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14.03.2014

16:45 Uhr

Wenn Sie es genau wissen wollen …

Die wichtigsten Fragen zur Krim-Krise

VonJohannes C. Bockenheimer

Was will Putin auf der Krim? Und droht nun ein neuer Kalter Krieg? Wir beantworten alle wichtigen Fragen zum Krim-Konflikt, die Sie sich aus Scham bislang nicht getraut haben zu stellen.

USA warnen Putin

90 Prozent der Krim-Bewohner stimmen für Russland-Anschluss

USA warnen Putin: 90 Prozent der Krim-Bewohner stimmen für Russland-Anschluss

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Kennen Sie das: Sie sitzen vor dem Bildschirm, lesen eine Meldung über die Krim-Krise oder den Bürgerkrieg in Syrien und alles was Sie verstehen, ist das Wörtchen „Bahnhof“? Dann ist diese Serie genau das Richtige für Sie! „Wenn Sie es genau wissen wollen…“ beantwortet Ihnen alle wichtigen Fragen zu aktuellen Themen, die Sie sich aus Scham bislang nicht getraut haben zu stellen.

Ukraine? Ich weiß nicht mal, wo man das Land auf dem Globus findet …

Je nach Größe des Globus liegt sie nur wenige Zentimeter von Deutschland entfernt. Die Ukraine ist ein Staat in Osteuropa, sie grenzt im Westen an Polen und im Osten an Russland. Und sie ist schwer zu übersehen: Legt man europäische Größenmaßstäbe an, handelt es sich bei der Ukraine um einen Giganten – Deutschland würde fast zwei Mal innerhalb der ukrainischen Grenzen Platz finden. Bei der Bevölkerungsgröße sieht es anders aus, rund 40 Millionen Menschen leben in der Ukraine - nur halb so viele wie in Deutschland.

Im November 2013 begann in der Ukraine eine Welle von Protesten, Hunderttausende demonstrierten gegen Präsident Wiktor Janukowitsch und seine Regierung. Sämtliche Gründe kann man angesichts solcher Massen nicht aufzählen, hier sind die zwei wichtigsten:

- Janukowitsch hatte angekündigt, die Wirtschaftsbeziehungen mit Russland auszubauen. Bei einem Besuch in Moskau sicherte er seinem klammen Land einen 15-Milliarden-Dollar-Kredit. Das Geld solle aus einem russischen Staatsfonds kommen und in ukrainische Staatsanleihen fließen, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin. Darüber hinaus versprachen die Russen, den Preis für Gasexporte an die Ukraine deutlich senken. Zudem einigten sich beide Länder auf diverse Handelsabkommen.

- Janukowitsch stand zusätzlich unter Druck, weil die Wirtschaftsentwicklung seines Landes in seiner Regierungszeit nur eine Richtung kannte: abwärts. Hinzu kamen Korruptionsvorwürfe gegen den Präsidenten.

Krim-Krise alarmiert osteuropäische Länder

Polen

Polen hat sich als Nachbar der Ukraine früh an die Spitze der Initiativen gegen Russland gestellt. Präsident Bronislaw Komorowski forderte wegen des russischen Eingreifens in der Ukraine „Konsultationen gemäß Artikel 4 des Nato-Vertrages“. Dieser regelt das Vorgehen, wenn ein Mitgliedstaat die Unversehrtheit des Nato-Gebiets oder die Sicherheit bedroht sieht. Die Sicherheit Polens sei zwar nicht direkt bedroht, Russland habe aber zweifellos das Völkerrecht gebrochen, sagte Komorowski.

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski verurteilte die „Verletzung der ukrainischen Grenze“: „Weder Polen noch die Welt kann das tolerieren. Denn wir wissen, dass das Raubtier durch das Fressen immer noch mehr Appetit bekommt. Für die freie Welt ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein.“

Tschechien

Die Mitte-Links-Regierung in Prag verurteilte die „schleichende Besetzung“ der Schwarzmeer-Halbinsel Krim als einen Akt der Aggression. Er erinnere an den Sowjet-Einmarsch in Prag 1968. Der russische Botschafter wurde ins Außenamt zitiert, der nationale Sicherheitsrat kam zusammen. Auf EU-Ebene plädiert Tschechien für ein härteres Vorgehen gegen Russland und fordert einen sofortigen Stopp der Verhandlungen über Visa-Erleichterungen. Wirtschaftliche Sanktionen lehnt Ministerpräsident Bohuslav Sobotka indes ab, weil sie beide Seiten treffen würden.

Baltikum

Nach der russischen Aggression in der Ukraine wächst auch die Sorge in den drei kleinen Baltenstaaten Estland, Lettland und Litauen. Unmittelbar nach Beginn der Krim-Krise riefen sie ihre Nationalen Sicherheitsräte ein und verurteilten in scharfer Tonlage das Vorgehen Moskaus. Führende Politiker kritisierten auch die Reaktion der internationalen Gemeinschaft im Ukraine-Konflikt mitunter als „zögerlich“, „zu langsam“ und „feige“.

In allen drei Ländern diskutiert die Öffentlichkeit, inwieweit der Westen tatsächlich bereit wäre einzugreifen, sollte Russland etwa zum Schutz der starken russischen Minderheiten in Estland und Lettland ins Baltikum einmarschieren. Dabei überwiegt die Überzeugung, dass das militärische Machtstreben des Kremls an den Grenzen der drei EU- und Nato-Länder haltmachen würde. „Wir sind bereit, uns selbst zu verteidigen, und wir werden von der Nato geschützt“, sagte Litauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite bei einer Visite auf dem litauischen Militärflugplatz in Zokniai. Dort werden die USA auf gemeinsame Bitte der drei Länder zusätzliche Kampfjets für die Nato-Mission zur Sicherung des baltischen Luftraums stationieren.

