nicht. Denn einige Experten haben bereits in den vergangenen Wochen Anzeichen dafür ausgemacht, dass Kim in dem nervenaufreibenden Poker von Provokationen auf zur Schau gestellte Gesprächsbereitschaft umgeschaltet hat.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Besonders der Verzicht auf einen Raketentest würde ihn nicht überraschen, meint Hajime Izumi, ein japanischer Nordkorea-Experte von der Shizuoka-Universität. Denn Kim benötige ihn nicht mehr.

Er habe vor seinem Volk schon die Fiktion aufbauen können, genug atomare Fähigkeiten zu besitzen, einen US-Angriff zurückschlagen zu können. Kims Propagandaabteilung habe dem Volk zu dem erklärt, dass die Militärmanöver der USA und Südkoreas der Invasion des Nordens gedient hätten. „Das ist zwar eine totale Erfindung, aber wenn die Manöver stoppen, wird er seinem Volk erklären, durch sein hartes Handeln den großen Sieg errungen zu haben.“

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Gleichzeitig scheinen auch Kims Feinde das martialische Getöse über zu haben. Vorige Woche betonte zuerst Südkoreas Regierung, unter gewissen Bedingungen gesprächsbereit zu sein. Am Montag äußerte sich der US-Außenminister John Kerry auf der letzten Station seiner Ostasien-Reise ebenfalls in dieser Richtung.

Als Vermittler setzen allerdings auch die USA auf Nordkoreas verbündeten China. Der Weg zu neuen Gesprächen dürfte allerdings holprig werden. Kein Experte will ausschließen, dass Kim in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten nicht erneut mit militärischen Mitteln provoziert, um - aus seiner Sicht - seine Verhandlungsposition zu stärken.

Die Sonderwirtschaftszone Kaesong

Was ist Kaesong?

Kaesong trägt die offizielle Bezeichnung Spezielle industrielle Verwaltungsregion Nordkoreas. Mit den dort angesiedelten südkoreanischen Unternehmen fungiert der Industriekomplex als gemeinsame Wirtschaftsentwicklungszone. Die Unternehmen aus dem Süden zog es vor allem wegen billiger und qualifizierter Arbeitskräfte dort hin.

Wie kam es zur Gründung von Kaesong?

Kaesong ist ein Ergebnis der sogenannten Sonnenscheinpolitik Südkoreas - der zwischen 1998 und 2008 betriebenen interkoreanischen Aussöhnung. Diese Politik zielte darauf ab, die Kontakte zwischen beiden Staaten zu beleben. Seit seiner Gründung 2004 ist der Industriekomplex das einzige Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd, nachdem die offiziellen Beziehungen seit 2010 auf Eis liegen.

Wo liegt Kaesong?

Die Sonderwirtschaftszone liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Es gibt eine direkte Straßen- sowie Zugverbindung in den Süden. Insgesamt hunderte Arbeiter und Manager aus Südkorea überqueren täglich den nach Kaesong führenden Grenzposten. Ihre Namen werden den nordkoreanischen Behörden im Vorfeld übermittelt, diese geben dann grünes Licht für die Einreise.

Wer arbeitet in Kaesong?

Aktuell sind in Kaesong 123 südkoreanische Unternehmen tätig, die meisten davon stammen aus der Textil-, der Elektronik- und der Chemiebranche. Beschäftigt sind mehr als 53.000 nordkoreanische Arbeitskräfte sowie knapp 900 Südkoreaner im Managementbereich.

Wie erfolgreich war Kaesong bislang?

Südkoreanische Unternehmen investierten insgesamt 850 Millionen Dollar (664 Millionen Euro) in die Zone. Nach einem zunächst schleppenden Start meldete Kaesong erstmals 2011 einen Gewinn. Für 2012 wurde ein Umsatz von 469,5 Millionen Dollar vermeldet, für den Zeitraum seit 2004 wird der Wert mit 1,98 Milliarden Dollar angegeben.

Warum ist Kaesong so wichtig für Nordkorea?

Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pjöngjang. Die dort beschäftigten Nordkoreaner verdienen im Monat im Schnitt 144 Dollar. 2012 verlangte Nordkorea von acht der dort vertretenen Firmen Steuerzahlungen in Höhe von 160.000 Dollar.

Kommentare (2)

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RumpelstilzchenA

15.04.2013, 17:37 Uhr

"...Kims Propagandaabteilung habe dem Volk zu dem erklärt, dass die Militärmanöver der USA und Südkoreas der Invasion des Nordens gedient hätten. „Das ist zwar eine totale Erfindung, aber wenn die Manöver stoppen, ...."

Das ist keine totale Erfindung!!!! siehe Irak. Kim, sei auf der Hut!!

Account gelöscht!

16.04.2013, 11:03 Uhr

Nachdem Kim sein Opa in der Hölle mit Gadaffi seine Zigaretten Pause hielt bis zum Hals in Exkrementen, gab Gadaffi den Rat, die Demokratischen Pussys entgegen zu kommen
damit hat man viele Vorteile und kann sein Volk trotzdem weiter quälen. Bevor Opa noch was sagen konnte, kam die Aufforderung: Zigarettenpause beendet, bitte alle setzen.

Trotzdem konnte eine Gruppe am runden Tisch die Nachricht von Gasaffi abhören und wird sie vermutlich mit Kim umsetzen.

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