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18.04.2013

12:06 Uhr

„Wirkung fraglich“

Wirtschaftsinstitute raten EZB von Zinssenkung ab

Eine Zinssenkung wird die Wirtschaft kaum stimulieren, sagen die führenden Wirtschaftsinstitute. Eine Zinssenkung würde nur den Krisenbanken helfen. Risiken gäbe es dagegen für den deutschen Immobilienmarkt.

In einer Pfütze spiegelt sich eine Euro-Skulptur. Experten sehen eine Zinssenkung durch die EZB zweifelhaft. dpa

In einer Pfütze spiegelt sich eine Euro-Skulptur. Experten sehen eine Zinssenkung durch die EZB zweifelhaft.

BerlinDie führenden Wirtschaftsinstitute raten der EZB von einer Zinssenkung zur Stimulierung der mauen Euro-Wirtschaft ab. Zwar biete der absehbar niedrige Preisdruck auf den ersten Blick Spielraum für eine geldpolitische Lockerung, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung. "Es ist jedoch fraglich, ob ein solcher Schritt zusätzliche stimulierende Impulse auf die Konjunktur im Euroraum hätte." Die Darlehenszinsen in den Krisenländern dürften dadurch kaum sinken, da das Kreditangebot erheblich beschränkt sei. Auch die Geldmarktzinsen, die bereits nahe bei Null liegen, ließen sich nicht nennenswert verändern.

Eine Zinssenkung würde demnach vor allem Geschäftsbanken zu Gute kommen, die bereits am Tropf der EZB hängen. Dies seien vor allem Geldhäuser, die in ihren Bilanzen mit strukturellen Problemen ihrer Vermögenspositionen kämpfen. Niedrigere Leitzinsen würden in erster Linie dazu führen, dass die notwendige strukturelle Anpassung weiter verzögert wird, befürchten die Institute.

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

1. Januar 1999

1. Januar 1999: Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt 1,95583 DM je Euro.
Am 4. Januar startet der Handel in Sydney - der ersten großen Börse, die nach dem Datumswechsel öffnet - mit 1,1747 Dollar.

Dezember 1999

Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

Frühherbst 2000

Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

Januar 2002

Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

März 2003

Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

September 2003

Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

September 2007

Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

Juli 2008

Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch. Nur wenige Tage zuvor - am 11. Juli - hatte übrigens auch der Ölpreis mit 147,50 Dollar je Fass sein Allzeithoch erreicht.

Oktober 2008

Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

Oktober 2009

Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

Dezember 2009, Januar 2010

Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

Frühjahr und Sommer 2011

EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

Ende Februar 2012

Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Juni 2012

Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

Juli 2012

Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde „alles nötige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

Februar bis März 2013

Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

September 2014

Die EZB überrascht die Märkte mit einem neuen Zinssenkungszyklus. Der Euro nimmt seine Talfahrt wieder auf. Signale von EZB-Chef Mario Draghi für weitere Geldspritzen drücken den Euro bis zum Jahresende auf rund 1,21 Dollar.

06. Januar 2015

Der Euro fällt auf 1,1853 Dollar und erreicht damit das Tief von Februar 2006. Zugleich nimmt die Talfahrt der Ölpreise weiter Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel (159 Liter).

Lockere Geldpolitik hat Folgen für deutschen Immobilienmarkt

Ein weiterer Grund zur Zurückhaltung beim Drehen an der Zinsschraube dürfte der in den deutschen Ballungszentren boomende Immobilienmarkt sein: "Auch wenn man derzeit nicht von einer Blase sprechen kann, da der Preisanstieg bislang vergleichsweise gering ausgefallen ist, sind dies Anzeichen, dass die monetäre Expansion Wirkung zeigt". Auch in anderen Ländern habe es mehrere Jahre gedauert, bis sich die Immobilienpreise massiv erhöhten. "Allerdings wird die Immobilienfinanzierung in Deutschland restriktiver gehandhabt als in anderen Ländern, was das Entstehen von Blasen erschwert."

Die Institute gehen allerdings davon aus, dass die EZB wegen der absehbaren Konjunkturerholung an der Zinsfront stillhalten wird. Sie kann Anfang Mai auf ihrer Ratssitzung darüber entscheiden, ob der Leitzins von derzeit 0,75 Prozent beibehalten oder wegen der wirtschaftlichen Malaise in der Euro-Zone auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt wird.

Welche Länder die höchsten Einkommen haben

Platz 5: Deutschland

Auch die Deutschen haben mehr Einkommen zur Verfügung als andere Länder. Der Durchschnitt liegt bei 43.500Euro, der Median bei 32.500 Euro. Es ist das Land mit der höchsten Abweichung. Sie liegt bei rund 35 Prozent.

Platz 4: Finnland

Finnlands durchschnittliche Einkommen pro Haushalt liegen bei 45.100 Euro. Der Median liegt allerdings nur bei 36.300 Euro, die Abweichung beträgt rund 20 Prozent.

Platz 3: Niederlande

Holländische Haushalte haben im Durchschnitt 45.800 Euro Einkommen zur Verfügung. Der Median liegt bei 40.600 Euro. Die Abweichung liegt nur bei knapp zwölf Prozent.

Platz 2: Belgien

Belgien hat im Durchschnitt pro Haushalt und Jahr 49.500 Euro zur Verfügung. Der Median liegt bei 33.700 Euro. Eine Abweichung von rund 32 Prozent.

Platz 1: Luxemburg

Das Einkommen in Luxemburg liegt Durchschnitt bei 83.700 Euro pro Jahr. Der Median liegt immerhin noch bei 64.800 Euro. Damit weicht der Wert deutlich ab – und zwar um rund 22 Prozent.

„Das gehört nicht zum Mandat“

Zuletzt war auch darüber spekuliert worden, ob die Zentralbank die Kreditnöte von Mittelständlern in den von der Krise geschüttelten Randstaaten des Währungsraums lindern werde. Die Institute lehnen dies ab: "Weitere Maßnahmen der EZB in Richtung einer gezielten Kreditförderung des Mittelstandes sind aus Sicht der Institute abzulehnen, da sie nicht zum Mandat einer Notenbank gehören." Staatliche Förderbanken und -programme könnten diese Aufgabe gegebenenfalls übernehmen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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aktionaer

18.04.2013, 12:24 Uhr

Tatsache ist, dass ausländische Investoren das EU-Land panikartig verlassen. Das was mit Zypern gemacht wurde, hat einen Tsunami ausgelöst, wo jeder sein Geld iwi in Sicherheit bringt.

Wann dann der Euro abgewertet wird, ist nur eine Frage der Zeit.

Bis dahin sollten wir dem Maistream folgen:

– im EU-Land Schulden machen (man wird dafür belohnt)
– in Ländern, die noch Moral haben, sollte man investieren (Asien)

DerDoolittle

18.04.2013, 13:15 Uhr

So, in Aisen haben die Länder also "Moral" wenn es ums Geld bzw. Investments geht, na den Satz würde ich aber noch mal überdenken!

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