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29.01.2014

19:09 Uhr

Whistleblower

US-Geheimdienste sehen höhere Terrorgefahr durch Snowden

Hat Edward Snowden mit seinen NSA-Enthüllungen die Gefahr eines Terroranschlages in den USA vergrößert? Terroristen hätten ihr Kommunikationsverhalten bereits geändert, klagt der Geheimdienstdirektor der USA.

Edward Snowden, hier ein Bild von Wikileaks: Weil der flüchtige Computerspezialist zahlreiche vertrauliche Dokumente an die Medien gegeben habe, sei „die Nation weniger geschützt und ihr Volk weniger sicher“, sagte der Geheimdienstdirektor James Clapper am Mittwoch. dpa

Edward Snowden, hier ein Bild von Wikileaks: Weil der flüchtige Computerspezialist zahlreiche vertrauliche Dokumente an die Medien gegeben habe, sei „die Nation weniger geschützt und ihr Volk weniger sicher“, sagte der Geheimdienstdirektor James Clapper am Mittwoch.

Washington/OsloUS-Geheimdienstchefs haben den NSA-Enthüller Edward Snowden (30) für eine Zunahme der Terrorgefahr in den USA verantwortlich gemacht. Weil der flüchtige Computerspezialist zahlreiche vertrauliche Dokumente an die Medien gegeben habe, sei „die Nation weniger geschützt und ihr Volk weniger sicher“, sagte der Geheimdienstdirektor James Clapper am Mittwoch bei einer Anhörung im Senat in Washington. Es sei ein „tiefgreifender Schaden“ entstanden.

Terroristen hätten die Enthüllungen aufmerksam studiert und ihr Kommunikationsverhalten daraufhin bereits verändert, erklärte Clapper. Das habe die Arbeit der Spionagebehörden „viel, viel härter“ gemacht. Der Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA, John Brennan, sagte in der Anhörung, es sei nun schwieriger, Terrorverdächtige zu finden und gegen die Bedrohungen vorzugehen. Clapper forderte Snowden auf, wenigstens den Rest der brisanten Dokumente an die USA zurückzugeben. Nach Snowdens Angaben wurde bislang nur ein Bruchteil der entwendeten Dokumente geprüft und veröffentlicht.

Wo die NSA im Ausland spioniert hat

Frankreich

Für Empörung sorgt diese Woche ein Bericht der französischen Tageszeitung „Le Monde“, wonach die NSA allein innerhalb eines Monats – zwischen dem 10. Dezember 2012 und dem 8. Januar 2013 – 70,3 Millionen Telefonverbindungen in Frankreich überwachte. Bereits Anfang Juli hatte der britische „Guardian“ berichtet, der Geheimdienst habe unter anderem Frankreichs diplomatischen Vertretungen in Washington und bei den Vereinten Nationen in New York ausgespäht. Im September berichtete der „Spiegel“ auch von Spähangriffen gegen das französische Außenministerium in Paris.

USA

Die „Washington Post“ und der „Guardian“ berichten Anfang Juni, die NSA und die US-Bundespolizei FBI würden auf Serverdaten der großen Internetkonzerne wie Yahoo, Facebook, Google und Microsoft zugreifen. Der Name des geheimen Überwachungsprogramms: Prism.

Großbritannien

Der „Guardian“ berichtet Mitte Juni unter Berufung auf die Snowden-Dokumente, der britische Geheimdienst habe vor vier Jahren Delegierte von zwei in London stattfindenden G-20-Treffen ausgespäht. Ziele waren demnach die Delegationen Südafrikas und der Türkei. Die NSA soll bei der Gelegenheit versucht haben, ein Satelliten-Telefongespräch des damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew nach Moskau abzuhören.

