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03.01.2007

10:36 Uhr

Wirtschaftsboom

Spanien braucht Zehntausende Einwanderer

VonStefanie Müller

Spaniens Wirtschaft wächst weiter kräftig. Um den anhaltenden Boom zu stemmen, wird das Land auch in diesem Jahr auf ausländische Hilfskräfte angewiesen sein und hält deshalb an seiner großzügigen Einwanderungspolitik fest. Sogar Illegale bekommen Papiere.

MADRID. Spanien wird auch in diesem Jahr auf ausländische Hilfskräfte angewiesen sein und hält deshalb an seiner großzügigen Einwanderungspolitik fest. Im abgelaufenen Jahr wuchs die Wirtschaft nach Schätzungen der sozialistischen Regierung um knapp vier Prozent, für dieses Jahr wird mit 3,4 Prozent gerechnet. „Den anhaltenden Boom können wir nur mit Einwanderern stemmen“, sagt Miguel Sebastián, ehemaliger Wirtschaftsberater des spanischen Premier José Luis Rodríguez Zapatero vor Journalisten. Er hat einen Bericht ausgearbeitet, der zeigt, dass Spanien von den enormen Einwanderströmen der vergangenen Jahre wirtschaftlich enorm profitiert hat.

„Die Einwanderfamilien haben die Geburtenrate aufrechterhalten, die wir benötigen, damit unsere Bevölkerung wächst und damit auch die Sozialversicherung zu einem großen Teil durch ihre Arbeit mitfinanziert“, sagt Sebastián. Auf diesen Bericht stützend hat die spanische Regierung gerade bekannt gegeben, dass sie im kommenden Jahr 27 000 Nicht-EU-Ausländern die Einreise ins Land ermöglichen wird. Diese könnten dann in Spanien arbeiten.

Hinzu kommen 60 000 Saisonarbeiter, die in diesem Jahr zur Ernte oder für Jobs in der Gastronomie nach Spanien kommen können. Weitere 90 000 Immigranten, die sich illegal in Spanien befinden, werden in diesem Jahr ebenfalls Papiere bekommen, sofern sie einen Arbeitsvertrag vorweisen können. Derzeit leben knapp drei Millionen Ausländer in Spanien, rund eine halbe Million von ihnen haben keine Aufenthaltsgenehmigung. 1,8 Millionen sind bei der gesetzlichen Sozialversicherung angemeldet.

Die Europäische Union und vor allem Deutschland und Frankreich kritisieren die großzügige Einwanderungspolitik der Spanier. Sie wünschen sich mehr Kontrollen und einen Einschnitt bei der massiven Ausgabe von Aufenthaltsgenehmigungen. Beide Länder glauben, dass nur so das Flüchtlingsdrama an den Küsten Afrikas zu stoppen ist. Auf den vor Westafrika liegenden Kanarischen Inseln kamen im vergangenen Jahr über den Meeresweg 31 000 Menschen an. Ungebrochen ist auch der Zustrom von Marokkanern und Westafrikanern über die Grenzzäune der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla sowie über die Meeresenge von Gibraltar.

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