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28.12.2011

08:20 Uhr

Wenn der Dollar sprechen könnte

„Man nennt Dich eine Konfettiwährung“

VonJan Mallien, Andreas Niesmann

Der Pakt zwischen Japan und China zeigt, dass sich die Gewichte im Weltwährungssystem verschieben. Während Dollar und Euro an Bedeutung verlieren, wird Chinas Yuan wichtiger. Ein fiktives Streitgespräch dreier Währungen.

Banknoten von Dollar, Euro und Yuan: Neue Kräfteverhältnisse im Weltwährungssystem. dpa

Banknoten von Dollar, Euro und Yuan: Neue Kräfteverhältnisse im Weltwährungssystem.

Dollar: Tach Euro, gibt’s Dich auch noch? Ich dachte Du wärst schon tot.
Euro: Totgesagte leben bekanntlich länger, mein Lieber. Schon Mitte 2010 haben angebliche Experten meinen Untergang prognostiziert - wie Du siehst, lagen die falsch. Aber sag einmal: Was machst Du denn hier? Ich wollte gerade zum Krankenhaus, um Dich zu besuchen. Man sagte mir, Du lägest auf der Intensivstation und ich solle mich beeilen.

Dollar: Was für ein Unsinn. Mir geht es hervorragend! Ich bin die stärkste Währung der Welt. Nicht umsonst nennt man mich Leitwährung.

Euro: Stärkste Währung der Welt, nun ja: In den vergangen zehn Jahren habe ich im Vergleich zu Dir um rund 50 Prozent aufgewertet. Und die Sache mit der Leitwährung: Inzwischen werden fast 30 Prozent aller weltweiten Reserven in Euro gehalten, auch da habe ich Dir zehn Prozent abgeknöpft…

Dollar: Es werden aber immer noch doppelt so viele Devisenreserven - rund 60 Prozent - in Dollar gehalten. Ist ja auch irgendwie logisch: Wer will schon in eine Währung investieren, die keine Zukunft hat. Du musst ja ständig gerettet werden und machst nur Probleme. Was Du die Steuerzahler schon gekostet hast - an Deiner Stelle würde ich mich schämen.

Euro: Zugegeben, ich hatte in letzter Zeit mit der einen oder anderen Kinderkrankheit zu kämpfen. Das liegt an meiner Entstehungsgeschichte. Heute wissen wir, dass Länder wie Griechenland an der Währungsunion besser nicht teilgenommen hätten. Aber damals war es die  europäische Leidenschaft, die meine Väter und Mütter dazu trieb, das eine oder andere Auge zuzudrücken. Die Geschichte meiner Zeugung ist sicherlich nicht jugendfrei. Aber: Ich bin ein Kind der Liebe.

Kommentare (7)

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frage

28.12.2011, 10:16 Uhr

Zitat: "39 Prozent aller Devisentransaktionen entfielen im vergangenen Jahr auf den Euro, halb so viel wie auf den Dollar."

Entfielen dann 78% aller Devisentransaktionen auf den Dollar? Auf welche Währung entfielen die restlichen -17%?

WFriedrich

28.12.2011, 10:37 Uhr

Originell ist dieser Beitrag gemacht. Er zeigt, dass eine kritische Analyse mit wenigen Worten erheiternd und zugleich bedenkenswert vorgetragen werden kann. In früheren Zeiten wurden die Kunstform der Fabel genutzt, um Kritik zu transportieren. Auf Vergleichbares müssen wir heute ebenfalls nicht verzichten, zumal es immer schwieriger wird, mit Argumenten in der Meinungsüberflut Gehör zu finden.

Account gelöscht!

28.12.2011, 12:24 Uhr

In dieser Berechnung sind ja auch die EURO-Dollar und umgekehrt die Dollar-EURO Transaktionen (neben den Transaktionen mit anderen Währungen) berücksichtigt. Daher überschneiden sich diese Werte.

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