EU und Uno

In seiner Ausgabe vom 1. Juli berichtet der „Spiegel“, die NSA habe in EU-Vertretungen in Washington, New York und Brüssel unter anderem Wanzen installiert. Auch sollen interne Computernetzwerke infiltriert worden sein. Ende August berichtet der „Spiegel“, die NSA habe auch die Zentrale der Vereinten Nationen in New York ausspioniert. Dem Geheimdienst gelang es demnach, in die interne Videokonferenzanlage der Uno einzudringen.

Brasilien

Der brasilianische Sender „Globo“ berichtet Anfang September, die NSA habe Telefonate und Internetkommunikation von Staatschefin Dilma Rousseff und ihren Mitarbeitern überwacht. Auch Unternehmen wie der Ölkonzern Petrobras und Millionen brasilianischer Bürger sollen ausgespäht worden sein. Verärgert verschiebt Rousseff einen für Oktober geplanten Staatsbesuch in den USA auf unbestimmte Zeit.

Mexiko

Der „Spiegel“ berichtet diese Woche, schon 2010 sei es einer NSA-Spezialabteilung gelungen, in das E-Mail-Konto des damaligen mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón einzudringen. Calderóns Nachfolger Enrique Peña Nieto forderte Anfang September Erklärungen von den USA, nachdem Globo berichtet hatte, die NSA habe ihn während des Wahlkampfs 2012 ausgespäht.

China

In einem Interview mit der Zeitung „South China Morning Post“ aus Hongkong gibt Snowden an, die NSA hätten chinesische Mobilfunk-Konzerne gehackt und Millionen von SMS ausgespäht. Demnach verübte die NSA auch Cyber-Attacken auf die Tsinghua-Universität in Peking. Dort sind sechs zentrale Netzwerk-Schaltstellen untergebracht, über die Chinas gesamter Internetverkehr läuft.

Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Snowden hatte mit den Enthüllungen tausender interner Dokumente öffentlich gemacht, wie die NSA weltweit Telefonate abhört, E-Mails mitliest und Regierungschefs ausspäht. Unter den Betroffenen ist demnach auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Derzeit hält sich Snowden in Russland auf, wo er bis zum Sommer Asyl hat. Eine Rückkehr in sein Heimatland USA schließt er nach eigener Aussage derzeit aus. US-Justizminister Eric Holder hatte jüngst einen Gnadenerlass für ihn abgelehnt, sich aber für Gespräche offen gezeigt.

Snwoden wurde am Mittwoch für den Friedensnobelpreis nominiert. Zwei norwegische Abgeordnete der Sozialistischen Linkspartei (SV) schlugen ihn offiziell vor. „Die öffentliche Debatte und die politischen Veränderungen, die auf seine Enthüllungen folgten, haben zu einer stabileren und friedlicheren Weltordnung beigetragen“, hieß es zur Begründung. Der Preis wird jedes Jahr am 10. Dezember in der norwegischen Hauptstadt Oslo verliehen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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touspourun

29.01.2014, 20:43 Uhr

Ich sehe höhere Terrorgefahr durch die wahren Terroristen und das sind:
a. die US Banken und die FED mit Ihren finanziellen Massenvernichtungswaffen.
b. das US Militär und sein europäischer Ableger namens NATO
c. derjenige der Drohnenangriffe anordnet die gegen internationales Recht verstoßen
d. Die unheilvolle USA/Israel Allianz die früher oder später einen Krieg mit dem Iran herbeiführen wird
e. Der Apartheid Staat Israel und seine Siedlungspolitik die Hass und Vergeltung schüren
g. Die kranken Geister in Washington die Ihr Land als das "berufene" Land über alle andere (außer Israel) setzen und in diesem Glauben die tödlichsten Konflikten der letzten Dekade geführt haben (Irak, Afghanistan und Libyen) im Namen der Terrorbekämpfung auf Basis von konstruierten Lügen.

Eine solche Absurde Nachricht gäbe es wahrscheinlich nicht, wenn Bush, Blair, Cheney, Rice und Co vor einem internationalen Gericht wegen Kriegsverbrechen verurteilt wären.

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