Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.04.2014

17:07 Uhr

Wirtschaftsbeziehungen

Merkel will mehr mit Afrika handeln

Acht der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften liegen in Afrika: Die Wirtschaft sieht dort ihre Chance. Auf dem EU-Afrika-Gipfel in Brüssel plädiert Kanzlerin Merkel dafür, den Handel auszubauen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gabuns Präsident Ali Bongo Ondimba: Merkel will den Handel mit afrikanischen Ländern ausbauen. Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gabuns Präsident Ali Bongo Ondimba: Merkel will den Handel mit afrikanischen Ländern ausbauen.

BrüsselBundeskanzlerin Angela Merkel hat für einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zu Afrika plädiert. Europa könne Afrika über mehr Handel, mehr Investitionen und mehr Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen, sagte Merkel zum Auftakt eines zweitägigen EU-Afrika-Gipfels in Brüssel. „Der Schwerpunkt sollte darauf liegen, dass wir sagen, wir investieren in die Menschen, damit Afrika als selbstbewusster Kontinent selbst seine Probleme lösen kann.“

An dem Gipfel nehmen über 80 Staats- und Regierungschefs aus Afrika und der EU teil. Die Wirtschaft betrachtet Afrika schon länger als Chance: Im Schnitt wuchsen die Volkswirtschaften der afrikanischen Staaten von 2003 bis 2011 um 5,2 Prozent. Im Jahr 2012 befanden sich acht der zehn weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Afrika. Die afrikanische Entwicklungsbank schätzt, dass die Sub-Sahara-Länder in diesem Jahr um 6,4 Prozent wachsen werden.

Die EU und Afrika

Bildung, Gesundheit und Zivilgesellschaft

Die EU fördert afrikanische Staaten bei der Ausbildung. Mehr als zwölf Millionen Menschen hat sie nach eigenen Angaben zwischen 2007 und 2013 bei ihrer Schul- oder Berufsausbildung unterstützt. Tausende Studenten erhielten Stipendien oder nahmen am Erasmus-Austauschprogramm teil. 178 Millionen Euro flossen in den vergangenen sieben Jahren in mehr als 600 afrikanische Forschungsprojekte zu Ernährungssicherheit, Klimawandel, Gesundheit und Energie. Auch zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten und für den Kampf gegen den Klimawandel stellt die EU Geld bereit.

Wachstum und Handel

Europa ist der wichtigste Partner Afrikas in der Entwicklungshilfe. Zwischen 2007 und 2013 unterstützten die EU und ihre Staaten Afrikas Entwicklung mit rund 141 Milliarden Euro. Der Handel zwischen Europa und Afrika wächst seit Jahren – in beide Richtungen. 2013 exportierten die EU-Staaten Waren im Wert von 153 Milliarden Euro auf den afrikanischen Kontinent. Das war ein Rekord, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat meldete. Frankreich, Deutschland und Italien waren die größten Exporteure. Deutschlands Ausfuhren nach Afrika summierten sich 2013 auf 22 Milliarden Euro. Umgekehrt ist die EU für Afrika der größte Handelspartner, dorthin gehen 40 Prozent aller afrikanischen Ausfuhren. Die afrikanischen Staaten verkauften im vergangenen Jahr Waren für 168 Milliarden Euro nach Europa.

Friedenssicherung

Im vergangenen Jahrzehnt hat die EU 16 EU-Missionen nach Afrika geschickt, um Krisen zu bewältigen und den Frieden zu sichern. Darunter waren nach Angaben des EU-Rates sieben Militäroperationen etwa im Kongo, Somalia und Mali sowie 9 zivile Missionen wie in Kinshasa oder im Sudan/Darfur. Derzeit sind mehr als 2300 Männer und Frauen unter der EU-Flagge bei EU-Friedensmissionen in Afrika im Einsatz. Seit 2004 hat die EU 1,2 Milliarden Euro zur Unterstützung afrikanischer Operationen zur Friedenssicherung bereitgestellt.

Das Handelsvolumen der EU ist zumindest in der Summe nicht zu vernachlässigen: So betrugen die Exporte nach Afrika nach EU-Angaben im Jahr 2012 insgesamt 152 Milliarden Euro. Umgekehrt importierte die EU aus Afrika Waren im Wert von 187 Milliarden Euro – vor allem Rohstoffe. Der Afrikaverein der deutschen Wirtschaft spricht von einem „Chancenkontinent“ mit einer Milliarden-Bevölkerung – auch weil der Nachholbedarf so groß ist.

Positive Aussicht: Bill Gates sagt Welt ohne Armut voraus

Positive Aussicht

Bill Gates sagt Welt ohne Armut voraus

Laut Microsoft-Gründer Bill Gates sind in 20 Jahren nur noch wenige Länder arm. Die Vorstellung, dass arme Länder zur Armut verdammt seien, sei ein Mythos. Er warnte aber gleichzeitig vor überzogenen Erwartungen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.04.2014, 16:00 Uhr

Ist das Kind nicht schon in den Brunnen gefallen? Seit Jahrzehnten exportiert die westliche Welt hochsubventionierte Waren nach Afrika, umgekehrt aber gelten große Handelsbeschränkungen. Die Folge, viele Menschen in Afrika können vor Ort nicht so billig produzieren? Hat das die westliche Welt gehindert?

Wenn die Bundeskanzlerin wirklich möchte, dass Afrika seine Probleme selber löst, sollte sie u.a. dafür sorgen, dass u.a. kein Billig-Fleisch mehr in den südlichen Nachbar-Kontinent exportiert wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×