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06.11.2012

18:08 Uhr

Wetten zum Wahlausgang

Irischer Buchmacher erklärt Obama zum Sieger

Wetten auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl sind in den USA verboten. Im Internet gibt es dennoch einen klaren Favoriten – und selbstbewusste Wettanbieter. Eine irische Firma zahlt die Obama-Anhänger schon jetzt aus.

US-Präsident Barack Obama. AFP

US-Präsident Barack Obama.

San Francisco/HamburgSelbst im US-Wettbüro-Mekka Nevada ist nicht alles möglich: Wetten auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl sind gesetzlich verboten. Wer trotzdem auf den Sieg von Amtsinhaber Barack Obama oder den seines republikanischen Herausforderers Mitt Romney setzen will, muss ins Internet ausweichen. Marketing-Manager John W. hat 100 Dollar auf Obama gesetzt. Seinen vollen Namen möchte er nicht veröffentlicht sehen, da er mit seiner Wette eigentlich das Gesetz bricht.

Und viel Gewinn wird er auch nicht einstreichen, egal wie die Wahl ausgeht: Die meisten Online-Wettbüros geben für einen Obama-Sieg eine Quote von gerade mal 1:4. Vier Dollar Einsatz bringen also nur einen Bonus von einem weiteren Dollar

Romneys Quote liegt bei 11:4, ist also schon lukrativer: Vier Dollar Einsatz bringen im Falle eines Romney-Triumphs einen Gewinn von elf Dollar. Dazu gibt es den Einsatz zurück. John W. hat sich trotz der miesen Quote für Obama entschieden.

Live dabei: Der Wahltag auf Twitter

Live dabei

Der Wahltag auf Twitter

Ab 22.30 Uhr berichten Georg Watzlawek, Nils Rüdel und Astrid Dörner im Liveblog aus Chicago, Boston und Washington. Auf twitter sind sie schon jetzt aktiv und schreiben die neuesten Hintergründe vom Wahltag.

„Ich wette gerne auf Sportergebnisse und treffe meist ganz gut, weil ich Statistiken und Trends studiere und meine Emotionen außen vor lasse“, erklärt er. Genauso sei er bei seiner Wahl-Wette vorgegangen. „Ich bin mir sicher, dass Obama siegen wird, weil er in den stark umkämpften Staaten seinen Vorsprung hat halten können. Das ist für mich leicht verdientes Geld.“

Falls W. beim irischen Anbieter „Paddy Power“ gehört er schon jetzt zu den Gewinnern. Der Buchmacher hat in seinem Firmenblog angekündigt, die bereits getätigten Wetten auf Obama schon jetzt auszuzahlen – immerhin rund 400.000 Pfund. Sollte Romney gewinnen, müsste der Anbieter zusätzlich auch alle anderen Kunden, die auf Romney gesetzt haben, auszahlen. Zur Begründung schrieb ein Firmensprecher: „Romney wird eher für seine Patzer im Wahlkampf als sein Potential als Präsident in die Geschichte eingehen. Amerika setzt auf schwarz und cool.“

Romneys Top-Spender

Platz 1

Goldman Sachs: 0,99 Millionen US-Dollar

Platz 2

Bank of America: 0,92 Millionen US-Dollar

Platz 3

Morgan Stanley: 0,83 Millionen US-Dollar

Platz 4

JP Morgan Chase & Co.: 0,79 Millionen US-Dollar

Platz 5

Credit Suisse: 0,62 Millionen US-Dollar

Andere Amerikaner wetten mit Freunden und Bekannten, was natürlich nicht verboten ist. Obama-Berater David Axelrod riskiert dabei seinen Oberlippenbart, den er seit 40 Jahren trägt. Er versprach dem konservativen Nachrichtenmoderator Joe Scarborough, sich vor laufender Kamera in dessen Sendung „Morning Joe“ zu rasieren, sollte Obama die Staaten Michigan, Minnesota oder Pennsylvania verlieren. TV-Mann Scarborough hingegen will sich einen Schnäuzer wachsen lassen, falls Obama in Florida oder North Carolina siegt.

Überhaupt scheint Scarborough ein beliebter Wettgegner zu sein. „New York Times“-Wahlforscher Nate Silver hat dem Moderator seine Wette auf dem Kurznachrichtendienst Twitter angetragen: Gewinnt Romney, will Silver 1000 Dollar an das Rote Kreuz spenden - bei einem Obama-Sieg soll Scarborough zahlen. Silver hat die Trends in den einzelnen Staaten genau untersucht und schätzt die Wahrscheinlichkeit für einen Triumph Obamas auf 79 Prozent.

Obamas Top-Spender

Platz 1

University of California: 1,08 Millionen US-Dollar

Platz 2

Microsoft: 0,76 Millionen US-Dollar

Platz 3

Google: 0,74 Millionen US-Dollar

Platz 4

US-Regierung: 0,62 Millionen US-Dollar

Platz 5

Harvard University: 0,60 Millionen US-Dollar

Die Online-Wettbüros könnten der Wahrheit näher kommen als viele Umfragen. Leighton Vaughan Williams von der Nottingham Business School in Großbritannien hält Zocker für verlässlichere Wahlpropheten als die Teilnehmer an Wahlumfragen. Für die gebe es nämlich keinerlei Anreiz, den Fragestellern die Wahrheit über ihre Wahlabsichten zu sagen, erklärt der Politikwissenschaftler. Wer jedoch im Wettbüro sein Geld riskiert, trifft wohl gut abgewägte Entscheidungen, die alle vorhandenen Informationen mit einbeziehen.

Williams schätzt, dass die Wetter insgesamt rund 100 Millionen Dollar auf das US-Wahlergebnis setzen werden. Auch erwartet er einen noch klareren Sieg für Obama als die meisten Wettbüros. Dennoch rät er zur Vorsicht: „Umfragen entscheiden nämlich keine Wahlen, und die Wettmärkte tun es auch nicht“, schreibt er in seinem Blog. Einzig die Wähler entschieden, wer Präsident wird - und damit sei bis zum letzten Moment alles möglich.


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