Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.10.2011

17:43 Uhr

Wiebes Weitwinkel

Warum Draghi Trichets Kurs fortsetzen sollte

VonFrank Wiebe

Sowohl die Linken als auch die Konservativen in Europa zerren an der EZB. Jean Claude-Trichet hat in seiner Zeit als Präsident einen weisen Zwischenweg gewählt. Der neue Chef Mario Draghi sollte ihn weiter gehen.

Frank Wiebe ist Kolumnist für das Handelsblatt. Frank Beer für Handelsblatt

Frank Wiebe ist Kolumnist für das Handelsblatt.

Wenn jemand von zwei Seiten mit gegensätzlichen Argumenten hart kritisiert wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er irgendetwas richtig gemacht hat. So geht es dem scheidenden EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet.

Trichet war über Jahrzehnte als Präsident der alten französischen Nationalbank und dann der EZB weithin geachtet. Er hat den französischen Franc gegen Widerstände im eigenen Land stark gemacht und übergibt nach dem ersten Jahrzehnt des Euros, gemessen an der Inflationsrate – dem einzigen offiziellen Maßstab der Notenbank –, seinem Nachfolger Mario Draghi eine tadellose Erfolgsbilanz.

Für sein Verhalten in der Euro-Krise wird er aber zum Abschied mit Kritik überschüttet. Auf der einen Seite werfen ihm Kritiker vor, nicht mutig genug Anleihen schwacher Euro-Staaten aufzukaufen. Sie fordern von der EZB, sich öffentlich zu einem unbegrenzten Ankaufprogramm zu verpflichten, um die Spekulation gegen angeblich im Kern gesunde Staaten wie Italien und Spanien zu unterbinden. Bei diesen Leuten handelt es sich meist entweder um angelsächsische Experten, die eine „comprehensive solution“ für die Krise fordern. Oder um Politiker aus dem linken Lager, die die Chance sehen, den Notenbankern das Kreuz zu brechen und so „den Primat der Politik“ vor den Finanzmärkten wieder herzustellen.

Auf der anderen Seite gibt es, in Deutschland viel deutlicher vernehmbar, die Stimmen der „konservativen“ Kritiker. Für sie ist Trichet, auch wenn das nicht jeder offen ausspricht, ein Verräter, weil er sich darauf eingelassen hat, Staatsanleihen zu kaufen, und so angeblich die Unabhängigkeit der Notenbank in den Wind schreibt. Trichet, der vielen Franzosen geldpolitisch zu „deutsch“ handelt, sei wieder zum „Südländer“ geworden; leise klingen die jahrhundertealten Vorurteile von „welscher Untreue“ an.

Hinter diesen verschiedenen Denkschulen stehen emotional aufgeladene Weltbilder. Einmal sind da pragmatische Angelsachsen, für die Geld eine Art „tool“ ist, ein Werkzeug, das man möglichst intelligent einsetzen muss, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Für die Linken ist das Geld das Instrument der Macht im Kapitalismus, das man endlich unter Kontrolle bringen will. Für die Bürgerlich-Konservativen dagegen ist Geld noch ein echter Wert, der mit ideellen Werten wie Fleiß, Verantwortung und Sparsamkeit verknüpft wird.

Wer hat recht? Eine kurzfristige Betrachtung spricht eher für die Pragmatiker und die Linken, eine langfristige aber für die Konservativen.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

sterbende_demokratie

26.10.2011, 17:51 Uhr

Nur diesen Artikel finde ich nur Wort:
AUUUUUTSCH!

Account gelöscht!

26.10.2011, 18:32 Uhr

Rie Rubrik heisst ja auch "Weitwinkel" und nicht "Kleinkariert"

Account gelöscht!

31.10.2011, 05:06 Uhr

"Wenn jemand von zwei Seiten mit gegensätzlichen Argumenten hart kritisiert wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er irgendetwas richtig gemacht hat." - Ach, das ist aber seltsam.

Logischer erscheint, daß dieser jemand wahrscheinlich aus völlig verschiedenen Gründen einiges falsch gemacht hat. Wenn irgend etwas richtig gewsen wäre, hätte er ja dafür wohl gelobt werden müssen.

Lob kam ja auch - allerdings von denen, die ihre Probleme und Verantwortlichkeiten auf diesem Weg abladen konnten. Dann ist die Motivation für das Lob reichlich durchsichtig.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×