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24.04.2015

15:38 Uhr

Wie Hillary Clinton wurde, wer sie ist

Auf der Suche nach der frechen Studentin

VonAxel Postinett

Sie ist so erfolgreich und selbstbewusst wie kaum eine andere – und sich selbst doch der größte Feind: Hillary Clinton hat schon viel erreicht. Genau das kann ihr jetzt gefährlich werden. Psychogramm einer Karrierefrau.

Hillary Clinton will US-Präsidentin werden. Doch der Personenkult um sie kann gefährlich werden. ap

Hillary Clinton

Hillary Clinton will US-Präsidentin werden. Doch der Personenkult um sie kann gefährlich werden.

San FranciscoSie verkündete ihre Kandidatur an einem Sonntag vor knapp zwei Wochen. Einen Tag später packte sie ihre Koffer in einen unscheinbaren, schwarzen Kleinbus und fuhr bei Nacht und Nebel los in Richtung Iowa. Keine Presse, keine Publicity, kein politischer Tross, nur enge Berater und manchmal ein Foto zwischendurch auf ihrer Twitter-Seite.

Es ist eine anstrengende Autofahrt, die locker, mit Pausen und Übernachtungen, zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen kann. Selbst im autobegeisterten Amerika nimmt dies niemand ohne Not in Kauf. Schon gar nicht, wenn man 67 Jahre alt ist, vollgepackte Terminkalender hat, und Präsidentin der USA werden will. Doch Hillary Diane Rodham Clinton nutzt diese seltene Chance ganz am Anfang ihres Wahlkampfs.

Die vielleicht bald mächtigste Frau der Welt will noch einmal zeigen, was sie dorthin gebracht hat, wo sie jetzt ist: harte Arbeit, Entbehrungen und Willensstärke. Sie tingelt durch kleine Orte, spricht in kleinen Sälen mit kleinen Gruppen. Vielleicht will sie sich aber auch nur selbst daran erinnern, wie das so ist, wenn man nicht ganz oben ist auf der Karriereleiter. So eine Besinnungstour, um wieder auf den Boden der Tatsachen zu kommen, hatte sie schon 2000 einmal absolviert, als sie für den Senat kandidierte. Und es hat sich gelohnt. Sie gewann.

Der Fahrplan bis zur Präsidentschaftswahl

Die Präsidentenwahl und ihr Prozedere

Mit der erwarteten Bewerbung von Hillary Clinton um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten nimmt der Wahlkampf 2016 in den USA weiter Form an. Bei den Republikanern hat unter anderem bereits der frühere Gouverneur des Bundesstaates Florida, Jeb Bush, sein Interesse bekundet. Der Weg zu den Wahlen im November 2016 ist aber noch lang. Informationen AFP

Erstes Abtasten

Bei Demokraten und Republikaner nimmt das Rennen um das Weiße Haus in diesem Jahr Fahrt auf. Im Ringen um die Kandidatur ihrer Partei sammeln die Bewerber Spenden, reisen zu Kundgebungen quer durch das Land und werden sich in ersten parteiinternen TV-Debatten messen. Die Präsidentschaftsanwärter konzentrieren sich zu diesem Zeitpunkt vor allem darauf, die Basis der eigenen Partei von sich zu überzeugen.

Basisdemokratie bei den Vorwahlen

Anfang 2016 beginnen die Vorwahlen, traditionell im ländlich geprägten Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen. Nach und nach stellen sich die republikanischen und demokratischen Bewerber in allen 50 Bundesstaaten dem Votum der Wähler, um die Kandidatur ihrer Partei zu gewinnen. Bei manchen Vorwahlen dürfen nur registrierte Parteimitglieder teilnehmen, andere sind offen für alle Wahlberechtigten. Die Abstimmungen ziehen sich bis in den Frühsommer, meist stehen die Mehrheitsverhältnisse aber schon vorher fest. Favoriten kristallisieren sich oft nach dem sogenannten Super-Dienstag heraus, bei dem eine Reihe von Bundesstaaten gleichzeitig abstimmen.

