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01.10.2014

11:40 Uhr

Wirtschaftsbeziehungen

Deutsche Exporte nach Russland eingebrochen

Die Ukraine-Krise hat die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen in hohem Maße belastet. Vor allem die deutschen Exporte nach Russland seien betroffen, warnt der russische Botschafter Wladimir Grinin.

Der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir Grinin, in Rostock-Warnemünde zum Auftakt des Russland-Tags. dpa

Der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir Grinin, in Rostock-Warnemünde zum Auftakt des Russland-Tags.

RostockDie Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland sieht der russische Botschafter Wladimir Grinin mit großen Sorgen. Der Warenumsatz im ersten Halbjahr 2014 habe sich um 6,5 Prozent verringert, sagte Grinin zum Auftakt des wegen der Ukraine-Krise umstrittenen Russland-Tags in Rostock, einem Wirtschaftstreffen mit mehr als 400 Teilnehmern vornehmlich aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Gebiet rund um St. Petersburg.

Die Russland-Geschäfte deutscher Konzerne

Eon

Der größte deutsche Energiekonzern hat seit 2007 rund sechs Milliarden Euro in den russischen Strommarkt investiert. Er hält knapp 84 Prozent an dem Kraftwerksbetreiber E.ON Rossiya OAO. Der Anteil des russischen Stromgeschäfts am Umsatz lag 2013 bei 1,5 Prozent und am operativen Gewinn bei gut sieben Prozent. E.ON beschäftigt rund 5000 Mitarbeiter in Russland. Der Versorger bezieht zudem 30 bis 40 Prozent seines Erdgases von dort. Die Düsseldorfer sind auch mit 25 Prozent an dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligt und mit 15,5 Prozent an der Ostsee-Pipeline, durch die Gas - an der Ukraine vorbei - von Russland nach Deutschland fließt. Die Mehrheit an beiden Projekten hält der russische Gazprom -Konzern.

BASF

Der weltgrößte Chemiekonzern ist vor allem in seinem Öl- und Gasgeschäft kräftig in Russland engagiert. So ist der Konzern mit seiner Tochter Wintershall am Gas-Projekt ZAO Achimgaz, einem Joint Venture mit Gazprom, zu 50 Prozent beteiligt. ZAO Achimgaz produziert in Sibirien etwa 3.500 Kilometer nordöstlich von Moskau Erdgas. Ferner ist Wintershall über die Gesellschaft OAO Severneftegazprom nach eigenen Angaben mit insgesamt 35 Prozent an der Ausbeutung des sibirischen Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligt. Zusammen mit einer Tochter des russischen Erdölproduzenten Lukoil betreibt Wintershall zudem das Gemeinschaftsunternehmen Wolgodeminoil zur Förderung von Erdöl. Die BASF-Tochter hält daran 50 Prozent.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist im Schienenverkehr sowie im Logistik-Geschäft mit insgesamt fünf Unternehmen in Russland vertreten: Vier davon sind 100-Prozent-Beteiligungen. An einer weiteren Firma, die Schienentransporte quer durch Russland von China nach Deutschland organisiert, hält die Bahn einen Anteil von gut einem Drittel. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen unter anderem mit der russischen Staatsbahn RZD. Bahnchef Rüdiger Grube hatte das Geschäftsvolumen in Russland zuletzt mit rund 250 Millionen Euro beziffert.

Daimler

Der Autokonzern ist zusammen mit der Entwicklungsbank EBRD mit 15 Prozent an dem russischen Lkw-Bauer Kamaz KMAZ.MM beteiligt. Die Stuttgarter lassen in zwei Gemeinschaftsunternehmen in dem Land Lastwagen der Marken Mercedes-Benz und Fuso montieren, die besonders robust und damit an die dortigen Straßenverhältnisse angepasst sind. Im abgelaufenen Jahr wurden 5600 Lkw der beiden Marken in Russland ausgeliefert. Etwa die Hälfte davon wurde vor Ort gebaut, der Rest aus Deutschland importiert.

