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13.10.2013

17:06 Uhr

Wirtschaftliche Erholung

Irland will Rettungsschirm am 15. Dezember verlassen

Irland hat sich ein Datum für den Ausstieg aus dem Euro-Rettungsschirm gesetzt: Am 15. Dezember soll es soweit sein. Die „wirtschaftliche Notsituation“ sei damit vorüber, sagte Ministerpräsident Enda Kenny.

„Ich kann bestätigen, dass Irland bereit ist, den Rettungsschirm von EU und IWF am 15. Dezember zu verlassen“, sagte Kenny laut BBC am Samstagabend in Limerick. dapd

„Ich kann bestätigen, dass Irland bereit ist, den Rettungsschirm von EU und IWF am 15. Dezember zu verlassen“, sagte Kenny laut BBC am Samstagabend in Limerick.

Dublin/LuxemburgEs ist eine erste Erfolgsgeschichte der Euro-Rettung: Irland wird nach Angaben von Ministerpräsident Enda Kenny ab Mitte Dezember nicht mehr auf den EU-Rettungsschirm angewiesen sein und will auch künftig auf Hilfskredite verzichten. Damit sei die „wirtschaftliche Notstandssituation“ vorüber, sagte Kenny auf einem Treffen der regierenden Fine Gael Partei. Gleichzeitig wies er auf einen weiterhin schwierigen Weg für sein Land hin. Irland hatte seit 2010 von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) 67,5 Milliarden Euro an Krediten erhalten.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

„Ich kann bestätigen, dass Irland bereit ist, den Rettungsschirm von EU und IWF am 15. Dezember zu verlassen“, sagte Kenny laut BBC am Samstagabend in Limerick. „Und wir werden nicht zurückkehren.“ Das bedeute aber nicht, dass die finanziellen Schwierigkeiten vorüber seien. „Wir haben noch einen langen Weg vor uns“, betonte Kenny. Der Haushalt für 2014, der am Dienstag vorgelegt werden soll, sieht harte Einsparungen sowie Steuererhöhungen vor. Zuletzt hatte es noch als unsicher gegolten, ob Irland 2014 wirklich ohne neue Hilfskredite auskommen will.

Die Entscheidung Irlands und die Lage in den Krisenländern Griechenland und Portugal wird auch Thema beim Treffen der EU-Finanzminister am Montag und Dienstag in Luxemburg sein. Die Ankündigung Kennys bedeutet, dass Irland ab dem 15. Dezember wieder selbst Schulden an den Kapitalmärkten aufnehmen wird. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatte dem Land bereits Unterstützung in Aussicht gestellt, wenn es sich wieder selbst finanzieren muss - ohne allerdings Details zu nennen.

Kommentare (28)

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Account gelöscht!

13.10.2013, 17:29 Uhr

"Irland hat sich ein Datum für den Ausstieg aus dem Euro-Rettungsschirm gesetzt: Am 15. Dezember soll es soweit sein. Die „wirtschaftliche Notsituation“ sei damit vorüber, sagte Ministerpräsident Enda Kenny."
Griechenland will den "Rettungsschirm" nie vrlassen.
Es ist doch so einfach, auf Kosten Anderer zu leben.
Irland ist eine Erfolgsgeschichte. Griechenland nicht!

Rechner

13.10.2013, 18:45 Uhr

Das "Verlassen des Rettungsschirms am 15. Dezember" bedeutet natürlich nicht, daß Irland am 15. Dezember sämtliche Kredite von EFSM und EFSF zurückgezahlt haben wird. Es bedeutet nur, daß bis zum 8. Dezember der letzte Bericht der Kommission über die Einhaltung der Rettungsvereinbarungen durch Irland vorliegen wird, und das aufgrund dieses Berichts voraussichtlich die Auszahlung der letzten Tranche der Rettungsgelder von bis zu 2,3 Milliarden € stattfinden wird.

Ab dann wird Irland seine Verbindlichkeiten von 45 Mrd bei EFSF und EFSM verzinsen und ab 2016 tilgen. Die erste Tilgung von 5 Mrd ist für den 1.5.2016 vorgesehen. Die Tilgung erfolgt bis 2042.

Es ist nicht zu erwarten, daß Tilgung gleichbedeutend mit Schuldenrückführung ist. Vielmehr wird Irland voraussichtlich alles oder das meiste der Verschuldung sukzessive am Kapitalmarkt refinanzieren.

Ähnliches gilt auch für Verbindlichkeiten Irlands in Höhe von 22,5 Mrd gegenüber dem IMF.

Es ist für 2014 eine Staatsschuldenquote von etwa 138% zu erwarten, die pro Jahr um etwa 1% bis 2% sinken sollte.

Entsprechend werden Irland an den Kapitalmärkten natürlich keine "deutschen" Zinssätze bewilligt, sondern etwa 2% höhere.

In dem Maß, in dem Irland seine Staatsschuldenquote abbaut könnte sich der Marktzins für neu begebene Anleihen auch reduzieren.

Entscheiden wird sein, daß Irland sein Haushaltsdefizit kontinuierlich und deutlich weiter reduziert.

Die extrem hohen Sozialleistungen, die 155,4% über dem Niveau von 2001 liegen bieten Spielraum für Einsparungen.

Während der Leistungsbilanzüberschuß von 6,4% des Bruttosozialprodukts Spielraum für Steuerhöhungen bietet.

News-Flow-statt-Cash-Flow

13.10.2013, 19:19 Uhr

Die Meldung folgt dem bekannt Muster der Schnorrer-Staaten:
Jeder milliardenschwere Zusatz-Bedarf wird zuvor medial eingeleitet mit Schein-Erfolgsmeldungen, um die Bürger der Zahlstaaten bei Laune zu halten.

"Rechner" hat das Volumen der nächsten Irland-Spende mit 2,3 Milliarden beziffert.
Zugleich beziffert er die Schulden Irlands allein schon bei EFSF und ESM mit 67,5 Milliarden Euro:

Für ein kleines Irland, dessen Bevölkerung gerade einmal ein Viertel des deutschen Bundeslandes NRW beträgt.




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