Kandidatenkür

Abschluss des Vorwahlprozesses sind die sogenannten Conventions, bei denen Delegierte aus allen Bundesstaaten den Kandidaten ihrer Partei auf den Schild heben. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat entsenden darf, wird durch eine komplizierte Formel festgelegt und hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden. Die Republikaner halten ihre Convention Mitte Juli 2016 in Cleveland im Bundesstaat Ohio ab. Der Nominierungsparteitag der Demokraten findet eine Woche später in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania statt.

Die heiße Phase

Im Herbst 2016 liegen die entscheidenden Wochen des Wahlkampfes. Fast täglich erscheinen neue Umfrageergebnisse, mit denen Republikaner und Demokraten ihre Chancen abschätzen können. In Fernsehduellen debattieren die Kandidaten innen- und außenpolitische Themen, während die Bevölkerung in besonders umkämpften Bundesstaaten wie Florida oder Ohio mit Wahlwerbespots überschwemmt wird. Beide Parteien sind auf der Hut vor einer "October Surprise" - ein unerwartetes Ereignis im Oktober, das dem Präsidentschaftsrennen eine neue Dynamik geben könnte.

Tag der Entscheidung

Im Herbst 2016 liegen die entscheidenden Wochen des Wahlkampfes. Fast täglich erscheinen neue Umfrageergebnisse, mit denen Republikaner und Demokraten ihre Chancen abschätzen können. In Fernsehduellen debattieren die Kandidaten innen- und außenpolitische Themen, während die Bevölkerung in besonders umkämpften Bundesstaaten wie Florida oder Ohio mit Wahlwerbespots überschwemmt wird. Beide Parteien sind auf der Hut vor einer "October Surprise" - ein unerwartetes Ereignis im Oktober, das dem Präsidentschaftsrennen eine neue Dynamik geben könnte.

Clinton ist ein Produkt ihrer Zeit. Geboren am 26. Oktober 1947, wuchs sie auf als Tochter eines Ladenbesitzers in einer Mittelschichtfamilie in einem Mittelschicht-Vorort von Chicago. Sie interessierte sich früh für Politik und stand zunächst auf der Seite der Republikaner, so wie ihr Vater. Eine Rede von Martin Luther King ließ sie zum demokratischen Lager überlaufen. Als die junge Hillary 1968 der Partei beitrat, befand sich Amerika in einer schweren Krise.

Der Vietnamkrieg traumatisierte und polarisierte das Land. Die Präsenz der US-Kriegsmaschine war auf ihrem Höhepunkt, und gleichzeitig begann der Niedergang, als Nordvietnam mit der „Tet-Offensive“ das Blatt wendete. Die schwarze Bürgerrechtsbewegung veränderte die Gesellschaft im Inneren, und die Ermordung John F. Kennedys hatte weltweites Entsetzen ausgelöst. Und Millionen junger Frauen wie Hillary Rodham begehrten insgeheim auf. Sie ahnten, dass da noch etwas anderes als Mutter und Küche ist. Sie wussten es sogar. Aber sie wussten noch nicht, wie sie dorthin kommen sollten.

Hillary Clinton: Der große Moment der ehemaligen First Lady

Hillary Clinton

Premium Der Clinton-Moment

Nach haltlosen Versprechungen von „change“ und „hope“ sehnt sich Amerika nach Realpolitik. Das Scheitern Obamas schafft den Clinton-Moment. Sie wäre eine Präsidentin, die keine Einarbeitung in die Weltpolitik braucht.

Von diesen Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs und einer revoltierenden Jugend geprägt, begann sie ihre Zeit im Wellesley-College. Wenn es um ihre Meinung ging, dann scheute sie nicht davor zurück, sich Feinde zu machen. Ihre Unbeugsamkeit und ihr Ehrgeiz ließen sie zum Sprachrohr ihrer Kommilitonen werden. 1969 hielt sie als erste Studentin oder Student überhaupt an einem College die „commencement speech“, die Rede zum Abschied der Absolventen.

Es war eine wütende Ansprache. „Die Rede war voll von der kompromisslosen Sprache, die man nur schreibt, wenn man 21 ist“, wird sie sich später erinnern. Aber es waren die Wünsche und Träume ihrer Generation, und sie sprach sie unverblümt und ohne Rücksicht auf Verluste aus. „Die Herausforderung“, sagte sie damals, „ist jetzt Politik als die Kunst zu verstehen, das unmöglich erscheinende möglich zu machen.“

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