Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2013

15:25 Uhr

Wertverfall

Syrien reagiert auf Währungsabsturz

Das syrische Pfund hat seit Beginn des Bürgerkriegs mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Um diesen Wertverfall zu stoppen, hat Zentralbankchef Adib Majaleh verkündet einen Teil der Devisenreserven auszugeben.

Das syrische Pfund hat seit 2011 mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Schuld hat der Bürgerkrieg. obs

Das syrische Pfund hat seit 2011 mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Schuld hat der Bürgerkrieg.

BeirutSyrien will den dramatischen Wertverfall seiner Währung durch den Bürgerkrieg stoppen. Zentralbankchef Adib Majaleh verkündete am Donnerstag, hierzu in der kommenden Woche syrische Pfund zu kaufen - dabei muss er einen Teil der vermutlich bereits stark geschrumpften Devisenreserven des Landes ausgeben. Das syrische Pfund hat seit Beginn des Aufstands gegen die Regierung im Jahr 2011 bereits mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt.

Zuletzt waren am Finanzmarkt wegen der offenbar knappen Devisenreserven Syriens Zweifel an der Fähigkeit des Landes aufgekommen, das Pfund durch Devisenverkäufe an Banken zu stützen. Die Regierung ist in der Vergangenheit bereits mehrfach eingesprungen, um die Währung zu stützen. Experten gehen davon aus, dass sich die Devisenreserven von 17 Milliarden Dollar zu Beginn des Aufstands auf nunmehr rund vier Milliarden Dollar verringert haben. Das würde heißen, dass das Land seine Währung nicht unbegrenzt stützen kann.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

15. März 2011:

Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

18. März:

Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

23. Juni:

Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

31. Juli:

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

3. August:

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

2. Oktober:

Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

22. Dezember:

Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

23. Dezember:

In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

4. Februar 2012:

Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

13. Februar:

Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

25. Februar:

In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

25. Mai:

Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

13. Juli:

Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

18. Juli:

Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

2. August:

UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

16. August:

Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

24. Oktober:

Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

11. November:

Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

6. Januar 2013:

Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

28. Januar:

Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

21. Februar:

In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

28. Februar:

Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

3. März:

Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

5. März:

Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

9. März:

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

Ein weiterer Wertverfall des Pfundes dürfte die Inflation in Syrien weiter anheizen. Die Preise für Lebensmittel und Benzin sind in dem kriegsgebeutelten Land bereits kräftig gestiegen. Nach Schätzung der Vereinten Nationen (UN) wurden bislang 70.000 Menschen in dem Konflikt getötet.

Von

rtr

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

observer

04.04.2013, 15:44 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte verwenden Sie keine Zitate ohne Quellenangabe.

RumpelstilzchenA

04.04.2013, 17:17 Uhr

..entsprechendes gilt auch für Nordkorea!

AfD_waehler

04.04.2013, 17:34 Uhr

Wenn der Bericht stimmt, so sind das gute Nachrichten: Assads Regime stützt sich nur noch darauf, dass es seine Söldner, Folterknechte und Gestapo bezahlen kann.
Geht ihm das Geld aus, werden die Ratten das sinkend Schiff verlassen und Assad endet kurze Zeit später, wie Diktatoren eben so enden: entweder mit einigen geraubten Millionen im Exil oder seitens der Revolutionäre exekutiert..

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×