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04.05.2015

06:38 Uhr

Wilders im Visier

Angriff auf Mohammed-Karikaturenausstellung

Mit einem bewaffneten Angriff wollen zwei Männer in Texas die Ausstellung von Mohammed-Karikaturen stoppen - und kommen dabei ums Leben. Auch der Rechtspopulist Geert Wilders hatte an der Veranstaltung teilgenommen.

Umstrittene Ausstellung in Texas

Tote nach Anschlag auf islamkritische Ausstellung

Umstrittene Ausstellung in Texas: Tote nach Anschlag auf islamkritische Ausstellung

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WashingtonNach einem bewaffneten Angriff auf eine Ausstellung von Mohammed-Karikaturen sind im US-Bundesstaat Texas zwei Männer erschossen worden. Die beiden Verdächtigen hätten am Sonntag (Ortszeit) vor dem Veranstaltungsort in Garland auf einen Sicherheitsbeamten geschossen und ihn verletzt, teilten die örtlichen Behörden mit. Polizeibeamte hätten die Angreifer erschossen.

Wie die Stadtverwaltung von Garland im Online-Netzwerk Facebook mitteilte, waren zwei Männer mit einem Auto zum Curtis Culwell Center gefahren, wo die Karikaturen-Veranstaltung stattfand. Dort hätten sie das Feuer auf einen städtischen Sicherheitsbeamten eröffnet. Seine Verletzung sei nicht lebensgefährlich. Zunächst hatten örtliche Medien berichtet, bei dem Angriff sei ein Polizeibeamter am Bein verletzt worden.

Die Polizei vermutete in dem Wagen der Angreifer Sprengsätze und schickte Sprengstoffspezialisten dorthin. Das Veranstaltungszentrum sowie umliegende Geschäfte wurden evakuiert.

Einen terroristischen Hintergrund schließen die Ermittler nicht aus: „Sie waren bereit, vorzufahren und auf die Polizei zu schießen“, sagte Polizeisprecher Joe Harn am Montag.

Die Veranstaltung in der Nähe von Dallas war von der als extrem rechts und islamfeindlich geltenden Amerikanischen Initiative zur Verteidigung der Freiheit (AFDI) organisiert worden. AFDI-Mitbegründerin Pamela Geller schrieb beim Kurznachrichtendienst Twitter: „Polizist angeschossen - zwei Verdächtige tot, warten auf Bombenexperten wegen möglicher Sprengsätze bei unserer Veranstaltung für Redefreiheit“.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Auf ihrer Website verurteilte Geller die Schüsse als „Krieg gegen freie Meinungsäußerung“. „Werden wir uns diesen Monstern ergeben?“ Die AFDI hatte 10.000 Dollar (8900 Euro) als Preis bei dem Karikaturenwettbewerb ausgelobt.

An der Veranstaltung in der Nähe von Dallas hatte auch der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders teilgenommen. In einer Twitter-Mitteilung berichtete er über die Schüsse in dem Konferenzzentrum. „Ich habe gerade das Gebäude verlassen, nachdem ich gesprochen habe“, schrieb er weiter.

Kurz nach Wilders' Rede eröffneten die beiden Angreifer vor dem Veranstaltungszentrum das Feuer auf einen Sicherheitsbeamten. Die Sicherheitskräfte feuerten zurück. Während der Schießerei wurden mehrere Geschäfte und Einkaufsmärkte geräumt.

Einer der beiden Angreifer sei 2010 des Versuchs angeklagt worden, sich Dschihadisten in Somalia anzuschließen, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf das FBI. Terrorismus sei dem 30-Jährigen allerdings nicht nachgewiesen worden. Er sei zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der zweite Angreifer sei sein 34 Jahre alter Mitbewohner gewesen.

Nach Angaben des Senders ABC vermuten die Behörden, dass der Täter den Angriff zuvor auf Twitter ankündigte. Im Tweet eines mittlerweile gelöschten Kontos eines selbsterklärten Anhängers der in Syrien und im Irak aktiven Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist von einer Attacke in Texas die Rede.

In einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AFP schrieb Wilders, er sei „schockiert“ über den Vorfall. „Das ist ein Angriff auf uns alle“, schrieb der für seine islamfeindlichen Äußerungen bekannte niederländische Politiker.

Die Darstellung des islamischen Propheten Mohammed empfinden viele Muslime als beleidigend. Im Westen veröffentlichte Mohammed-Karikaturen hatten in der Vergangenheit immer wieder Protestwellen in islamischen Ländern ausgelöst.

Im Januar wurde in Paris ein islamistischer Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" verübt, das für seine Mohammed-Karikaturen bekannt ist. Die beiden Attentäter töteten zwölf Menschen.

Kommentare (7)

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Frau Marina Damino

04.05.2015, 09:43 Uhr

der Friedliche Islam... irgendwie scheint es überall auf der Welt Probleme zu geben, wo der Islam eine gewisse Ausdehnung erreicht hat. Meinungsfreiheit wollen diese Menschen wohl nicht akzeptieren. Langsam stelle ich mir die Frage, ob der Islam wirklich so friedlich ist, wie man immer von unseren Politikern hört.
Aber wenn wir endlich alle Meinungen verbieten, die den Islam stören könnte, dann werden wir eine schöne friedliche Welt haben!

Account gelöscht!

04.05.2015, 09:44 Uhr

Es wir ein Kampf zwischen Islamisten und Populisten.

Der Terror wird zwar nicht und von niemanden sonst im Land toleriert. Wir versuchen in Zukunft damit zu leben und umzugehen auch wenn wir -wie zuletzt mit der Absage des Radrennens am 1. Mai in Frankfurt- uns einschränken lassen müssen.

Aber tatsächlich, allen voran die Politiker, wird zugeschaut und gewartet. Noch nicht einmal ein vernünftige! Zuwanderung ist geregelt.
Je schlechter dies ist umso mehr muss klar sein, dass das Kontigent von Menschen für den IS u.a. grösser werden wird.

Wir und die Politik sind am Rande und Zuschauer. Getreu nach dem Motto: "Es wird uns schon nichts passieren."

Auch eine Art den "fatalen Fehlentwicklungen" im eigenen Land zu begegnen.

Man muss sich aber dann die Frage stellen, ob Prof. Heinsohn mi seiner These des "Youth Bulge" immer mehr bestätigt wird.

Herr Markus Bullowski

04.05.2015, 10:07 Uhr

Wenn einer was böses über "den Islam" sagt, wird ihm schnell vorgeworfen, nicht zwischen Islam und Islamismus zu differenzieren.

Fakt ist aber: Bei der weitgehend unkontrollierten Einwanderung kann auch nicht differenziert werden, denn man kann einem Menschen ja nicht in den Kopf schauen, ob er ein Islamist ist oder nur normaler Gläubiger. Darum lässt sich auch nicht verhindern, dass wir mit dem Islam auch den Islamismus ins Land bekommen.

Die einzige Alternative wäre eine pauschale Begrenzung der Zuwanderung aus dem islamischen Kulturkreis, weil "Differenzieren" an den Grenzen eben nicht möglich ist. Doch genau das würde die "Guten" und die "Antirassisten" auf die Barrikaden bringen. Also geht es weiter wie bisher, und irgendwann haben die westlichen Länder die gleichen Probleme wie manche islamischen.

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