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12.12.2013

18:47 Uhr

Wirtschaftsbuchpreis

Wie Frankreich seinen Nachbarn sieht

VonThomas Hanke

Die Deutsche-Französin Odile Benyahia-Kouider hat den französischen Wirtschaftsbuchpreis gewonnen. Darin zeichnet sie ein Bild des modernen Deutschland – und zeigt, was die Franzosen über ihre Nachbarn denken.

Ein Franzose im Südosten Frankreichs: Noch immer leben viele Klischees über das Nachbarland fort. AFP

Ein Franzose im Südosten Frankreichs: Noch immer leben viele Klischees über das Nachbarland fort.

ParisDer französische Wirtschaftsbuchpreis ist am Donnerstag an eine Deutsch-Französin gegangen: Odile Benyahia-Kouider, Reporterin beim Magazin Nouvel Observateur, bekam ihn von Finanzminister Pierre Moscovici für „L’Allemagne paiera“ (Deutschland wird zahlen) verliehen. Auf 260 Seiten versucht sie, den Franzosen ein Bild des modernen Deutschland, seiner Menschen und der führenden Politiker zu vermitteln. Lesenswert ist es auch für Deutsche, die wissen wollen, was viele Franzosen über uns denken und welche Klischees noch immer im Umlauf sind. Oder die einfach nur schmunzeln wollen über die merkwürdigen Vorstellungen, die auch führende französische Politiker über Deutschland im Kopf haben. Etwa Nicolas Sarkozy, der mal eröffnete, er fühle sich „terrorisiert in Berlin, in Frankfurt übrigens auch“. Oder der frühere Chef seines Präsidialamtes Xavier Musca, der seinen Chef verteidigte: „Schauen Sie sich Berlin doch an, da gibt es keine Cafés wie bei uns!“

Seinen Titel verdankt das Buch einem Ausspruch von Louis-Lucien Klotz, dem Finanzminister von Georges Clémenceau, dem wichtigsten Architekten des unseligen Versailler Vertrages mit seinen unmäßigen Reparationszahlungen. Benyahia-Kouider hat festgestellt, dass in abgewandelter Form der Gedanke noch in manchen französischen Köpfen herumspukt: „Die Idee, der alte Feind habe eine untilgbare Schuld gegenüber Frankreich und den anderen europäischen Ländern, lebt noch.“ Dem hält die langjährige Deutschland-Korrespondentin entgegen, dass man nicht einerseits von der Bundesrepublik eine tragende, vielleicht führende Rolle in Europa erwarten und gleichzeitig im Stillen auf einen ewigen Schuldkomplex setzen könne.

Kommentare (6)

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Rene

13.12.2013, 08:00 Uhr

Ich weiß, was Deutschland aus seinem neuen Platz machen soll:
Weiter seine Tugenden pflegen und Kultur aufrechterhalten und verteidigen und sich nicht von französischen, amerikanischen und sonstigen Köchen in die Suppe spucken lassen.
Es gibt keine Schuld gegenüber anderen mehr. Wie dürfen uns den gleichen Patriotismus erlauben wie alle anderen Nationen auch.

Rainer_J

13.12.2013, 08:23 Uhr

Was passiert wenn Frankreich sagt:"Die Schweiz ist schuld!"?

Die Schweizer werden lachen und ansonsten passiert nichts.

Was passiert wenn Frankreich sagt:"England ist schuld!"?

Die Engländer werden lachen und ansonsten passiert nichts.

Was passiert wenn Frankreich sagt:"Deutschland ist schuld!"?

[...]

Genau aus diesem Grund steht Deutschland häufiger in der Kritik als England oder Schweiz.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

13.12.2013, 09:11 Uhr

Die Franzosen sind noch so antideutsch wie 1918. Da hat sich gar nichts verändert. Die französische Diplomatie ist nur bemüht, den deutschen Schuldkomplex mithilfe der hiesigen Politkaste wie Schmidt, Genscher, Kohl und deren Nachfolgern bis in die Ewigkeit zu zementieren, um Deutschland völlig auszunehmen. Das gelingt ja auch weitgehend. Dass Deutschland darüber krepiert, interessiert niemanden. Die EU jedenfalls ist zu keinen anderen Zweck geschaffen worden - der Euro sowieso nicht.
Es stimmt schon, was Schmidt sagte: "Die Deutschen werden noch das gesamte 21. Jahrhundert [für den Krieg] zahlen müssen; vielleicht auch noch das 22. Jahrhundert." Wer meint, Europa so aufbauen zu können, der irrt gewaltig. Es wird Zeit, das der Euro die gesamte EU kollabieren läßt; die Chancen in diesem Papiergeldsystem mit dem Euro als Katalysator in Europa stehen sehr gut. Erst danach werden die in Deutschland lebenden Steuerzahler ihre Freiheit wiedergewinnen.

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