Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.09.2011

08:23 Uhr

Wie in Zeiten von Caligula

Berlusconi und die jungen Frauen

VonRegina Krieger

Wieder ein Skandal um Berlusconi und bezahlte jungen Frauen, spöttisch „Escort“ genannt. Und seine Regierung wackelt. Moody’s prüft die Kreditwürdigkeit Italiens. Und so steigt die Nervosität. Ein Kommentar.

Silvio Berlusconi sagt, er habe keine Straftat begangen Reuters

Silvio Berlusconi sagt, er habe keine Straftat begangen

Seit heute müssen die Italiener mehr zahlen für Cappuccino, Friseur und neue Schuhe. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um einen Punkt auf 21 Prozent gilt ab sofort. Die anderen Einschnitte kommen später, Steuererhöhungen, vereinfachter Kündigungsschutz, der spätere Eintritt in die Rente. Aber auch nach der Verabschiedung des Sparpakets der Regierung Berlusconi in der vergangenen Woche sind die Finanzmärkte misstrauisch geblieben.

Neue Daten und Nachrichten tragen nicht zum Vertrauen bei: Die Staatsverschuldung liegt mittlerweile bei 1,9 Billionen Euro, die Ratingagentur Moody’s lässt die Bewertung Italiens zwar unverändert, behält sich aber vor, die Kreditwürdigkeit weiter zu prüfen und will nächsten Monat entscheiden. Oecd, Internationaler Währungsfond und der italienische Industrieverband Confindustria haben ihre Wachstumsprognosen für 2012 erheblich gesenkt. Italienische Ökonomen warnen, dass der angepeilte ausgeglichene Staatshaushalt für 2013 wohl kaum erreicht werden kann.

Doch statt positiver Signale, dass das Land sein Schuldenproblem in den Griff bekommt und nicht in Richtung Griechenland abdriftet, kommen ganz andere Schlagzeilen aus Italien.
Wieder ein Skandal um Berlusconi und die bezahlten jungen Frauen, spöttisch „Escort“ genannt. Alle Zeitungen haben am Wochenende lang und breit die Protokolle abgehörter Telefongespräche des Premierminister veröffentlicht, die dieser 2008 und 2009 mit dem Unternehmer Gianpaolo Tarantini geführt hat, der im Gefängnis sitzt, weil er angeklagt werden soll, Berlusconi erpresst zu haben. Tarantini führte Berlusconi die Frauen für die Privatparties in Rom, Mailand und Sardinien zu, das hat er gestanden. Vor Gericht geht es nun darum, ob es stimmt, dass er Berlusconi erpresst hat und Gegenleistungen gefordert hat und Jobs beim Fernsehen für die willigen Damen.

Was ist in Italien los? Klatsch und Bettgeschichten statt überzeugender Regierungsarbeit? Es geht hier schon fast zu wie in den Zeiten von Caligula, sagt mancher in Rom. Konsequenzen aber gibt es keine. Berlusconi hat gestern erklärt, er habe keine Straftat begangen und werde auch nicht zurücktreten. Und außerdem habe er nur das getan, was alle Italiener gern tun würden: „Beziehungen zu jungen, schönen Frauen haben.“

Die Regierung wackelt, die Opposition fordert Berlusconis Rücktritt, Leitartikler regen sich auf über die offenkundige Verquickung von Öffentlichem und Privatem und alle schauen nervös auf die Finanzmärkte.

Ohne Berlusconi würde der Spread zwischen italienischen Staatspapieren und deutschen Bundesanleihen sofort um 100 Punkte sinken, sagt ein Oppositionspolitiker. Doch die Parlamentsmehrheit steht – auch weil viele Parteigänger des Multimillionärs, der nächste Woche 75 wird, wissen, dass sie wohl nicht wiedergewählt werden. Und Skandalgeschichten über einen, der am Telefon sagt „Wie viele bringst Du mir heute“, lenken bestens von den harten Realitäten des Sparkurses ab.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

