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10.01.2013

20:14 Uhr

Wirbel um Lews Unterschrift

Krickelkrakel auf den Dollarscheinen?

VonNils Rüdel

Jack Lew wird neuer US-Finanzminister – und schon ist die Aufregung im Lande groß. Im Amt verewigt er sich künftig auf jedem Dollarschein. Doch Lews Unterschrift sieht aus wie das Gekritzel eines Zweijährigen.

Krickelkrackel eines Zweijährigen?: Die Unterschrift des Jack Lews sorgt in den USA für Diskussionen. dapd

Krickelkrackel eines Zweijährigen?: Die Unterschrift des Jack Lews sorgt in den USA für Diskussionen.

New YorkUngefähr so sieht es aus, wenn man einen ausgetrockneten Kugelschreiber wieder zum Laufen bringen will. Es könnte auch die abstrakte Zeichnung von einer ausgeleierten Sprungfeder sein. Oder einfach nur das Gekritzel eines Zweijährigen.

Halb Amerika, so scheint es, beschäftigt sich derzeit mit einer wackeligen Linie mit neun großen und kleinen Kringeln. Und das hat seinen Grund: Es handelt sich dabei um die Unterschrift von Jack Lew – jenem Mann, den Präsident Barack Obama am Donnerstag als künftigen Finanzminister vorstellt. Jener Mann, dessen vollkommen unleserliche Unterschrift bald jede neue Dollar-Banknote zieren könnte, kraft seines Amtes.

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Ungefähr jede Zeitung, jeder Blog und jeder Fernsehsender in den USA hat sich mittlerweile zu den Lew-Kringeln positioniert. Die Meinungen reichen von „lächerlich“ über „kindisch“ bis zu „verrückt“, vom „Schlechtesten“ bis zum „Besten“ am neuen Chef der Treasury.

Die renommierte „Washington Post“ befragte sogar – hoffentlich in ironischer Absicht – eine Graphologin, was sie von dem Krickelkrakel hält. Und die Expertin, Kathi McKnight heißt sie, stieg sogleich ganz tief in die Psyche Jack Lews ein.

Die Kringel zeigen demnach Überraschendes: Der künftige Finanzminister, der von Gegnern wegen seiner Härte bei Verhandlungen gefürchtet wird, sei eher der anschmiegsame Typ. Er gehe Probleme „sanfter“ an als andere, so McKnight. Republikaner, die sich an Schrei-Duelle mit Lew erinnern, dürften an dieser Stelle kurz aufgelacht haben.

Doch es gibt noch mehr zu diagnostizieren. Auch die Tatsache, dass Lews Unterschrift nicht lesbar ist, hat laut McKnight einen tieferen Grund. Leute, die so unterschreiben, seien verschlossen, „sie möchten einige Dinge lieber privat halten“. Die Alphatiere der Geschichte jedenfalls, wie etwa die Väter der Verfassung, hätten niemals mit Kringeln unterschrieben, so die Graphologin. Eine prominente Kringel-Unterschreiberin aber gebe es: Prinzessin Diana.

Gründe genug also für die „Washington Post“, sich an Lews Verhandlungspartner im erbitterten Haushaltsstreit zu wenden: „Seid sanft zu ihm, bitte“.

Wahrscheinlich ist die Aufregung um Lews Krickelkrakel aber sowieso umsonst. Denn der künftige Finanzminister könnte sich, zumindest für die Verewigung auf dem Dollarschein, ganz einfach eine lesbare Unterschrift zulegen. So hatte es auch sein Vorgänger Timothy Geithner gemacht. „Ich musste so schreiben, dass die Menschen meinen Namen lesen können“, sagte der Noch-Finanzminister einmal in einem Interview. „Es ging mir dabei nicht um Eleganz. Es ging mir um Leserlichkeit“.

Am Donnerstag äußerte sich sogar Obama persönlich zur Kringel-Problematik, als er seinen Wunsch-Kandidaten im Weißen Haus vorstellte. Als die Berichte über die wirre Unterschrift aufkamen, witzelte der Präsident über Lew, „wollte ich ihn fast schon wieder zurückschicken“. „Doch Jack hat mir versprochen, wenigstens einen Buchstaben lesbar zu machen“.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

11.01.2013, 08:12 Uhr

Der Mann hat Stil...!

Soll er wie ein kleines Mädchen "LEW" draufschreiben...?

petervonbremen

11.01.2013, 08:32 Uhr

Verstehe die Aufregung nicht. Die Unterschrift spiegelt doch nur die Verwirrungen der US-amerikanischen Wirtschaft und Politik wider. - Immer im Kreis und nochmal und.... aus ist die Maus. -

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