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17.08.2012

19:43 Uhr

Wikileaks-Gründer

Ecuador will wegen Assange OAS einschalten

Im Tauziehen um den in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzenden Wikileaks-Gründer Julian Assange hat Ecuador die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) eingeschaltet. Ecuador hat Assange Asyl angeboten.

Tauziehen um Assange

Video: Tauziehen um Assange

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LondonQuito habe ein Treffen der Außenminister für den 23. August beantragt, teilte die OAS am Freitag mit. Zwei Dutzend Polizisten postierten sich rund um die Botschaft, um den 41-jährigen Australier festzunehmen, sollte er das Gebäude verlassen.

Die ecuadorianische OAS-Botschafterin María Isabel Salvador sagte, die Regierung ihres Landes wolle, dass die Außenminister der Organisation über die "ausdrücklichen Drohungen" der britischen Regierung gegen Assange berieten. Ecuador hatte Assange, der am 19. Juli in die Londoner Botschaft geflohen war, um einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen, am Donnerstag diplomatisches Asyl gewährt. Allerdings will Großbritannien Assange unter keinen Umständen ausreisen lassen.

Assange soll in Schweden zu Vorwürfen befragt werden, zwei Frauen sexuell belästigt beziehungsweise vergewaltigt zu haben. Außenminister William Hague hatte am Donnerstag die Entschlossenheit seines Landes bekräftigt, den schwedischen Haftbefehl zu vollstrecken und Assange auszuliefern. Zugleich gestand er ein, dass sich das Tauziehen um den Australier über Monate oder Jahre hinziehen könnte.

Unterstützer von WikiLeaks-Gründer Julian Assange in dessen Heimatland Australien. Reuters

Unterstützer von WikiLeaks-Gründer Julian Assange in dessen Heimatland Australien.

Wegen des Streits schaltete Ecuador auch die Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) ein und beraumte für Sonntag ein Treffen der Außenminister an. Am Wochenende kommt zudem das lateinamerikanische Staatenbündnis ALBA zu Beratungen über Assange zusammen. Assanges Rechtsberater Baltasar Garzón kündigte an, notfalls die Ausreise vor dem Internationalen Gerichtshof zu erstreiten.

Rund 20 Polizisten bewachten am Freitag die Ausgänge der ecuadorianischen Botschaft im schicken Londoner Stadtteil Knightsbridge, während eine Handvoll von Assanges Anhängern in der Nähe campierten, um ihn zu "bewachen". Wikileaks sprach von einer "Taktik der Einschüchterung". Die Organisation kündigte an, Assange werde sich am Sonntag persönlich an die Öffentlichkeit wenden.

In Schweden traf ein Vertreter des Außenministeriums Ecuadors Botschafter, um ihm die "Grundprinzipien des schwedischen Justizsystems" in Erinnerung zu rufen. Außenminister Carl Bildt hatte bereits zuvor Vorwürfe zurückgewiesen, Assange würden in Schweden nicht alle Rechte zu seiner Verteidigung eingeräumt. Ecuadors Außenminister Ricardo Patiño hatte den Verdacht geäußert, Assange könnte von Schweden weiter an die USA ausgeliefert werden.

Nach den Worten von Ecuadors Präsident Rafael Correa kann Assange "auf unbegrenzte Zeit" in der ecuadorianischen Botschaft in London bleiben. Grund sei die Weigerung der britischen Regierung, Assange nach Ecuador ausreisen zu lassen, sagte Correa am Freitag im ecuadorianischen Hörfunk. Ecuador habe Assange "diplomatisches Asyl" gewährt, und nach lateinamerikanischen Recht müsse das Land, in dem sich der Asylsuchende in der Botschaft des anderen Landes befinde, sicheres Geleit gewähren, fügte Correa hinzu.

Polizisten bewachen die Botschaft von Ecuador in London. AFP

Polizisten bewachen die Botschaft von Ecuador in London.

Wikileaks hat durch die Veröffentlichung hunderttausender vertraulicher US-Diplomatendepeschen und brisanter Dokumente zu den Kriegen im Irak und Afghanistan den Zorn Washingtons auf sich gezogen. Der US-Soldat Bradley Manning, der die Depeschen an Wikileaks weitergegeben haben soll, muss sich derzeit vor einem US-Militärgericht verantworten. Die USA dementieren jedoch, dass Assange ebenfalls gesucht werde. Auch Schweden und Großbritannien haben eigenen Angaben nach kein Auslieferungsgesuch erhalten.

Von

afp

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