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26.02.2017

15:32 Uhr

Westmossul

Irakische Armee erobert erstes Wohnviertel

750.000 Zivilisten sollen sich im Westen Mossuls aufhalten. Um sie nicht zu gefährden, muss die irakische Armee langsam gegen den IS vorrücken. Nun eroberten die Streitkräfte das erste Viertel westlich vom Tigris.

Irak

Zivilisten fliehen aus Kampfgebieten in Mossul

Irak: Zivilisten fliehen aus Kampfgebieten in Mossul

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MossulIrakische Streitkräfte haben der Terrormiliz IS eigenen Angaben zufolge ein erstes Wohnviertel im Westen ihrer Hochburg Mossul entrissen. Der Bezirk Al-Mamun im Südwesten der Stadt sei vollständig befreit und die irakische Flagge auf den Gebäuden gehisst worden, sagte Kommandeur Abdul Amir Raschid am Sonntag in einer Stellungnahme. Weitere Details nannte er nicht.

Kämpfe meldete die Armee auch aus dem Wohnviertel Wadi Hadschar. Die Gegenwehr der Dschihadisten dort sei heftig, hieß es. Bereits am Donnerstag hatten die Kräfte die Rückeroberung des Flughafens der ehemaligen Millionenmetropole verkündet.

Die schwersten Niederlagen des IS seit Anfang 2015

Kobane

Nach einer Reihe von Siegen erleidet die IS-Miliz im kurdischen Kobane am 26. Januar 2015 ihre erste, große Niederlage. Kurdische Kämpfer vertreiben die Dschihadisten – unterstützt durch US-Luftangriffe – aus der Stadt in der Nähe der Grenze zur Türkei. Vier Monate erbitterter Kämpfe waren dem Sieg vorausgegangen.

Tikrit

Die Heimatstadt des einstigen irakischen Machthabers Saddam Hussein wird am 31. März 2015 von irakischen Regierungstruppen und schiitischen Milizen zurückerobert. Die Militäroperation in Tikrit, damals der größte Einsatz irakischer Soldaten gegen die IS-Miliz, wird dadurch einfacher, dass die meisten der 200.000 Einwohner aus der Stadt geflüchtet sind.

Sindschar

Kurdische Einheiten im Irak vertreiben die IS-Kämpfer am 13. November 2015 aus der Stadt Sindschar nordwestlich von Bagdad. Damit wird auch ein entscheidender Nachschubweg für die Dschihadisten zwischen ihren Stellungen in Syrien und im Irak unterbrochen. Die IS-Miliz hatte Sindschar im August 2014 erobert und war danach brutal gegen die kurdischen Jesiden in der Region vorgegangen. Massaker, Vergewaltigungen und Versklavungen von jesidischen Frauen lösten weltweit Entsetzen aus.

Ramadi

Irakische Truppen erobern am 8. Dezember 2015 wichtige Bereiche der sunnitischen Stadt Ramadi im Irak. Zwei Wochen später, unterstützt von US-Luftangriffen, erreichen die Regierungseinheiten das Zentrum der Hauptstadt der Provinz Anbar, die seit Mai von der IS-Miliz besetzt war.

Palmyra

Syrische Regierungstruppen unterstützt durch russische Luftangriffe nehmen am 27. März 2016 die antike Wüstenstadt Palmyra wieder vollständig ein. Damit bereiten sie der IS-Miliz in Syrien ihre bis dahin schwerste Niederlage. Mit Palmyra geht den Dschihadisten de facto auch die syrische Wüste bis zur Grenze zum Irak verloren. Der IS hatte Palmyra im Mai 2015 erobert und danach mehrere antike Tempel, den prachtvollen Triumphbogen und Grabmäler zerstört, die von der Uno-Kulturorganisation Unesco als Weltkulturerbe geführt wurden.

Irakische Regierungskräfte hatten im Oktober mit der Offensive auf Mossul begonnen. Ende Januar konnten sie den Ostteil der Stadt komplett einnehmen. Mossul ist die letzte große Hochburg des IS im Irak. Sollte die Terrormiliz die Großstadt verlieren, wäre sie militärisch in dem Land weitgehend besiegt.

Die Befreiung Westmossuls wird als deutlich schwieriger eingeschätzt als die Eroberung des Ostteils der Stadt. Es halten sich dort viele Zivilisten auf; zudem ist das Gebiet teilweise eng bebaut. Dies macht eine Einnahme schwierig, weil der IS sich besser verschanzen und Sprengfallen aufstellen kann.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass in den Vierteln westlich des Flusses Tigris etwa 750 000 Unbeteiligte leben, darunter viele Kinder. Berichten zufolge wurden Zivilisten in der Vergangenheit als menschliche Schutzschilde benutzt. Die Schlacht um Mossul könnte noch Wochen und Monate andauern.

Von

dpa

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