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19.02.2012

16:36 Uhr

Wie die Wirtschaft funktioniert

Braucht die EZB bald neues Kapital vom Steuerzahler?

VonNorbert Häring

Die Bürger fürchten, dass die EZB wegen ihrer Bilanzrisiken Milliardenhilfe vom Steuerzahler benötigt. Doch was normalerweise das Euro-System pleite gehen ließe, gilt nicht für die Notenbanken.

Die Europäische Zentralbank schafft sich selbst Geld, mit dem sie ihre Rechnungen bezahlt. dpa

Die Europäische Zentralbank schafft sich selbst Geld, mit dem sie ihre Rechnungen bezahlt.

FrankfurtBei ihren Rettungsaktionen hat sich die Europäische Zentralbank (EZB) Bilanzrisiken aufgeladen, die viele Bürger schaudern lassen. Sie fürchten, dass die Notenbank im Falle einer Staatspleite hohe Verluste erleidet und Milliardenhilfen vom Steuerzahler benötigt, oder wie der Fachmann sagt: rekapitalisiert werden muss. Das Euro-System, also die EZB-Zentrale in Frankfurt und die 17 nationalen Notenbanken des Euro-Raums, hat für weit über 200 Milliarden Euro Staatsanleihen von Krisenländern gekauft. Zudem hat das System Forderungen an Banken von über 800 Milliarden Euro.

Wenn Griechenland sich für bankrott erklären und den Euro verlassen würde, und dann vielleicht auch noch Portugal und Spanien, wäre das Euro-System nach normalen Maßstäben pleite. Allerdings gelten für Notenbanken keine normalen Maßstäbe, weil sie das Geld selbst schaffen, mit dem sie ihre Rechnungen bezahlen.

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt. Pablo Castagnola

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt.

Man kann sich eine Notenbankbilanz vorstellen, wie zu Zeiten der Goldwährung die Bilanz eines Alchemisten, der tatsächlich Gold aus Sand erschaffen kann. Angenommen, er verleiht dieses Gold, gegen Zinsen an Banken. Eine große Bank geht bankrott, die Goldforderung an diese Bank ist abzuschreiben. Ist der Alchemist dann pleite und braucht neues Eigenkapital? Nein. Er kann weiterhin mit dem Gold, das er schafft, all seine Rechnungen bezahlen.

Bei den Notenbanken sieht man das nicht so leicht, weil sie durch alle möglichen erfundenen Bilanzpositionen auf der Passivseite so tun, als stünden dem geschaffenen Geld Verbindlichkeiten gegenüber. Das senkt den auszuweisenden Gewinn. Nehmen wir an, unser Alchemist habe einen herrischen Meister, dem er seinen ganzen Gewinn abliefern muss. Deshalb schafft er für jede Goldforderung an seine Bankenkunden eine Gegenbuchung auf der Passivseite der Bilanz, die er zum Beispiel „Goldumlauf“ nennt (im Euro-System heißt sie Bargeldumlauf). Dann muss er nur noch die Zinseinnahmen als Gewinn buchen, nicht mehr die Zunahme seiner Goldbestände. Geht eine Bank pleite, ist die Forderung an diese abzuschreiben. Sie wird das Gold am Ende der Leihfrist nicht zurückgeben

Das Gold ist aber weiter im Umlauf. Was macht der Alchemist? Er erfindet eine Buchung auf der Aktivseite, um die Bilanz auszugleichen. Die nennt er zum Beispiel „Verlustvortrag“. Die Bilanz ist ausgeglichen. Seine Rechnungen kann er weiter bezahlen. Wenn sein Meister alt und dement genug geworden ist, kann er ihn natürlich auch zu einer „Rekapitalisierung“ auffordern, und sich so den früher ausgeschütteten Gewinn zurückholen. Er muss es aber nicht.


Kommentare (21)

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debrasseur

19.02.2012, 16:49 Uhr

Das Symbol der EZB in Frankfurt scheint es zu sagen, weißt du wieviel güld'ne Sternlein stehehen, an dem blauen Himmelszelt?

Account gelöscht!

19.02.2012, 16:52 Uhr

Man kann als Bürger eigentlich nur noch das machen was der staat mit einem macht. Sorry aber es ist so! Ich habe jeden Respekt gegenüber diesem Staat und der EU verloren. Schwarzgeld und co? Sehe ich kein Problem mehr, jeder Cent in privater Hand ist besser angelegt als bei diesem politischen Verbrechertum.

HerrBergauer

19.02.2012, 17:00 Uhr

Genau! Und wenn sie nicht parieren, die in der EZB, dann werft sie noch schneller als möglich, um das Unmögliche zu betonen, raus - allesamt!

Auch eine Zentralbank hat abgewickelt zu werden, wenn sie nicht fähig ist, die aufgetragene Arbeit für's Volk zu leisten. Das heißt: Bankrott muss sie gehen und sofort durch eine neue ersetzt werden, was überhaupt kein Problem darstellt. Was derzeit getan wird, ist allerdings ein riesiges Problem für die Völker - nämlich die Korruption zugunsten einiger Betrüger und gegen das Volk.

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