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30.04.2012

17:55 Uhr

„Wie im Kalten Krieg“

Ukraine sauer über Rufe nach EM-Boykott

Gepflegter Rasen, schmucke Stadien, genug Hotelbetten: Aus Sicht der Ukraine ist alles für eine gelungene Europameisterschaft getan. Die massive Kritik aus Deutschland zum Fall Timoschenko empört Kiew maßlos.

Eine Werbetafel von zur UEFA Euro 2012 Fußball-Europameisterschaft in Kiew. dpa

Eine Werbetafel von zur UEFA Euro 2012 Fußball-Europameisterschaft in Kiew.

Kiew/BerlinKeine Zugeständnisse des EM-Gastgebers: Die Ukraine hat Forderungen Deutschlands nach einer Freilassung der in Haft erkrankten Politikerin Julia Timoschenko scharf zurückgewiesen. Nachdem in Berlin mit einem politischen Boykott der Spiele gedroht worden war, warnte das ukrainische Außenministerium die Bundesregierung am Montag davor, die „Methoden der Zeiten des Kalten Krieges wiederzubeleben“.

Rückendeckung erhält Deutschland von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. In Polen, dem Co-Gastgeberland der Fußball-Europameisterschaft (EM), herrscht dagegen Schweigen zu den Boykott-Forderungen gegen die Spiele in der Ukraine. Auch von anderen EU-Mitgliedern erhält Deutschland bisher wenig Unterstützung. So ist ein politischer Boykott in vielen Fußball-Nationen wie England, Frankreich oder Portugal kein Thema. Die EM beginnt am 8. Juni.

Die frühere Regierungschefin Timoschenko verbüßt nach einem umstrittenen Strafprozess eine siebenjährige Gefängnisstrafe. Die Widersacherin von Präsident Viktor Janukowitsch leidet unter einem Bandscheibenvorfall und befindet sich nach eigenen Angaben seit dem 20. April im Hungerstreik. Auch mehrere Minister der früheren Regierung Timoschenko sitzen in Haft.

Röttgen: Politiker sollten Fußball-EM in der Ukraine fern bleiben

Video: Röttgen: Politiker sollten Fußball-EM in der Ukraine fern bleiben

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwägt, ihren Ministern zu empfehlen, den EM-Spielen in der Ex-Sowjetrepublik fernzubleiben. Dies gilt laut „Spiegel“ für den Fall, dass Timoschenko nicht für eine angemessene medizinische Behandlung freigelassen wird.

Dem behandelnden deutschen Arzt Karl Max Einhäupl bereitet der Hungerstreik Timoschenkos Sorgen. „Bei einer Patientin, die bereits seit vielen Monaten erhebliche Schmerzen hat und unter einem unheimlichen Stress steht, wird dieser Hungerstreik früher zu Problemen führen, als das üblicherweise der Fall ist“, sagte der Chef der Berliner Charité im ZDF. Einhäupl kündigte an, noch in dieser Woche erneut zur Behandlung nach Charkow
reisen.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte der „Bild“-Zeitung (Montag), es müsse unbedingt verhindert werden, dass „das ukrainische Regime“ die EM zur Aufwertung seiner „Diktatur“ nutze. „Deshalb finde ich, dass Besuche von Ministern und Ministerpräsidenten zur EM nach jetzigem Stand nicht in Frage kommen.“

Kommentare (12)

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Rumpelstielzchen

30.04.2012, 18:07 Uhr

"Die massive Kritik aus Deutschland zum Fall Timoschenko empört Kiew maßlos."

Na, ob das wirklich so ist?

Oder ist da der Wunsch, der Vater des Gedankens?

Sehr objektiv empfinde ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr die Berichterstattung in Deutschland. Nicht nur im Fall der Ukraine.

Die Presse soll die Politik kontrollieren.
Dafür geniesst sie den besonderen Schutz des Grundgesetzes.

Was ich aber in letzten Jahren so wahrnehme, ist, dass die Medien versuchen Politik zu gestalten, indem sie Politiker hetzen, in die Richtung, die sie für richtig halten.

Nur ist die Presse nicht demokratisch gewählt und hat somit kein Mandat die Politik zu gestalten.

Darüber sollte man in den Redaktionsstuben einmal nachdenken!

Hagbard_Celine

30.04.2012, 18:46 Uhr

Merkel droht offen die Wirtschaft der Ukraine zu beschädigen indem Sie das Land ins Zwielicht rückt und den erhofften Aufschwung durch die EM unterminiert.

Und das alles für einen verurteilten Verbrecher zu dienen. Nicht irgend einem Verbrecher sondern Teil des Netzwerkes das wie ein Schleier über Europa liegt.

Es geht darum Frau T. mit Erpressung nach D zu bekommen sonst nichts. Die Menschen in der Ukraine und die Beziehungen zur Ukraine sind sekundär.

Wo ist der Nutzen für D ?

Wo ist der Nutzen für die EU ?

Wo ist der Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger der Ukraine ? Sind die etwa egal, ist eine Frau T. soviel wert wie 47 Millionen Menschen ?

Da sieht man ja wem Frau Merkel verpflichtet ist, dem deutschen und ukrainischen Volk und den Bürgern der EU schon einmal nicht.

IgorSoukharyev

30.04.2012, 19:12 Uhr

Wer glaubt, dass der kalte Krieg irgendwann beendet wurde? Wer glaubt, dass das Endziel des kalten Krieges der Sieg über Kommunismus war? Wer glaubt, dass Geheimdienste von NATO-Ländern nichts getan haben, um lebende (einschließlich unbewaffnete) Kräfte des Gegners zu vernichten? Wenn Sie glauben, sind Sie enorm religiös.
Der kalte Krieg ist ein unmittelbarer Fortgang des 2. Weltkrieges und wird nur dann beendet, wenn der 3. anfängt. Sorry, aber objektiver als Geschichte und Geld können keine mehr Beweise sein. Dank dem EM-Boykott verliert die Ukraine, das ukrainische Volk sehr viel Geld. Motive der progressiven europäischen Demokratie sind klar und durchsichtig - Schaden, Verluste zu verursachen.

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