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30.03.2011

20:27 Uhr

Westliche Hilfe verpufft

Gaddafi holt zum Gegenschlag aus

Das militärische Eingreifen des Westens in die Libyen-Krise verpufft. Während die Nato über eine Bewaffnung der Rebellen streitet, nutzen Gaddafis Truppen ihre überlegene Feuerkraft und holen zum Gegenschlag aus.

Ein Gaddafi-Unterstützer. Quelle: dpa

Ein Gaddafi-Unterstützer.

TripolisIm Machtkampf mit Libyens Staatschef Muammar Gaddafi geraten die Rebellen zusehends in die Defensive. Truppen Gaddafis eroberten in rascher Folge die Orte Naufalija, Bin Dschawad und Ras Lanuf entlang der Küste zurück, nachdem der zunächst rasante Vorstoß der Aufständischen vor der strategisch und symbolisch wichtigen Stadt Sirte zu Wochenbeginn gestoppt worden war. Hinweise darauf, dass die Luftwaffe westlicher Staaten in größerem Umfang in die Kämpfe eingriff, gab es am Mittwoch zunächst nicht. Unter dem Eindruck der Unterlegenheit der Aufständischen mehrten sich die Rufe nach einer Bewaffnung der Rebellen. Dies ist jedoch in der Staatengemeinschaft umstritten.

Die Rebellen zogen sich aus Ras Lanuf zurück, nachdem Gaddafi-Truppen die Hafenstadt mit Ölverladestation mit Artillerie und Raketenwerfern unter Beschuss nahmen. Auch in Naufalija und Bin Dschawad wichen die Aufständischen der überlegenen Feuerkraft der libyschen Armee. „Dies sind unsere Waffen“, sagte Mohammed, ein Kämpfer der Rebellen und zeigte auf sein Sturmgewehr. „Damit können wir keine Raketen bekämpfen.“ In zum Teil rasendem Tempo zogen sich die Rebellen in Richtung Brega zurück. Dort waren später Kämpfe im Gange. Ein Sprecher der Rebellen kündigte den Rückzug nach Adschabijah an, wo eine neue Verteidigungslinie gebildet werden solle. Der Sprecher wiederholte die Forderung nach schweren Waffen und Unterstützung aus der Luft.

Damit verloren die Rebellen einen guten Teil bereits gewonnenen Terrains. Sie hatten sich auf ihren Vorstößen nach Westen Sirte genähert. Die Eroberung der Geburtsstadt Gaddafis wäre ein großer symbolischer Sieg gewesen und zudem von erheblicher strategischer Bedeutung. Brega, wo sich die Rebellen wieder sammelten, liegt 150 Kilometer weiter östlich.

Kampfflugzeuge westlicher Staaten waren am Mittwoch über dem Kampfgebiet, flogen aber nach Erkenntnissen von Beobachtern keine größeren Angriffe.

Die Soldaten Gaddafis spielten nicht nur ihre bessere Ausrüstung aus, sondern auch ihre größere militärische Disziplin. Außerhalb von Sirte legten sie einen Hinterhalt und umgingen die Rebellen mit einem Flankenangriff aus der Wüste.

Kommentare (3)

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30.03.2011, 20:52 Uhr

Jetzt wird Alles nur noch viel schlimmer. Wenn die Führenden der Welt wirklich gewollt hätten, dass hier schleunigst eine Einigung zwischen den Parteien ausgehandelt werden sollte, dann wäre schon Ruhe.
Aber da es hier ja wie immer um die Rohstoffe geht und nicht um die Menschen, muss wieder mächtig Militär aufgeboten werden. Mit den Steuergeldern der Bürger der Kriegführenden Staaten, die dieses Mal auch wieder nicht gefragt wurden. Spielt die Völkergemeinschaft denn nur noch verrückt? Gab es nicht schon genug Beispiele, dass Krieg zu nichts führt außer zu einem quer angeschlagenen Volk?

Leopold

30.03.2011, 20:57 Uhr

Gadaffi lässt weite Wege gehen, die die Logistik und ggf Infrastruktur Möglichkeiten aushöhlen. Entweder die Unterstützer gehen selbst infanteristisch vor,oder die Rebellen werden locker abgenutzt. Wo soll die Kenntnis neben der temporären Begeisterung auch herkommen.

piusbrother

30.03.2011, 23:08 Uhr

Lob an unseren Aussenminister. Das war der erste Schritt zu einer nationalen Emanzipation Deutschlands.

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