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04.01.2016

14:43 Uhr

Wiener Vereinbarung

Beendet der Westen nun die Sanktionen gegen den Iran?

Die Bundesregierung hält ein schnelles Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran für möglich. Die deutsche Wirtschaft erhofft sich dadurch neue Geschäfte mit dem islamischen Land, hat aber auch große Befürchtungen.

Ein Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran könnte auch für Bewegung im Ölgeschäft sorgen. dpa

Flaggen des Iran und der nationalen Ölgesellschaft

Ein Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran könnte auch für Bewegung im Ölgeschäft sorgen.

BerlinDie deutsche Regierung hat Hoffnungen auf ein schnelles Ende des westlichen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran genährt, von dem sich die deutsche Wirtschaft einen kräftigen Aufschwung im Handel mit der Islamischen Republik erhofft.

„Der Tag, an dem der Iran all die Verpflichtungen aus der Wiener Vereinbarung erfüllt haben wird mit der Folge, dass dann die internationalen Sanktionen suspendiert oder aufgehoben werden, rückt näher und könnte vielleicht sogar schon in diesem Monat erreicht sein“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag. Er sehe keinerlei Tendenzen in der iranischen Führung, von den Vereinbarungen abzurücken, die das Ende des Streits um das iranische Atomprogramm markiert hatten.

In der deutschen Wirtschaft fürchtet man allerdings, dass die Eskalation der Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien nach der Hinrichtung eines prominenten schiitischen Geistlichen in dem Golf-Königreich das Auslaufen der Sanktionen gefährden könnte. „Die politischen Spannungen, die besorgen auch die deutsche Wirtschaft“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Hoffnungen auf einen kräftigen Aufschwung des Iran-Geschäfts nach dem Sanktionsende würden zwar noch nicht begraben, es drohe aber eine Eintrübung. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unter die Mühlsteine dieser politischen Auseinandersetzung geraten“, warnte er.

Wirtschaftsstandort Iran – Geschäfte am Golf

Wirtschaft

Iran ist den meisten in wirtschaftlicher Hinsicht vor allem als Rohstoffland bekannt. Dort lagern die weltweit drittgrößten Erdöl- und die zweitgrößten Erdgasreserven. Weitere wichtige Sparten sind die Textilwirtschaft, die Autoproduktion und der Bausektor. Die Wirtschaft gilt als zentralisiert, schreiben mehrere Think Tanks. Religiöse Stiftungen kontrollieren demnach rund 80 Prozent der Wertschöpfungskette.

Handel

Wegen zahlreicher Embargos des Westens gegen Iran ist der Handel mit Deutschland stark eingeschränkt. Deutsche Unternehmen verkauften laut des Deutschen Industrie- und Handelskammertags 2014 Waren im Wert von 2,4 Milliarden Euro in die Islamische Republik. Vor den Sanktionen waren es noch zwei Milliarden mehr. Nur noch rund 80 deutsche Firmen haben dort eine offizielle Niederlassung.

Die deutsche Wirtschaft hoffe, dass noch im ersten Quartal ein Fahrplan zum Abbau der westlichen Sanktionen vorgelegt werde und dieser Prozess dann schnell beginne.

Treier rechnet nach dem Sanktionsende mit deutlich zweistelligen Zuwachsraten beim deutschen Export in den Iran. Das deutsch-iranische Handelsvolumen könnte sich von rund 2,4 Milliarden Euro im Jahre 2014 binnen fünf bis sieben Jahren bis auf rund zehn Milliarden Euro vervierfachen, sagte er voraus.

Der Iran und die fünf UN-Vetomächte Russland, China, USA, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland hatten sich im Juli in Wien auf eine Formel zur Beilegung des Konflikts um das iranische Atomprogramm geeinigt. Darin war dem Iran gegen konkrete Gegenleistungen die Aufhebung von Sanktionen in Aussicht gestellt worden, unter denen das Land wirtschaftlich stark leidet.

Von

rtr

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