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21.03.2011

11:45 Uhr

Westen attackiert Gaddafi

Rätselraten um die richtige Libyen-Strategie

Der Westen bombardiert Gaddafis Truppen. Doch die Nato ist zerstritten und der Diktator gibt nicht auf. Steht Libyen vor einem langen Bürgerkrieg? Schickt der Westen Bodentruppen? Drei Szenarien im Überblick.

Ein Rebell steht vor den Überresten eines ausgebrannten Panzers der Gaddafi-Truppen. Quelle: dpa

Ein Rebell steht vor den Überresten eines ausgebrannten Panzers der Gaddafi-Truppen.

Brüssel/TripolisDie USA und Großbritannien feuern ihre Marschflugkörper auf Gaddafis Truppen ab. Frankreich bombardiert die Panzer des libyschen Diktators mit seinen Rafale- und Mirage-Kampfflugzeugen. Auch Belgien und Dänemark bieten ihre Jagdflieger an, um den Vormarsch der Gaddafi-loyalen Einheiten auf die Rebellenhochburg Bengasi zu stoppen. Doch die Nato, das westliche Verteidigungsbündnis, ist auch zwei Tage nach Beginn der Militäraktion gegen Libyen tief gespalten.

Unklar ist, welche Strategie die westlichen Staaten verfolgen. Reicht es tatsächlich aus, Luftangriffe gegen Gaddafis Einheiten zu fliegen, um die die Aufständischen zu schützen? Oder ist das eigentliche Ziel der Operation der Sturz Gaddafis, auch wenn das Uno-Mandat dies nicht vorsieht? Der Beschuss der Residenz von Gaddafi in Tripolis nährt diese Vermutung. Dann aber dürfte der Einsatz von Bodentruppen alternativlos sein, obwohl der Westen dem Gaddafi-Regime im Luftkrieg haushoch überlegen ist.

Auf diplomatischem Parkett deutet sich für die Allianz ein weiterer Erfolg an: Mit Katar hat sich offenbar das erste arabische Land entschieden, am Kampf gegen Libyens Diktator teilzunehmen. Das Emirat am Golf will eigene Flugzeuge einsetzen.

In Brüssel ringen derweil die Botschafter der 28 Nato-Staaten um eine Einigung.  Ziel ist es, ein Mandat für die Überwachung der vom Uno-Sicherheitsrat genehmigten Flugverbotszone gegen Libyen zu erreichen. Doch die Militärallianz ist zerstritten wie selten. Vor allem die Türkei blockiert. Auch Nato-Mitglied Bulgarien hat den Militäreinsatz der internationalen Streitmacht scharf kritisiert.

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Szenario 1: Die Soldaten des Diktators legen die Waffen nieder

Die Feuerkraft des westlichen Militärbündnisses stoppt die regimetreuen Anhänger von Muammar el Gaddafi nicht nur auf ihrem Eroberungszug gegen die Rebellen. Die Intervention der westlichen Mächte löst auch ihren Zerfall aus. Das ist der ideale Verlauf der Militäroperation. Die Soldaten des Revolutionsführers legen ihre Waffen in ähnlicher Weise nieder, wie dies im März 2003 die Armee Saddam Husseins im Irak getan hatte. Als vor acht Jahren die "Koalition der Willigen", angeführt von den USA, an Euphrat und Tigris zunächst auf- und dann einmarschierte, zogen die irakischen Soldaten ihre Uniformen aus und gingen nach Hause - weil sie nicht mehr an das politische Überleben des Diktators glaubten.

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In Libyen müssen dafür nicht einmal Bodentruppen eingesetzt werden, sondern es reicht die Stärke der Waffen aus der Luft und zur See. Gaddafis Stern sinkt rasant schnell, die Rebellen ziehen in Tripolis ein und übernehmen die Macht. Die Opposition, die bisher nur vereint war durch das Ziel, den libyschen Diktator zu stürzen, zerstreitet sich nicht, sondern rauft sich zu einem gemeinsamen Neubeginn zusammen. Nach Jahrzehnten einer harschen Diktatur orientiert sich Libyen an den Vorbildern der Nachbarn Ägypten und Tunesien und nimmt Kurs auf eine Demokratie.

Dabei bekommen die neuen, politisch noch weitgehend unerfahrenen Gaddafi-Gegner in Tripolis massive Unterstützung: nicht vom Westen, sondern von ihren arabischen Freunden. Die Arabische Liga erweist sich endlich einmal nicht nur als Debattierclub, sondern als handlungsfähige Gruppe. Libyen gibt sich eine Gesellschaftsordnung, in der radikale Islamisten wie El Kaida keinen Platz haben. Eine gerechte Formel zur Verteilung der Öleinnahmen unter den verschiedenen Stämmen verhindert einen Machtkampf. Und das Öl fließt wieder ungehindert auf die Weltmärkte.

Kommentare (6)

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Prenden

21.03.2011, 13:06 Uhr

Die Ziele der Resolution sind doch erfüllt und es gibt de facto eine Flugverbortszone! Das war das Ziel dieser Resolution. Was sollen denn die Angriffe auf andere Ziele. Meiner Meinung nach soll erstmal wild drauf losgebombt werden und Libyen zu Reaktionen gezwungen werden, welchen dann, garantiert schon vorbereiteten, nächsten Angriffen folgen werden. Wenn die westlichen Waffenbrüder auch bei anderen Konflikten auf dieser Welt so schnell oder schnell gewesen wären, würde es viele Mneschen auf der Welt auch überzeugen das dort das richtige getan wird, aber so.. Tut mir leid, hier geht es nicht um Menschlichkeit, sondern um Ziele die auch Köhler scvhon so schön formuliert hatte. Und wir Deutsche dürfen sicher sein das auch wir einen nicht unerheblichen finanziellen und moralischen Beitrag leisten werden, ob wir wollen oder nicht. Selbst die SPD ist in schönster Kosovo-Manier dabei uns diesen Krieg moralisch zu verkaufen. "Kein Krieg für Öl!"

reallynoregrets

21.03.2011, 13:46 Uhr

Die Operation "Odyssey Dawn" macht bereits heute – zwei Tage nach Beginn der Aktion – ihrem Namen alle "Ehre". Es zeichnet sich schon jetzt der Beginn einer langen Irrfahrt ab. Sie wird einmal als Tiefpunkt westlicher, aber besonders der französischen Politik in die Geschichte eingehen.

Account gelöscht!

21.03.2011, 14:24 Uhr

So kennen wir den Westen,
jetzt wird es eine Hetzjagd auf eine Familie, von der sie nun sicher sein können kein Tropfen Öl mehr zu bekommen.
Jetzt müssen sie auf Gedeih und Verderb auch alle Menschen um diese Familie herum umbringen.

Weiter so, zeigt der Welt endlich euer wahres Gesicht,
als ob es vorher keiner kannte.

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