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18.01.2011

15:28 Uhr

Wirtschaftsbeziehungen

Partner und selbstbewusster Rivale

VonFinn Mayer-Kuckuk, Markus Ziener

Zum chinesisch-amerikanischen Gipfel in Washington kommt Präsident Hu Jintao als Vertreter der Zukunft. Nach 30 Jahren der inneren Modernisierung fühlt sich Peking stark genug, um international aufzutrumpfen.

Chinas Präsident Hu Jintao und US-Präsident Barack Obama DAPD

Chinas Präsident Hu Jintao und US-Präsident Barack Obama

Die Provokation war sorgfältig geplant. Ende vergangenen Jahres hatten zwei große US-Zeitungen Hu Jintao gebeten, auf Streitfragen zwischen den beiden Ländern zu antworten. Doch der chinesische Staats- und Parteichef ließ sich Zeit. Jetzt erst - unmittelbar vor seinem Gipfeltreffen mit US-Präsident Barack Obama am morgigen Mittwoch in Washington - reagierte Hu.

Die Antwort fiel für chinesische Verhältnisse mehr als deutlich aus. Das auf dem Dollar als Leitwährung gründende Währungssystem sei ein "Produkt der Vergangenheit", schrieb Hu im "Wall Street Journal" und der "Washington Post". Und auch im Dauerstreit über den richtigen Wechselkurs gab er keinen Millimeter nach. Peking könne die US-Forderung nach einer Aufwertung des chinesischen Yuans "nicht akzeptieren".

Nach 30 Jahren der inneren Modernisierung und dem Erzielen traumhafter Wachstumsraten fühlt sich Peking stark genug, um international aufzutrumpfen. China ist die neue "Bank of America": 2,85 Billionen Dollar an Devisenreserven hat die Volksrepublik angehäuft. "Gläubiger trifft Schuldner" könnte das Motto des Gipfeltreffens deshalb auch lauten. Entsprechend dürfte die Rollenverteilung in Washington aussehen. Während Hu sich im Erfolg der chinesischen Wirtschaft sonnt, ist Obama für einen Erfolg seiner Wirtschaftspolitik auf die Chinesen angewiesen. Obama wirkt wie ein Bittsteller im Dienste amerikanischer Unternehmen. Über 40 Verträge - darunter Großaufträge für Boeing - im Volumen von mehreren zehn Milliarden Dollar soll Hu unterschreiben.

Während Präsident Obama bescheiden auftreten muss, gefällt sich Chinas Präsident Hu Jintao in letzter Zeit in der Rolle des Anklägers: Ihr haltet euer Haus nicht in Ordnung und gefährdet damit den Wert unserer Dollar-Reserven, hielt Hu wiederholt den Amerikanern entgegen. Ganz anders China: "Die Finanzkrise hat China große Schwierigkeiten gebracht", schrieb Hu in US-Zeitungen. Gleich darauf aber lobte er den Umgang seines Landes mit der drohenden Gefahr: Beherzt und konsequent habe China an seinem Wachstumskurs festgehalten. Was er sagen will: Ohne China hätte die Weltwirtschaft nicht so schnell aus der Krise gefunden. Die USA dagegen haben kaum einen Beitrag zur Erholung geleistet.

Kommentare (1)

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bodo

18.01.2011, 19:25 Uhr

Die Exportziffern Chinas mit USA zu vergleichen, ist lachhaft. Die globalisierte US-industrie produziert vor Ort in mehr als 100 Nationen und beliefert ihre Kunden direkt von dort aus. Wenn GM aus seinen chinesischen Werken ganz Südostasien beliefert, rechnet das als "chinesische Exporte".

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