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08.03.2013

10:37 Uhr

Wie ein Pharao

Chavez soll für die Ewigkeit einbalsamiert werden

Venezuelas Präsident Hugo Chavez soll trotz seines Todes dem Land erhalten bleiben. Nach der Trauerfeier wird er extrovertierte Staatschef einbalsamiert und in einem Museum aufgebahrt – wie ein ägyptischer Pharao.

Venezuelas Vizepräsident Nicolas Maduro (r) am offenen Sarg des verstorbenen Hugo Chavez. dpa

Venezuelas Vizepräsident Nicolas Maduro (r) am offenen Sarg des verstorbenen Hugo Chavez.

CaracasHugo Chávez soll seinen Anhängern erhalten bleiben: Der an Krebs gestorbene Staatschef Venezuelas wird einbalsamiert und in einem gläsernen Sarg aufgebahrt. „Das Volk soll ihn wie Ho Tschi Minh, Lenin und Mao Tsetung ewig präsent haben können“, sagte Vize-Präsident Nicolás Maduro Stunden vor der offiziellen Trauerfeier am Freitag. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs sowie politische Führer aus aller Welt trafen dazu in der Hauptstadt Caracas ein, darunter Raúl Castro aus Kuba, Dilma Rousseff aus Brasilien und Mahmud Ahmadinedschad aus dem Iran.

Auch die Staatschefs von Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Uruguay, Honduras, Peru und Mexiko seien schon angereist, sagte Außenminister Elías Jaua. Zu der Trauerfeier erwartet wurden auch der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko sowie Spaniens Kronprinz Felipe. Die EU-Länder sind überwiegend durch ihre Botschafter vertreten, die USA schickten einen Abgeordneten und einen Ex-Parlamentarier der Demokraten. Insgesamt werden nach den Worten Jauas etwa 30 Delegationen von Staats- oder Regierungschefs angeführt werden.

Wie sich Venezuela unter Chavez entwickelt hat

Wie hat sich die Wirtschaft unter Chavez entwickelt?

Das je Einwohner erwirtschaftete Bruttosozialprodukt ist nach Angaben der Weltbank von 1998 bis 2010 um 6,1 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Von 1974 bis 1998 war es noch um 16 Prozent gefallen. Zu verdanken hat das Venezuela vor allem seinem Öl-Reichtum: Öl und Öl-Produkte machten 2012 rund 96 Prozent der Exporte aus; 1999 waren es lediglich 76 Prozent. Zudem ist der Öl-Preis deutlich gestiegen. Lag er zu Beginn von Chavez' Amtszeit noch bei zehn Dollar je Barrel, sind es jetzt etwa 110 Dollar.

Was sind die Probleme?

Die Inflationsrate gehört zu den höchsten der Welt. Im Februar lag sie bei 32 Prozent. Das staatlich verordnete Tauschverhältnis vom Dollar zum Bolivar von 1 zu 6,3 trifft die Wirtschaft hart und hat zu einem florierenden Schwarzmarkt geführt. Bestimmte Importgüter sind bereits knapp geworden. Dazu kommt, dass die weitgehend verstaatlichte Öl-Industrie teilweise marode ist, weil ausländische Investoren vertrieben wurden. So fiel die Öl-Produktion in der Chavez-Amtszeit von 3,5 auf 2,34 Millionen Barrel pro Tag.

Schwächelt nur die Ölindustrie?

Nein. Der Ausstoß der verstaatlichten Eisenerz-, Stahl- und Aluminiumindustrie fiel 2012 so gering aus wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Einst gehörte Venezuela zu den größten Aluminium-Exporteuren der Welt, inzwischen ist es zum Importland geworden. Der Industrie setzen häufige Stromausfälle zu. So sorgten Dürren in den vergangenen Jahren häufig für Blackouts bei Wasserkraftwerken, weshalb die Behörden die Energie für Industriebetriebe rationierten.

Können die Sozialausgaben weiter finanziert werden?

Aus den Gewinnen des staatlichen Öl-Monopolisten PDVSA flossen zwischen 2004 und 2010 etwa 61,4 Milliarden Dollar in Sozialprogramme. Ob auch künftig so viel Geld sprudelt, ist ungewiss. Die USA als einer der Hauptkunden sind gerade dabei, sich durch die Schieferöl-Förderung (Fracking) unabhängig von Importen zu machen und könnten in wenigen Jahren selbst zum Öl-Exporteur aufsteigen. Dazu kommt, dass die Raffinerien in Venezuela dringend modernisiert werden müssen. 2012 kamen bei einer Explosion in der größten des Landes 40 Menschen ums Leben. Sogar die eigentlich Chavez-freundlichen Gewerkschaften demonstrierten.

Wie steht es um die Beziehungen zu Deutschland?

Deutschland betreffen die Entwicklungen in Venezuela kaum. 2012 wurden lediglich Waren im Wert von 539 Millionen Euro nach Deutschland ausgeliefert. Damit belegt Venezuela in der Rangliste der wichtigsten deutschen Lieferanten lediglich Platz 73, noch hinter Ländern wie Kambodscha und der Elfenbeinküste. Die deutschen Ausfuhren nach Venezuela belaufen sich auf 904 Millionen Euro - das entspricht nicht einmal 0,1 Prozent des gesamten Exportvolumens.

„Chávez lebt weiter, er wird nie sterben. Seine Seele und sein Geist werden im Herzen aller Kämpfer verbleiben“, sagte Ahmadinedschad nach seiner Ankunft laut der venezolanischen Nachrichtenagentur AVN. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, die bei der Totenwache für Chávez dabei war, reiste dagegen bereits wieder ab.

Nach der Trauerfeier sollte Maduro noch am Freitag offiziell als Interims-Präsident vereidigt werden, wie Parlamentspräsident Diosdado Cabello ankündigte. Chávez hatte den 50 Jahre alten früheren Busfahrer und Gewerkschafter als seinen Nachfolger auserkoren. Maduro, der lange Zeit Außenminister war, soll bei den Neuwahlen in spätestens 30 Tagen als Spitzenkandidat der Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) ins Rennen gehen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.03.2013, 10:44 Uhr

Das zeigt doch wie grotesk dieser ganze Sozialimus ist. Ich kann nur mit dem Kopf schütteln. Wahrscheinlich wollen sich Wagenknecht und Co. auch irgendwann einbalsamieren lassen...

Numismatiker

08.03.2013, 10:56 Uhr

Schon Lenin tut mir Leid, weil er immer noch nicht begraben wurde. Kann man Herrn Chavez nach seinem Tod nicht einfach in Frieden ruhen lassen?

general

08.03.2013, 11:08 Uhr

Die attraktivste Lösung wäre, wenn man Wagenknecht sofort einbalsamieren würden.

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