19.09.2011, 08:52 Uhr

„Die Staatsverschuldung liegt mittlerweile bei 1,9 Billionen Euro“. So so.
Ein Blick in die Schattenhaushalte sagt mehr als tausend Worte, nicht nur bei Italien:
http://www.siggi40.magix.net/public/Fotos/Schattenhaushalte.jpg

Schwanzgesteuert?
Und außerdem habe er nur das getan, was alle Italiener gern tun würden: „Beziehungen zu jungen, schönen Frauen haben.“ Wo er Recht hat, hat er Recht, der Gutste.
Gehört zwar nicht in die Politik, aber mal ein Blick über die Alpen, wie dort so was gehandhabt wird:

Kindesmissbrauch durch Richter, Politiker und Staatsanwälte im Schutze eines CDU-Mannes!
Die Kriminellen schleusten Kinder und Jugendliche aus den östlichen Nachbarstaaten nach Deutschland und stellten sie ihren politischen Gönnern in Bordellen zur Verfügung. Polizeiliche Ermittler wurden kaltgestellt oder in die Taten einbezogen.
Das Geschäft auf Gegenseitigkeit diente der Vertuschung schwerer Kapitalverbrechen. Nach neuesten Informationen wurden unter anderem "'Zigeuner-Kinder' im Alter zwischen acht und zehn Jahren aus Tschechien nach Sachsen" verschleppt "und danach sexuell missbraucht." Die Anlieferung von "Frischfleisch", heißt es in dieser Quelle, sei von einem Staatsanwalt gedeckt worden.

(...)Danach sollen im Vogtland um Plauen und Zwickau weitere rund 100 Personen ins Visier der Ermittler geraten sein. Zur Hälfte sollen sie den Bereichen Polizei und Justiz angehören.
Monatelang wurden die belastenden Akten vernichtet, Zeugen im U-Ausschuss bedroht und dann festgestellt, dass alle Anschuldigungen haltlos sind.

Hier werden wir von Kinderf*ckern regiert!! Dagegen ist Berlusconi ein Lamm.

Moika

19.09.2011, 09:01 Uhr

Was soll man da sagen? Jedes Volk hat nun einmal die Regierung, die es verdient - bzw. gewählt hat...

Da müssen die Italiener jetzt durch. Eigentlich kann man Ihnen nur viel Glück wünschen. Aber unter einer derartig korrupten, krimunellen Staatsführung jetzt auch noch Hilfen von Europa zu erwarten, wäre schon mehr als dreist. Bis jetzt haben sie ihre eigenen Probleme scheinbar kaum interessiert, dann kann es ja wohl so schlimm nicht sein....

Account gelöscht!

19.09.2011, 09:17 Uhr

„Aber unter einer derartig korrupten, kriminellen Staatsführung jetzt auch noch Hilfen von Europa zu erwarten ...“
Zumindest in Bezug auf die Mädels, die er gekauft hat, kann man ihm keinen Vorwurf machen. Beim Rest können Sie ja Recht haben.

Sie müssen Ihren Blick nicht mal so weit schweifen lassen. Griechenland und Italien im Quadrat haben wir schon seit 20 Jahren in der DDR.
Zu den "Verhältnissen" habe ich ja schon kommentiert, und dafür gibt es jedes Jahr auch noch 100 Milliarden Euro!!
Die Trümmerfrauen haben ganz Europa mit umgerechnet 100 Mrd. Euro aufgebaut!! Doch die DDR ist ein Fass ohne Boden. Schon seit Jahren werden die Milliarden der Solidarpakt-Mittel nicht mehr für den vorgesehenen, vertraglich vereinbarten Zweck verwendet, sondern immer mehr Milliarden illegal für den privaten Konsum abgezweigt. Dagegen sind die Griechen blutige Anfänger!! Hier können sie von der STASI-Nostra noch viel lernen. Ebenso Berlusconi von unserem ach so feinem Rechtsstaat, vor dem sogar der deutsche Richterbund warnt!!
http://siggi40.magix.net/website#Juxtiz
http://siggi40.magix.net/website#STASI-Nostra

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×