Metro

Russland ist für den Handelsriesen mit einem Jahresumsatz von rund 4,3 Milliarden Euro und 22.000 Mitarbeitern der wichtigste Auslandsmarkt. Der Konzern betreibt dort 73 Cash&Carry-Märkte und 57 Media-Saturn-Filialen. Den Börsengang seines russischen Großmarktgeschäfts hatte Metro im März wegen der Ukraine-Krise auf Eis gelegt.

Henkel

Für den Konsumgüterkonzern ist Russland der weltweit viertgrößte Markt. Der Hersteller von Persil und Pritt hatte dort 2013 rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Die Ukraine zählt zu den zehn wichtigsten Wachstumsmärkten Henkels. Im ersten Quartal war Henkel trotz der politischen Unruhen währungsbereinigt in Russland "im mittleren einstelligen Prozentbereich gewachsen" und in der Ukraine "ganz leicht" geschrumpft.

Adidas

Für den Sportausrüster ist Russland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Infolge der Ukraine-Krise hat dem Konzern bisher vor allem der Verfall des Rubel zu schaffen gemacht. Schuhe und Kleidung mit den drei Streifen, die in Russland seit Sowjetzeiten etabliert sind, waren dort weiter gefragt. Adidas ist in Russland Marktführer.

Insbesondere der deutsche Export nach Russland ist demnach betroffen. Im Juli sei der Export um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen. Über das ganze Jahr gesehen könnte der Export um bis zu 25 Prozent sinken.

Als problematisch bezeichnete Grinin das Schwinden des gegenseitigen Vertrauens. In den vergangenen Jahren sei eine privilegierte Zusammenarbeit aufgebaut worden. Dieses Vertrauen wieder herzustellen, sei wesentlicher schwerer als nur die ökonomischen Wunden zu behandeln.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Herr Vittorio Queri

01.10.2014, 11:59 Uhr

>> Deutsche Exporte nach Russland eingebrochen <<

Auch die Russischen Exporte nach EU werden einbrechen !

Und die EU-ler werden sich im Winter auch den Allerwertesten abfrieren, die können diesen Winter das bei den Ukrainern schon mal beobachten :

http://russia-insider.com/en/politics_business/2014/09/25/12-50-42pm/eu_hurts_itself_much_more_russia_applying_energy_sanctions

Drittes Auge

01.10.2014, 12:02 Uhr

An diesem Beispiel zeigt sich schön, die Hohlheit der Propaganda, wir bräuchten die EU um in der Welt des 21. Jhd. noch ein Wörtchen mitreden zu könne. Tatsache ist, dass die EU es z.B. den Amerikanern vereinfacht, IHRE Interessen (z.B. nach einem Kleinhalten Russlands und in Europa "Teile und herrsche") in Europa durchzusetzen. Deutschland kann weniger denn je mitreden außer die amerikanischen Vorgaben abnicken und bezahlen.

Letzteres wird natürlich in der deutschen Presse kaum thematisiert. So hat Merkel dem US-gestützten Regime in Kiew kürzlich 1 Mrd. Mark versprochen, um seinen Einflus in der Ostukraine zurückzukaufen. Zusätzlich kommen noch Kredite für das Bezahlen der Ausstehenden Gasrechnung an Russland. Dass dieses offiziell "Kredite" genannten Transfers bei einem Land wie der Ukraine welches 3x pleite ist und sich nebenbei noch einen teuren Bürgerkrieg & überzogen nationalistischen Stress mit einem wichtigen Nachbarn inkl. teurem Mauerbau leistet, abgeschrieben werden muss, ist ja selbstverständlich.

Herr Thomas Albers

01.10.2014, 12:13 Uhr

"Tatsache ist, dass die EU es z.B. den Amerikanern vereinfacht, IHRE Interessen (z.B. nach einem Kleinhalten Russlands und in Europa "Teile und herrsche") in Europa durchzusetzen. "

Guter Trollversuch...*g* <ironie>Es ist natürlich *immer* einfacher, ein geschlossenes Team, dass sich regelmäßig trifft und abspricht zu separieren als 15 Einzelkämpfer...</ironie>
Bullshit! ;)

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