Slowakei

Die Slowakei befindet sich als direktes Nachbarland der Ukraine in einer Zwickmühle. Einerseits verurteilte Regierungschef Robert Fico den russischen „Bruch des Völkerrechts“ und betonte mehrfach, sein Land werde alle Maßnahmen der EU gegen Russland mittragen. Auch an einer OSZE-Inspektionsgruppe in der Ukraine beteiligt sich die Slowakei. Andererseits würden Wirtschaftssanktionen auch die Slowakei selbst treffen. Nicht nur wegen ihrer Abhängigkeit von russischen Gasimporten, sondern auch weil der russische Markt für slowakische Firmen - allen voran Volkswagen Slovakia als größter Exporteur – immer wichtiger wird.

Bulgarien

Bulgarien fürchtet wegen des Ukraine-Konflikts um seine Energielieferungen aus Russland. Ein Krisenstab wurde einberufen, um die Risiken zu erörtern. Das EU-Land ist im Energiebereich noch immer fast komplett von Russland abhängig. Die Regierung der Sozialisten wollte wohl deswegen eine Stellungnahme zum Ukraine-Konflikt abwarten und sehen, was der EU-Sondergipfel beschließt. Der bürgerliche Staatschef Rossen Plewneliew verurteilte dagegen die „Anwendung militärischer Gewalt zur Okkupation von fremden Staatsgebieten“. In der Ukraine leben mehr als 200 000 ethnische Bulgaren, die auf den Gebrauch der Muttersprache bestehen.

Vor allem in der Hauptstadt Kiew gingen in den folgenden Wochen regelmäßig zehntausende Menschen auf die Straßen. Janukowitsch reagierte seinerseits mit aller Härte auf die Demonstranten: Per Gesetz schränkte er Demonstrationsrechte und die Pressefreiheit ein, Sicherheitskräfte gingen gewaltsam gegen die Protestierenden vor. Mindestens 100 Menschen kamen ums Leben, mehr als tausend Menschen wurden verletzt. Doch Janukowitschs brachialer Einsatz zahlte sich nicht aus, die Proteste gingen weiter. Am 22.Februar gab Janukowitschs auf und setzte sich nach Russland ab. Das Land wird seither von einer Übergangsregierung regiert, in den kommenden Monaten sollen Neuwahlen stattfinden.  

Kommentare (11)

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14.03.2014, 17:59 Uhr

Ähnlichkeiten Aussenminister Lawrow und Ex-Stasi-Führer Markus Wolf - nur zufällig oder eine Charakterfrage ??

http://bilder.bild.de/fotos-skaliert/neu-kerry-lawrow_37525332_mbqf-1394800931-35071190/3,w=985,c=0.bild.jpg

Vergleich mit

http://www.lr-online.de/nachrichten/Tagesthemen-Vom-Mann-ohne-Gesicht-zum-geschickten-Selbstdarsteller;art1065,75199

Ich denke mal Herr Lawrow hat auch enge Beziehungen zum (ex)-KGB, wo ja bekanntlich auch Putin zuzuordnen ist.

Also Brüder im geiste auf jeden Fall.

Account gelöscht!

14.03.2014, 18:11 Uhr

Ich hoffe der Ukraine bleibt eine Aufspaltung durch die "EU in Brüssel" und Russland auf der anderen Seiter erspart. Man hat ja das Beispiel Polens, wo Hitler und Stalin einen Vertrag schlossen, wie sie das Land "aufteilten", ich denke sowas sollte sich nicht wiederholen.

Dass Frau Merkel bereit ist mit Hilfe von Extremisten eine Regierung stürzen zu lassen im Auftrage von Expansionsplänen der "EU in Brüssel" finde ich zutiefst beschämend. Abscheulich sogar. Staaten fressende EU.

Account gelöscht!

14.03.2014, 18:11 Uhr

Ein entscheidender Punkt wird hier unterschwellig in der bisherigen Kalten-Kriegs-propaganda unterstellt, nämlich daß der Terror auf dem Maidan vom Ex-präsidenten verursacht worden wäre. Mittlerweile im Internet aufgetauchte Videodokumentationen legen aber das genaue Gegenteil nahe. Eine extrem defensive Polizei, die von Marodeuren tagelang mit Steinen und Molotowcocktails attackiert wird, verprügelt, sogar mit einem Bulldozer attackiert, wobei die Propaganda das gegenteil behauptet hat, daß nämlich die Polizei diesen gegen die Demonstranten eingesetzt hätte.
Die Todesschüsse durch Scharfschützen schliesslich, denen sowohl dutzende Demonstranten zum Opfer gefallen sind wie auch Polizisten kamen mit einiger Wahrscheinlichkeit aus einem von der damaligen Opposition, heute Regierung, kontrollierten Gebäude.
Die russischstämmigen Menschen auf der Krim haben also allen anlass zur Sorge und Angst vor Mörderbanden. Die 20.000 Mann russische Soldaten wurden mittlerweile auch vom US-aussenminister so beziffert, allerdings mit dem Hinweis, daß Rußland laut Vertrag das REcht zu bis zu 25.000 Mann in der Ukraine zusteht. Militärische Aggresion und Okkupation sieht anders aus.
Die dokumentation http://www.youtube.com/watch?v=_EOyz8yS5cc

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