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11.10.2016

15:16 Uhr

Wirtschaft soll schrumpfen

Briten fürchten Milliardenverlust durch den Brexit

Um fast zehn Prozent könnte das BIP Großbritanniens in den kommenden Jahren schrumpfen, sollte man dem Binnenmarkt der EU den Rücken kehren. Das britische Finanzministerium will damit vor einem „harten Brexit“ warnen.

Der Kurs des britischen Pfund stürzte ab, als die britische Premierministerin deutlich machte, dass sie sich wohl für einen „harten Brexit“ einsetzen würde. Nun warnt auch das Finanzministerium davor. AFP; Files; Francois Guillot

Theresa May

Der Kurs des britischen Pfund stürzte ab, als die britische Premierministerin deutlich machte, dass sie sich wohl für einen „harten Brexit“ einsetzen würde. Nun warnt auch das Finanzministerium davor.

LondonDas britische Finanzministerium hat vor erheblichen Kosten gewarnt, sollte Großbritannien infolge des Brexit-Votums aus dem Europäischen Binnenmarkt ausscheiden. Das geht aus einem internen Papier hervor, das der britischen Tageszeitung „The Times“ vorliegt. Demnach könnte das Bruttoinlandsprodukt des Landes innerhalb der kommenden 15 Jahre um bis zu 9,5 Prozent schrumpfen. Das entspräche dem Papier zufolge einem Rückgang von Steuereinnahmen in Höhe von 66 Milliarden Pfund (73 Milliarden Euro) pro Jahr.

Das Finanzministerium wolle mit dem Papier Kabinettsmitglieder von dem potenziellen Schaden überzeugen, den ein „harter Brexit“ mit sich bringe, berichtet die „Times“ am Dienstag. Die Zahlen basierten auf einem Bericht, der bereits vor dem Brexit-Votum veröffentlicht wurde und damals von Befürwortern eines EU-Austritts als „Panikmache“ abgetan wurde. Dass das Finanzministerium den Bericht nun wieder hervorholt, könnte ein Zeichen dafür sein, wie zerstritten das Kabinett in der Frage ist, ob das Land den Europäischen Binnenmarkt den Rücken kehren sollte.

Großbritanniens Optionen nach dem Brexit

Zollunion

Großbritannien könnte es machen wie die Türkei und der Zollunion beitreten. Dadurch würden die Zölle wegfallen und die Handelsabkommen mit der EU behielten bestand. Andererseits wäre London aber dabei eingeschränkt, eine eigene Handelspolitik zu betreiben, da man sich an den gemeinsamen Zolltarif halten müsste. Ob dies den Briten gefallen würde, bleibt fraglich. Immerhin folgt die Brexit-Entscheidung dem Ruf nach völliger nationaler Souveränität.

Europäischer Wirtschaftsraum (EWR)

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) umfasst derzeit 31 Länder. Die teilnehmenden Staaten haben gemeinsame Aufsichtsbehörden, Gerichte und Regeln. Zudem gelten die vier Binnenmarktfreiheiten beim Waren-, Personen-, Dienstleistungen- und Kapitalverkehr. Allerdings will die britische Regierung weder der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes unterliegen noch die Kontrolle über die Immigration abgeben.

Der „Schweizer Weg“

Am liebsten wäre der englischen Regierung wohl ein Modell wie der „Schweizer Weg“. So könnten für die einzelnen Wirtschaftsbereiche maßgeschneiderte Abkommen ausgehandelt werden. Die EU hat allerdings schon durchblicken lassen, eine derartige Lösung abzulehnen.

Freihandelsabkommen

Die wahrscheinlichste Option ist für die Briten wohl ein gesondert ausgehandeltes Freihandelsabkommen, wie es zwischen der Europäischen Union und Kanada (Ceta) vereinbart wurde. Damit würden die Briten ihre durch den Brexit forcierte Unabhängigkeit behalten und könnten spezielle, aber umfassende Handelsbedingungen im Gespräch mit der EU festlegen.

Die Warnungen kommen inmitten wachsender Spannungen im britischen Parlament. Mehrere prominente Politiker verschiedener Parteien hatten eine Abstimmung über die Brexit-Strategie der Regierung gefordert. Ex-Labourchef Ed Miliband sagte der BBC am Montag, die Regierung solle ihre Verhandlungsstrategie mit einem Papier vorstellen, über das im Parlament abgestimmt werden könne. Auch Abgeordnete aus der Regierungspartei stellten sich hinter die Forderung. Der konservative Abgeordnete Stephen Phillips bezichtigte die Regierung dem „Guardian“ zufolge der „Tyrannei“. Er habe für den Brexit gestimmt, um die Souveränität des britischen Parlaments wieder herzustellen. Nun wolle die Regierung die Wünsche der Volksvertreter in der wichtigsten Angelegenheit für das Land ignorieren, sagte Phillips.

Premierministerin Theresa May hatte eine Parlamentsabstimmung über die Brexit-Strategie der Regierung zuvor mehrfach ausgeschlossen. Grund für die wachsende Unruhe im Parlament sind Äußerungen Mays beim Parteitag der Konservativen in Birmingham Anfang des Monats. Dort hatte sie den Eindruck erweckt, Großbritannien steuere auf einen „harten Brexit“ zu. Großbritannien werde sich nicht mehr der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs unterwerfen, hatte May gesagt und der ungehinderte Zuzug von EU-Migranten solle eingeschränkt werden. Der Kurs des Britischen Pfunds stürzte daraufhin auf ein historisches Tief.

Besonders in der wichtigen Branche der Finanzdienstleister wird ein Austritt aus dem Binnenmarkt mit Sorge betrachtet. Die Unternehmen könnten dann das Recht verlieren, ihre Finanzprodukte auf dem europäischen Markt ohne Weiteres anzubieten. Daher geht bereits die Angst vor einem Exodus ausländischer Investmentbanken um. Wie die „Financial Times“ am Dienstag berichtete, kündigte mit der staatlichen russischen VTB Bank erstmals ein Geldhaus an, seinen europäischen Sitz aus London an eine anderen europäischen Standort zu verlegen.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Herr Peter Delli

11.10.2016, 16:30 Uhr

Lieber 10% weniger in der Tasche als mit Merkels Gästen leben, die Briten blicken durch.

Account gelöscht!

11.10.2016, 17:47 Uhr

Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

Account gelöscht!

11.10.2016, 17:52 Uhr

Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

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